Tabellenplatz drei

Warum die Eintracht einen Platz in der Champions League verdient hat

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Eintracht Frankfurt strebt seit langem nach einer Teilnahme an der Champions League. Das Erreichen des Ziels wäre die Bestätigung eines tollen Weges.

Frankfurt – Eintracht Frankfurt hat im Rennen um die Qualifikation für die Champions League alles in der eigenen Hand.

Die Hessen belegen nach 27 Spieltagen den dritten Tabellenplatz, sie kamen durch die Siege in Bochum (3:1) und gegen Stuttgart (1:0) wieder in die Spur zurück. Das Erreichen der Königsklasse wäre die Krönung eines Werdegangs, der im Mai 2016 begonnen hat.

Eintracht stand 2016 mit einem Bein in der zweiten Liga

Vor ziemlich genau neun Jahren steckte die Eintracht tief im Abstiegskampf. Die Hessen konnten sich erst in der Relegation gegen den Zweitligisten aus Nürnberg (1:1/1:0) durchsetzen. Wer weiß, wo der Klub ohne den Treffer von Haris Seferovic heute stehen würde.

Eintracht Frankfurt hat viel Grund zur Freude

Aus der Fahrstuhlmannschaft, die von 1996 bis 2011 viermal abstiegen war, entwickelte sich seitdem wieder ein etablierter Bundesligist. Die Saison 2015/16 war der negative Ausreißer. Maßgeblich für die vielen Sprünge nach oben in den vergangenen Jahren war aber der Wechsel auf der Kommandobrücke von Heribert Bruchhagen zu Fredi Bobic.

Die Entwicklung ging seitdem ständig in eine Richtung. Vor allem in den Pokalwettbewerben sorgte die Eintracht für Paukenschläge: Pokalfinalist 2017, Pokalsieger 2018, Europa-League-Halbfinalist 2019, Pokal-Halbfinalist 2020, Europa-League-Sieger 2022, Champions-League-Achtelfinalist 2023, Pokalfinalist 2023. Diese Erfolge waren maßgeblich für die gewaltigen Schritte des Klubs.

Eintracht gewinnt Pokale, lässt aber in der Bundesliga Konstanz in den Rückrunden vermissen

In der Bundesliga verlief die Entwicklung trotzdem etwas wellenförmiger. Rang elf, acht, sieben, neun, fünf, elf, sieben und zuletzt sechs: Der Klub verfehlte durch eine schwächere Rückrunde stets die Königsklasse. Mit Union Berlin (2022/23) und dem VfB Stuttgart (2023/24) ließ man punktuell zwei Mannschaften an sich vorbeiziehen, die vom Budget her hinter die Eintracht gehört hätten.

Vom Römerberg zum Hauptbahnhof: Ajax-Fans marschieren friedlich durch den Nieselregen

Bei Nieselregen durch das Bahnhofsviertel – am Nachmittag marschierten die Fans von Ajax Amsterdam vom Römerberg zum Frankfurter Hauptbahnhof.
Bei Nieselregen durch das Bahnhofsviertel – am Nachmittag marschierten die Fans von Ajax Amsterdam vom Römerberg zum Frankfurter Hauptbahnhof. © Lukas Scherhag
Bei Nieselregen durch das Bahnhofsviertel – am Nachmittag marschierten die Fans von Ajax Amsterdam vom Römerberg zum Frankfurter Hauptbahnhof.
Bei Nieselregen durch das Bahnhofsviertel – am Nachmittag marschierten die Fans von Ajax Amsterdam vom Römerberg zum Frankfurter Hauptbahnhof. © Lukas Scherhag
Bei Nieselregen durch das Bahnhofsviertel – am Nachmittag marschierten die Fans von Ajax Amsterdam vom Römerberg zum Frankfurter Hauptbahnhof.
Bei Nieselregen durch das Bahnhofsviertel – am Nachmittag marschierten die Fans von Ajax Amsterdam vom Römerberg zum Frankfurter Hauptbahnhof. © Lukas Scherhag
Bei Nieselregen durch das Bahnhofsviertel – am Nachmittag marschierten die Fans von Ajax Amsterdam vom Römerberg zum Frankfurter Hauptbahnhof.
Bei Nieselregen durch das Bahnhofsviertel – am Nachmittag marschierten die Fans von Ajax Amsterdam vom Römerberg zum Frankfurter Hauptbahnhof. © Lukas Scherhag
Bei Nieselregen durch das Bahnhofsviertel – am Nachmittag marschierten die Fans von Ajax Amsterdam vom Römerberg zum Frankfurter Hauptbahnhof.
Bei Nieselregen durch das Bahnhofsviertel – am Nachmittag marschierten die Fans von Ajax Amsterdam vom Römerberg zum Frankfurter Hauptbahnhof. © Lukas Scherhag

In den Jahren 2016 bis 2020 lag das Abrutschen im Endspurt vor allem an der Kaderbreite. Die erste Elf war gespickt mit spannenden Akteuren, doch die zweite Reihe konnte Ausfälle oder Formschwächen nicht kompensieren.

