Von Peter Grad
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FCB-Torwart-Legende Sepp Maier äußert sich zum erneuten öffentlichen Zoff zwischen Uli Hoeneß und Lothar Matthäus auf seine gewohnt humorvolle Weise.
München – Sepp Maier ist eine absolute Vereinslegende des FC Bayern . Nun äußert er sich zu zwei Protagonisten des Rekordmeisters, die er beide sehr gut kennt und somit auch einschätzen kann. Mit Uli Hoeneß zusammen feierte er seine größten Triumphe als Spieler - Welt- und Europameister, je dreimal Europapokalsieger und Deutscher Meister. Und als Deutschland 1990 mit Coach Franz Beckenbauer und Kapitän Lothar Matthäus in Italien Weltmeister wurde, war er der Torwarttrainer der Nationalmannschaft.
Sepp Maier schätzt Lothar Matthäus´ sportliche Karriere, ist aber eher auf der Hoeneß-Seite.
© IMAGO/Ulrich Wagner
Im Interview mit Sport1 räumt der 81-Jährige gleich einleitend mit einem Märchen auf, das Matthäus bei seinen Ausführungen über den FC Bayern permanent den staunenden Bayernfans als Argument bietet: Seinen angeblich besten Draht zu den Mitarbeitern an der Säbener Straße, welche ihm ständig Interna stecken würden. Das glaubt die FCB-Torwart-Legende Matthäus nun auch nicht bei seinem Zwist mit Hoeneß: „Also ganz ehrlich: Dass beim FC Bayern jemand losrennt und sich für Uli entschuldigt: Das glaube ich nicht. Da kennt man ihn doch!“
Zwist zwischen Hoeneß und Matthäus ein „bayerisches Theater“ Matthäus bezeichnete es gar als „peinlich“ , dass Hoeneß erneut mit Aussagen für Schlagzeilen sorgte, die aus seiner Sicht dem Verein schaden würden. Ihn hätten „Leute vom FC Bayern angerufen und gesagt: ‚Warum fängt er denn schon wieder an?‘“ Die gegenseitigen Spitzen sind ein vorläufiger Höhepunkt in einer ziemlich langen Liste an verbalen Scharmützeln zwischen den beiden früheren Weggefährten.
Dazu nun Maier: „Ach, das ist doch fast schon ein Ritual! Uli redet halt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist - das war schon immer so. Dass er Matthäus gleich wieder einen mitgibt, wundert mich nicht. Jeder weiß: Wenn Uli und Lothar aneinander geraten, dann knallt’s kurz, aber es brennt kein Haus ab. Für mich ist das kein „Konflikt“, sondern ein bisschen bayerisches Theater. Nur dass es in der Öffentlichkeit halt größer wirkt, als es ist.“
Matthäus nur der Letzte: Fehden von Uli Hoeneß haben beim FC Bayern lange Tradition Uli Hoeneß leitet seit Jahrzehnten die Geschicke des FC Bayern München. In dieser Zeit hat der Bayern-Patron schon häufig mit seinen Äußerungen für Ärger gesorgt. © IMAGO/DeFodi Images/MIS Seinen jüngsten Streit erlebt der Bayern-Patron mit TV-Experte und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Die Wurzeln des Streits liegen im Bayern-Transferpoker um Nick Woltemade. © IMAGO/HMB-Media/Ulrich Wagner
Matthäus hatte dem ehemaligen VfB-Stürmer einen Marktwert von 80 bis 100 Millionen Euro attestiert. Hoeneß reagierte daraufhin mit der Beleidigung, Matthäus habe „nicht alle Tassen im Schrank“. Kurze Zeit später legte er nach: „Wir haben uns wenig zu sagen, weil ich festgestellt habe, dass er noch keine neue Tasse gefunden hat“. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S. Das konnte Matthäus wiederum nicht auf sich sitzen lassen. In seiner Sky-Kolumne erwiderte er: „Das meiste von dem, was Uli gesagt hat, habe ich als peinlich empfunden.