VonIngo Durstewitzschließen
Djibril Sow und Rafael Borré werden Eintracht Frankfurt sicher verlassen, das bestätigt Manager Markus Krösche. Stürmer Wahi weiter ein heißes Thema.
Frankfurt - Im Training in Windischgarsten trifft Eintracht-Stürmer Rafael Borré wie am Fließband, mit traumwandlerischer Sicherheit, einfach so, immer wieder, zack-zack, Tor. Flanke von rechts, Kopfball, Tor. Zuspiel von links, Rechtsschuss, Tor. Und noch mal, und wieder, in Dauerschleife. Tor, Tor, Tor. Zum besseren Verständnis sei vielleicht angemerkt: Der Frankfurter Angreifer zwiebelt die Hereingaben des erstaunlich schnell genesenen Rekonvaleszenten Ansgar Knauff ganz alleine im Strafraum hinein ins Netz. Kein Gegenspieler hindert ihn am Torschuss und kein Schlussmann steht im Kasten, der vielleicht mal einen Ball hätte halten könnte. Es gibt schwierigere Aufgaben.
| Eintracht Frankfurt | |
|---|---|
| Gründung: | 8. März 1899 |
| Deutscher Meister: | 1x |
Rafael Borré ist bei Eintracht Frankfurt für immer ein Held
Wie damals, in der Glutnacht von Sevilla, als er erst den eminent wichtigen Ausgleich im großen Europapokalfinale gegen die Glasgow Rangers machte und dann im Shootout den entscheidenden Elfer in den Winkel feuerte. Momente für die Ewigkeit, Rafa Borré, der Held, unsterblich geworden in dieser magischen Nacht von Andalusien. Niemand, der es mit der Eintracht hält, wird das jemals vergessen, der Triumph von Sevilla wird immer mit dem Namen Rafael Borré verbunden sein. Doch das Leben geht weiter, die Realität überrollt einen jeden Tag aufs Neue, und so wird es nun so kommen, dass der kolumbianische Nationalstürmer den Verein, den er zum größten Erfolg seit einer ganzen Ewigkeit verhalf, in Kürze verlassen wird.
Genauso wie Djibril Sow, noch so ein Sevilla-Held, der den Klub in den vergangenen Jahren prägte, sicher nicht durch entscheidende Tore, aber durch seinen Fleiß, seine Hingabe und Loyalität. Beide werden, beide sollen, beide wollen, beide müssen Eintracht Frankfurt verlassen – wie auch immer man es drehen oder wenden mag. Darauf haben sich jedenfalls Sportvorstand Markus Krösche und die Spieler geeinigt. „Jeder weiß, woran er ist“, sagt der Sportchef. „Es ist wichtig, offen und ehrlich mit den Spielern umzugehen.“
Eintracht-Sportchef Krösche: „Kann schnell gehen“
Es ist Konsens zwischen den Parteien, und nun auch offiziell, dass beide nur noch auf Abruf dabei sind. Die Trennung wird einvernehmlich erfolgen. Wann genau, das ist noch offen. Aber Angebote gibt es für beide Spieler. „Wir müssen abwarten“, sagt Manager Krösche. „Es kann schnell gehen, aber auch noch etwas Zeit brauchen.“ Für beide ist eine Ablösesumme fällig, fünf, sechs Millionen für Borré, für Sow vielleicht etwas mehr – zumindest dann, wenn er nach England gehen sollte. Borré gehört zudem zu den Bestverdienern im Kader, entsprechend würde sein Abgang das Budget zusätzlich entlasten. Mit den beiden verdienten Spielern gehen wieder zwei Gesichter der Eintracht, die durch neue ersetzt werden. So läuft das in diesem Geschäft heutzutage.
Einer, der erst seit ein paar Wochen dabei ist, ist Mittelstürmer Igor Matanovic. Der lange Angreifer hat in allen drei Testpartien bisher getroffen, die Sportliche Leitung ist überzeugt vom 20-Jährigen, der zwei schlechte Jahre in Hamburg beim FC St. Pauli hinter sich hat und nun erst einmal ein bisschen aufgepäppelt wurde. Er ist ein Angreifer, dem die Zukunft gehören soll, dem zugetraut wird, perspektivisch eine tragende Rolle im Eintracht-Sturm einzunehmen.