2021 kam in die Phase, als man sieben Zähler Vorsprung hatte, enorme Unruhe in den Klub. Neben Bobic kündigte auch der damalige Trainer Adi Hütter seinen Abgang an. Die Frankfurter verzockten sieben Zähler auf Borussia Dortmund und rutschten von Rang vier ab.

Frankfurt konnte diese Erschütterung nicht verkraften und verpatzte den Endspurt gegen Kellerkinder wie Mainz (1:1) und Schalke (3:4). Unter Hütter-Nachfolger Glasner und dem neuen Sportvorstand Markus Krösche lief es in Europa historisch herausragend, in der Bundesliga jedoch eher mau. Das war durch den Titelgewinn jedoch verkraftbar.

2024/25 hat die Eintracht eine gute Stimmung und viel Ruhe

Coach Dino Toppmöller führte den Klub immerhin erstmals seit 2021 wieder direkt in die Europa League, blieb aber dafür im ersten Jahr in den Pokalwettbewerben hinter den Erwartungen zurück. Immer fehlte eine Nuance, die Bundesliga-Saisons endeten selten zufriedenstellend.

2024/25 sieht die Gefühlslage am Main anders aus. Als Toppmöller seine 17 Feldspieler und vier Torhüter am Dienstagvormittag begrüßt hatte, war die Stimmung prächtig. Es wurde viel gelacht, bei den Übungsformen war Feuer drin, die Spielfreude in jeder Minute sichtbar. Die Atmosphäre innerhalb des Teams ist ein Faustpfand in dieser Phase.

Besiegt die Eintracht ihren Rückrundenfluch?

Eintracht Frankfurt hatte nach zehn Hinrundenpartien bereits 20 Punkte auf dem Konto. In der Rückserie sammelte das Team erst 15 Zähler. Dennoch konnten sich die Hessen zum richtigen Zeitpunkt steigern und zuletzt zwei wichtige Siege einfahren. 15 Punkte auf dem Konto bedeuten, punktgleich mit Freiburg, aktuell Rang sieben in der Rückrundentabelle. Der Trend zeigt in die richtige Richtung.

Die Eintracht hat nach ihrer Schock-Niederlage gegen Union Berlin (1:2) offenbar die richtigen Schlüsse gezogen. Personelle Unruhen oder Beben? Diese gibt es, mit Ausnahme der Torhüterfrage, die aber auch keine hohen Wellen schlägt, nicht.

Der Kader bietet zudem die nötige Breite für zwei Wettbewerbe. Toppmöller kann im Endspurt rotieren, beinahe alle Leistungsträger sind fit für die Crunchtime. Zudem bleiben mit RB Leipzig und Borussia Dortmund zwei Teams, die ursprünglich in die „Top vier“ gehören, hinter ihren Erwartungen zurück. Genau in diesem Fall ist es der Eintracht-Anspruch, da zu sein.

Eintracht hat die deutschen Topklubs immer wieder besiegt

Frankfurt hat in den vergangenen Jahren – wenngleich noch nicht konstant – auch die Topklubs besiegt. Der FC Bayern kassierte innerhalb von vier Jahren zwei heftige 1:5-Klatschen. Im Januar riss die sieben Partien anhaltende Negativserie gegen Borussia Dortmund (2:0), RB Leipzig konnte in wettbewerbsübergreifend neun Anläufen noch nicht einmal in der Mainmetropole gewinnen.

Und: Bayer Leverkusen wurde von 2018 bis 2024 im Waldstadion stets auseinandergenommen. Zur Weiterentwicklung der Eintracht zählt die neue Konstanz in Duellen gegen die Kellerkinder. Gegen Bochum (7:2/3:1), Kiel (4:2/3:1) und Heidenheim (4:0) holte das Toppmöller-Team 15 von 15 möglichen Zählern.

Ausrutscher wie gegen Union oder in Hoffenheim (2:2) sind in der aktuell laufenden Saison die Ausnahme und nicht die Regel. Krösche hat Toppmöller ein hervorragendes Gerüst zusammengestellt. Der Coach kann auf eine interessante Mischung aus Erfahrung, jugendliche Unbekümmertheit, enormes Talent, Kreativität, Tempo und Mentalität setzen.

Eintracht-Trainer Toppmöller findet Lösung nach Marmoush-Abgang

Toppmöller ist es zudem gelungen, den millionenschweren Abgang von Omar Marmoush zu kompensieren. Es hat zwar einige Wochen gedauert, inzwischen haben sich neue Mechanismen in der Offensive entwickelt. Der Einbau von Jean-Matteo Bahoya, die Positionierung von Spielmacher Mario Götze oder der nächste Schritt von Hugo Ekitiké sind wertvolle Bausteine.

Auch wenn die Verantwortlichen beim Thema Königsklasse zurückhaltend bleiben: Die Eintracht hätte sich den Einzug in die Champions League über die Bundesliga (es ist auch noch im Europapokal möglich) verdient. Es wäre die Krönung einer organischen Entwicklung, die 2016 in den Niederungen der Tabelle – weit hinter heutigen Zweitligisten Schalke 04, Hamburger SV, Hertha BSC oder 1. FC Köln – begonnen hatte.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Florian Ulrich

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