“ © IMAGO/Sebastian Bach Einen legendären Schlagabtausch lieferte sich Uli Hoeneß 1989 auch schon mit Christoph Daum. Daum hatte zuvor über den damaligen Bayern-Trainer Jupp Heynckes gelästert. Einen legendären Schlagabtausch lieferte sich Uli Hoeneß 1989 auch schon mit Christoph Daum. Daum hatte zuvor über den damaligen Bayern-Trainer Jupp Heynckes gelästert. © SVEN SIMON via www.imago-images.de Im ZDF-Sportstudio trafen Daum und Hoeneß (hier mit Jupp Heynckes) wenig später aufeinander und lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch. Das kuriose Streit-Interview sollte noch lange und sehr intensiv nachwirken. Im ZDF-Sportstudio trafen Daum und Hoeneß (hier mit Jupp Heynckes) wenig später aufeinander und lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch. Das kuriose Streit-Interview sollte noch lange und sehr intensiv nachwirken. © IMAGO / Ferdi Hartung Nach Daums Tod im August 2024 sagte Hoeneß: „Christoph Daum ist sein ganzes Leben keinem Disput aus dem Weg gegangen, aber wir beide haben vor langer Zeit unseren Frieden gemacht, und die Nachricht von seinem Tod macht auch mich sehr betroffen.“ Nach Daums Tod im August 2024 sagte Hoeneß: „Christoph Daum ist sein ganzes Leben keinem Disput aus dem Weg gegangen, aber wir beide haben vor langer Zeit unseren Frieden gemacht, und die Nachricht von seinem Tod macht auch mich sehr betroffen.“ © IMAGO / Revierfoto Zoff hatte Hoeneß auch mit seinem ehemaligen Mitspieler und langjährigem Freund Paul Breitner. Breitner hatte Hoeneß und die FCB-Führung nach der legendären Wut-PK 2018 kritisiert. Zoff hatte Hoeneß auch mit seinem ehemaligen Mitspieler und langjährigem Freund Paul Breitner. Breitner hatte Hoeneß und die FCB-Führung nach dessen Wut-PK 2018 kritisiert. © IMAGO/Lackovic/Jan Huebner Breitner wurde daraufhin als Ehrenspielführer von der Ehrentribüne des FCB verbannt. „Ich habe mit Paul Breitner gebrochen, als ich aus dem Gefängnis kam - und das war‘s für mich“, gab Hoeneß zu Protokoll. Breitner wurde daraufhin als Ehrenspielführer von der Ehrentribüne des FCB verbannt. „Ich habe mit Paul Breitner gebrochen, als ich aus dem Gefängnis kam - und das war‘s für mich“, gab Hoeneß zu Protokoll. © IMAGO/Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Zur Erleichterung vieler Bayern-Fans haben sich die beiden Streithähne mittlerweile aber wieder vertragen. „Wir haben uns ausgesprochen vor einiger Zeit und das Kriegsbeil ist total begraben“, sagte Uli Hoeneß 2023. Zur Erleichterung vieler Bayern-Fans haben sich die beiden Streithähne mittlerweile aber wieder vertragen. „Wir haben uns ausgesprochen vor einiger Zeit und das Kriegsbeil ist total begraben“, sagte Uli Hoeneß 2023. © IMAGO/Dave Bedrosian Die Wut-PK, die der Auslöser für die Breitner-Verbannung war, sollte übrigens auch für mächtig Furore sorgen. Die Bayern-Führung rund um Hoeneß, Rummenigge und Salihamidžić legte einen denkwürdigen Auftritt hin. Die Wut-PK, die der Auslöser für die Breitner-Verbannung war, sollte übrigens auch für mächtig Furore sorgen. Die Bayern-Führung rund um Hoeneß, Rummenigge und Salihamidžić legte einen denkwürdigen Auftritt hin. © Frank Hoermann/SVEN SIMON Dort gingen die Bayern-Bosse hart mit den Medien ins Gericht – Rummenigge zitierte dabei sogar das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für Kopfschütteln sorgte allerdings Hoeneß, als er sich Ex-Spieler Juan Bernat vorknöpfte und die Auftritte des Spaniers im Bayern-Trikot heftig, teils unter der Gürtellinie, kritisierte. Dort gingen die Bayern-Bosse hart mit den Medien ins Gericht – Rummenigge zitierte dabei sogar das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für Kopfschütteln