Winterspiele 2026

Morddrohung, Naturzerstörung, 80 Millionen Euro – Olympia-Neubau trotz aller Widerstände

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Für die Olympischen Winterspiele 2026 wird im italienischen Cortina eine neue Bobbahn gebaut. Die Folgen sind weitreichend.

Cortina – Der Zukunft des Wintersports hängt aufgrund des Klimawandels unter anderem auch von effektiven Nachhaltigkeitskonzepten ab. Eine neue Bobbahn, die für die Olympischen Winterspiele 2026 im italienischen Cortina d‘Ampezzo in den Dolomiten gebaut werden soll, offenbart die Komplexität dieser Aufgabe. Das Vorhaben versinkt im Chaos.

Italienische Politiker handeln nach Belieben und genehmigen folgenreichen Olympia-Neubau

Mailand und Cortina erhielten vor fünf Jahren den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2026. Ein Eiskanal, in dem die Bob-, Rodel- und Skeleton-Wettbewerbe stattfinden könnten, war dabei zunächst nicht Teil der Bewerbung. Folglich spielten die Organisatoren mit dem Gedanken, diese Wettkämpfe in andere Länder, die über eine Bobbahn verfügen, zu verschieben. Das IOC befürwortete diesen Ansatz. Auch Deutschland wollte sich für dieses Vorhaben zur Verfügung stellen.

Die italienischen Politiker bestanden jedoch auf eine „italienische“ Lösung, wie Sportminister Andrea Abodi dem Standard sagte. In der über 100-jährigen Geschichte der Winterspiele wäre es das erste Mal, dass Wettkämpfe außerhalb des eigentlichen Austragungslandes stattfinden würden. Das wollten die Politiker verhindern – offenbar um jeden Preis. Anfang Februar genehmigte die italienische Regierung den angestrebten 81,6 Millionen Euro schweren Neubau. Die Folgen sind weitreichend.

Trotz der Proteste von Naturschützerinnen und Naturschützern, den enormen Kosten und dem großen Zeitdruck wird in Cortina eine Bobbahn für die Olympischen Winterspiele 2026 gebaut.

Morddrohungen gegen Cortina-Bürgermeister wegen Olympia-Bobbahn

Wie der Blick berichtet, müssen für die neue Bobbahn etwa 500 Bäume gefällt werden. Naturschützer gehen von einem weitaus größeren Kahlschlag aus. Dazu muss ein Kinderspielplatz, der erst vor drei Jahren für eine Million Euro gebaut wurde, wieder abgerissen werden. Auch die Kosten sollen die ursprünglich kalkulierte Summe um mindestens 40 Millionen Euro übersteigen, heißt es.

Kein Wunder, dass sich kein Politiker zum Baubeginn zeigte, dafür aber einige Demonstrantinnen und Demonstranten. Zumal Cortinas Bürgermeister Gianluca Lorenzi zuvor eine Morddrohung per Brief erhielt, in dem stand: „Wenn Sie mit der Bobbahn weitermachen, werden wir Sie ausschalten.“ Der Politiker erstattete daraufhin Anzeige. Die Polizei ermittelt.

Italiens Sportminister Andrea Abodi setzte den Olympia-Neubau politische und rechtlich durch.

Trotz Baubeginn ist eine Austragung der Olympia-Wettkämpfe in Cortina weiter ungewiss

Da schon Monate vor dem Startschuss der Olympischen Winterspiele der Eiskanal entsprechend getestet werden muss, gibt es zusätzlich einen enormen Zeitdruck. Die Notlösungen in der Schweiz, Österreich und Deutschland stehen weiterhin auf Abruf bereit.

So ist es nicht auszuschließen, dass am Ende dieser Odyssee ein Neubau steht, der Millionen verschlingt, die Natur zerstört, nicht rechtzeitig fertig wird und auf dem letztlich überhaupt kein Olympia-Wettkampf stattfinden kann. Es wäre das tragische wie passende Ende einer politischen Fehlplanung voller ungehörter Widerstände, durch die es letztlich nur Verlierer geben könnte. (jsk)

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Rubriklistenbild: © Imago/Montage

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