VonDaniel Michelschließen
Alphonso Davies erlitt einen Kreuzbandriss. Dayot Upamecano ist ebenfalls verletzt. Hätte der FC Bayern mehr Rotation einplanen sollen?
München – Alphonso Davies war mit Kanada auf Länderspielreise. Im Duell gegen die USA wurde er nach zwölf Minuten verletzt ausgewechselt. Nichts deutete zunächst auf die Schwere seiner Verletzung hin. Doch nun ergaben Untersuchungen in München: Es ist ein Kreuzbandriss!
Und am Mittwoch gab der FC Bayern zudem bekannt, dass auch Dayot Upamecano für mehrere Wochen verletzt ausfällt. Bei ihm wurden freie Gelenkkörper im linken Knie festgestellt.
Nun fällt es sehr einfach zu sagen, dass womöglich die Länderspiele für eine Überbelastung gesorgt und zu den Verletzungen geführt haben. Schwere Verletzungen haben aber meist einen Vorlauf. Seit Jahrzehnten gibt es eben während der Saison auch Länderspielwochen, man muss die Belastung steuern.
Hätte der FC Bayern mehr rotieren müssen?
So müssen sich der FC Bayern und Trainer Vincent Kompany eine andere Frage stellen: Wäre auch in der Defensive mehr Rotation nötig gewesen?
Kompany setzt, untypisch für den FC Bayern, auf einen sehr laufintensiven Spielstil. Seine Mannschaft spult in der Bundesliga und Champions League mit die meisten Kilometer ab.
In der Abwehr wollte Kompany Stabilität gewinnen und setzte deshalb nach Möglichkeit stets auf eine ähnliche Formation. Alphonso Davies war als linker Außenverteidiger gesetzt, Dayot Upamecano als Innenverteidiger. Die Verteidiger müssen oft in lange Eins-zu-Eins-Sprintduelle, das ist so gewollt.
Die Frage ist nur: Hat die Überbelastung der Spieler schon beim FC Bayern begonnen? Upamecano kommt in der laufenden Saison auf 2928 Pflichtspielminuten für den FC Bayern, nur Verteidiger-Kollege Min-jae Kim und Sechser Joshua Kimmich haben noch mehr Spielminuten.
Auch bei Kimmich geht der FC Bayern ins Risiko
Bei Kimmich hat Absolut Fußball, das Fußballportal von Home of Sports, bereits auf eine drohende schwere Verletzung aufgrund der Überbelastung hingewiesen. Kaum anders verhält es sich aber bei den „Dauerbrennern“ Upamecano und Davies.
Davies kommt auf über 2000 Einsatzminuten, auch wenn er nur auf Platz acht im Bayern-Ranking liegt. Das hat damit zu tun, dass Davies schon mal im Dezember und dann im Januar und Februar mit einem Muskelfaserriss ausfiel. Sonst würde er wohl gleichauf mit Upamecano liegen.
Davies beklagte zudem zuletzt, dass ihn der Vertragspoker mit dem FC Bayern sehr belastet habe. Der 24-Jährige, der auch Kapitän von Kanada ist, hat folglich einen mentalen und physischen Overload gehabt. Pausen wären auch auf Klubebene dringend nötig gewesen. Nur zuletzt gegen den VfL Bochum in der Bundesliga rotierte Coach Kompany und stellte zehnmal um.
Spielstil von Kompany kostet Körner
Ebeno bleibt die Frage, warum Spieler wie Davies und Upamecano regelmäßig 90 Minuten durchspielen mussten. Bei hohen Führungen oder Duellen mit Teams aus der unteren Tabellenregion wäre ein dosiertes, gesteuertes Vorgehen angebracht gewesen. Den Spielstil will Kompany nicht ändern, schließlich sind Erfolg und Attraktivität bislang gegeben. Aber der Spielstil kostet Körner.
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Davies fällt dem FC Bayern nun für den Rest der Saison aus. Auch für den Start der neuen Saison 2025/26 dürfte es nicht reichen. Die linke Außenverteidigerposition gehörte zu den Problemfällen der letzten Jahre. Mit Davies in Topform fand der FC Bayern hier wieder Stabilität. Ob Newcomer Hiroki Ito, Rückkehrer Josip Stanišić oder die Ergänzungsspieler Raphaël Guerreiro und Sacha Boey Davies adäquat ersetzen können, wirkt fraglich.
Ersetzt Dier Upamecano?
In der Innenverteidigung hat der FC Bayern mehr Möglichkeiten, auch wenn beispielsweise Eric Dier in der Geschwindigkeit deutliche Nachteile gegenüber Upamecano besitzt.
Die Mischung aus zu vielen und intensiven Spielen beim FC Bayern, aus hochemotionalen Länderspielen und langen Reisen sowie der mentalen Dauerbelastung dürften in jedem Fall die Körper von Davies und Upamecano anfällig gemacht haben für schwere Verletzungen. Der FC Bayern muss nun aufpassen, dass nicht noch mehr Profis ausfallen.
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