sorgte allerdings Hoeneß, als er sich Ex-Spieler Juan Bernat vorknöpfte und die Auftritte des Spaniers im Bayern-Trikot heftig, teils unter der Gürtellinie, kritisierte. © IMAGO / Sven Simon „Die würde ich heute nicht mehr so machen. Da haben wir eindeutig Fehler gemacht – auch im Verhältnis zu den einen oder anderen Journalisten“, gab Hoeneß angesprochen auf die PK mittlerweile zu. Der Auftritt sei als „Appell an die Mannschaft“ geplant gewesen, letztlich aber nach hinten losgegangen. „Die würde ich heute nicht mehr so machen. Da haben wir eindeutig Fehler gemacht – auch im Verhältnis zu den einen oder anderen Journalisten“, gab Hoeneß mittlerweile zu. Der Auftritt sei als „Appell an die Mannschaft“ geplant gewesen, letztlich aber nach hinten losgegangen. © IMAGO/Jan Huebner Auch die Trennung vom damaligen Bayern-Sportdirektor Oliver Kahn verlief nicht ganz ohne Nebengeräusche. „Die Berufung von Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzender war ein großer Fehler“, sagte Hoeneß: „Und als ich erkannt habe, dass er das nicht kann, habe ich mit Karl-Heinz Rummenigge gesprochen und das geändert.“ Auch die Trennung vom damaligen Bayern-Sportdirektor Oliver Kahn verlief nicht ganz ohne Nebengeräusche. „Die Berufung von Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzender war ein großer Fehler“, sagte Hoeneß: „Und als ich erkannt habe, dass er das nicht kann, habe ich mit Karl-Heinz Rummenigge gesprochen und das geändert.“ © IMAGO / Michael Weber Dabei konnte sich Hoeneß auch eine Spitze gegen die Arbeitseinstellung Kahns nicht verkneifen. „Oliver Kahn hat kürzlich in einem Interview gesagt: ‚Ein CEO muss nicht 24 Stunden am Tag arbeiten.‘ Da habe ich drauf geantwortet: ‚Zwölf Stunden sollten es aber schon sein.‘“ Dabei konnte sich Hoeneß auch eine Spitze gegen die Arbeitseinstellung Kahns nicht verkneifen. „Oliver Kahn hat kürzlich in einem Interview gesagt: ‚Ein CEO muss nicht 24 Stunden am Tag arbeiten.‘ Da habe ich drauf geantwortet: ‚Zwölf Stunden sollten es aber schon sein.‘“ © IMAGO / Future Image Oliver Kahn wurde von dem Hoeneß-Nachtreten offenbar überrascht. „Ehrlich gesagt, bin ich verwundert darüber“, meldete er sich zu Wort. „Der FC Bayern und ich hatten im Sommer vereinbart, dass wir dieses Kapitel freundschaftlich schließen wollen und ich auch in Zukunft gerne Teil der Bayern-Familie bleibe.“ Oliver Kahn wurde von dem Hoeneß-Nachtreten offenbar überrascht. „Ehrlich gesagt, bin ich verwundert darüber“, meldete er sich zu Wort. „Der FC Bayern und ich hatten im Sommer vereinbart, dass wir dieses Kapitel freundschaftlich schließen wollen und ich auch in Zukunft gerne Teil der Bayern-Familie bleibe.“ © IMAGO/osnapix / Michael Titgemeyer Dass Uli Hoeneß sich mit Kritik nicht zurückhält, musste auch Thomas Tuchel schmerzlich erfahren. Kurz vor dem Champions-League-Halbfinale gegen real Madrid erklärte Hoeneß, dass Tuchel bei Misserfolgen lieber neue Spieler fordere, als die eigenen zu verbessern. Dass Uli Hoeneß sich mit Kritik nicht zurückhält, musste auch Thomas Tuchel schmerzlich erfahren. Kurz vor dem Champions-League-Halbfinale gegen real Madrid erklärte Hoeneß, dass Tuchel bei Misserfolgen lieber neue Spieler fordere, als die eigenen zu verbessern. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S. Trotz großer Kritik hielt der Bayern-Patron an seiner Aussage fest. Tuchel reagierte verständlicherweise verärgert auf die Vorfürfe. Diese seine „absolut haltlos.“ Er fügte an: „Ich fühle mich in meiner Trainerehre verletzt.