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Eintracht-Hoffnung Mantanovic soll verliehen werden
In der Gegenwart aber wird Matanovic die Eintracht erst einmal wieder verlassen. Sportboss Krösche verhandelt mit einem Zweitligisten über eine Leihe. Für den Stürmer sei entscheidend, dass er nun eine Saison mit vielen Spielen hinter sich bringen könne, er brauche dringend Wettkampfpraxis, um den nächsten Schritt zu machen. Ragnar Ache wird diesen Schritt nicht mehr bei der Eintracht machen, der Stürmer steht vor einem Verkauf, der 1. FC Kaiserslautern ist interessiert. Zudem wird Jerome Onguene ausgeliehen, auch bei Marcel Wenig sucht Krösche einen passenden Verein, am besten in der dritten Liga.
Bei Jens Petter Hauge hat das mit der Leihe nicht so gut geklappt, der zuletzt in Gent geparkte Offensivspieler hat in Belgien zwar kaum gespielt, kommt aber als anderer, besserer Fußballer zurück. Findet nicht nur Markus Krösche. „Er ist sehr engagiert, bringt so langsam sein Potenzial auf den Platz“, sagt der 42-Jährige. „Er wirkt sehr professionell und ernsthaft, hat eine sehr positive Entwicklung genommen.“ Hauge, um acht Kilo erleichtert, spielt in den Planungen von Trainer Dino Toppmöller eine Rolle. Laut Krösche sieht man im Norweger einen klaren Zehner. Das war bis jetzt auch neu.
Chaibi im Fokus von Eintracht Frankfurt
Keinen neuen Stand gibt es bei Jesper Lindström und Randal Kolo Muani. Beide haben ein Preisschild angeheftet bekommen, die Berateragenturen der beiden begehrten Profis sind über die genaue Summe in Kenntnis gesetzt. Bei Lindström liegt die geforderte Ablöse bei 35 Millionen Euro, bei Kolo Muani bei 100 Millionen. Drunter macht es die Eintracht nicht. Gerade bei Kolo Muani hielte es Sportvorstand Krösche für sinnvoll, wenn er noch ein Jahr in Frankfurt bliebe. Er habe noch einige Entwicklungsfelder, und bei einem absoluten Topklub müsse er halt auf Anhieb funktionieren. Ob er schon so weit ist? So oder so: Noch ist kein Dominostein bei einem großen Verein gefallen, kein Kane und kein Vlahovic und kein Mbappé transferiert. Daher ist der Markt ruhig.
„Ich gehe stark davon aus, dass er bei uns bleibt“, sagt Krösche zwar, schränkt aber ein: Sollte ein entsprechendes Angebot eintrudeln, werde es „einen Punkt geben, an dem wir entscheiden, machen wir es oder nicht“. Eine Option ist weiterhin, ins Risiko zu gehen und schon einen Kolo-Nachfolger zu holen, obwohl er noch da ist. Es könnten, zur Not (oder im Idealfall), auch beide zusammen stürmen. Elye Wahi aus Montpellier ist nach wie vor der Wunschkandidat, der 20-Jährige ist aber auch ein heißer Aspirant beim FC Chelsea. Weiterhin im Fokus der Eintracht: der 20 Jahre alte Linksverteidiger Niels Nkounkou von AS Saint-Etienne. Und Offensivspieler Fares Chaibi, 20, vom FC Toulouse. Krösches kurzer Kommentar, garniert mit einem Lächeln: „Gute, interessante Spieler.“ Genauso wie Daichi Kamada, der sich verzockt hat und definitiv nicht zur Eintracht zurückkehren wird. „Es hat mich überrascht, dass das mit Mailand geplatzt ist“, sagt Krösche. Sein Gefühl sagt ihm gleichwohl, dass Kamada und Eintracht Frankfurt nicht mehr gut zusammenpassen.
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