“ Trotz großer Kritik hielt der Bayern-Patron an seiner Aussage fest. Tuchel reagierte verständlicherweise verärgert auf die Vorfürfe. Diese seine „absolut haltlos.“ Er fügte an: „Ich fühle mich in meiner Trainerehre verletzt.“ © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON Ob Die Toten Hosen damit gerechnet haben? 1999 attackierte Hoeneß die Düsseldorfer Band, nachdem sie ihren Song „Ich würde nie zum FC Bayern München gehen“ veröffentlicht hatten. Ob Die Toten Hosen damit gerechnet haben? 1999 attackierte Hoeneß die Düsseldorfer Band, nachdem sie ihren Song „Ich würde nie zum FC Bayern München gehen“ veröffentlicht hatten. © IMAGO/Christoph Hardt Uli Hoeneß fand das Lied natürlich gar nicht toll. Er sagte zu dem erfolgreichen Song: „Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft irgendwann ersticken wird.“ Uli Hoeneß fand das Lied natürlich gar nicht toll. Er sagte zu dem erfolgreichen Song: „Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft irgendwann ersticken wird.“ © Roland Krivec/DeFodi.de Und sogar die Bayern-Fans bekamen einst ihr Fett weg. Bei der Jahreshauptversammlung im November 2007 wütete Hoeneß mit hochrotem Kopf gegen die schlechte Stimmung im Stadion: „Dafür seid ihr doch dafür verantwortlich und nicht wir. Das ist doch unglaublich.“ Und sogar die Bayern-Fans bekamen einst ihr Fett weg. Bei der Jahreshauptversammlung im November 2007 wütete Hoeneß mit hochrotem Kopf gegen die schlechte Stimmung im Stadion: „Dafür seid ihr doch dafür verantwortlich und nicht wir. Das ist doch unglaublich.“ © IMAGO / Frinke Zur Kritik an den hohen Ticketpreisen in der Allianz Arena sagte er: „Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Dafür dass wir uns hier seit Jahren den Arsch aufreissen. Dass wir dieses Stadion hingestellt haben. Aber das hat 340 Millionen Euro gekostet. Und das ist nun mal mit sieben Euro in der Südkurve nicht zu finanzieren. Zur Kritik an den hohen Ticketpreisen in der Allianz Arena sagte er: „Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Dafür dass wir uns hier seit Jahren den Arsch aufreissen. Dass wir dieses Stadion hingestellt haben. Aber das hat 340 Millionen Euro gekostet. Und das ist nun mal mit sieben Euro in der Südkurve nicht zu finanzieren. © IMAGO / MIS Am Tag nach seinem Ausraster sieht er sich zu einem öffentlichen Brief gezwungen. „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, bei mir sind die Sicherungen durchgebrannt.“ Dennoch stellt er klar: „Natürlich stehe ich zu meinen Aussagen. Ich bin der Meinung, dass wir diese Vorwürfe nicht verdient haben.“ Am Tag nach seinem Ausraster sieht er sich zu einem öffentlichen Brief gezwungen. „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, bei mir sind die Sicherungen durchgebrannt.“ Dennoch stellt er klar: „Natürlich stehe ich zu meinen Aussagen. Ich bin der Meinung, dass wir diese Vorwürfe nicht verdient haben.“ © IMAGO / MIS Die Rivalität mit dem damaligen Werder-Manager Willi Lemke galt jahrelang als eine der größten Feindschaften im deutschen Fußball. Während Hoeneß seinen Bremer Kontrahenten als „Volksverhetzer“ titulierte, nannte Lemke Hoeneß den „Totengräber des Fußballs“. Die Rivalität mit dem damaligen Werder-Manager Willi Lemke galt jahrelang als eine der größten Feindschaften im deutschen Fußball. Immer wieder lieferten sich die beiden hitzige Verbal-Duelle. © IMAGO/Kicker/Liedel/teutopress Nach vielen Jahren versöhnten sich Hoeneß und der mittlerweile verstorbene Lemke aber. Hoeneß habe dabei den ersten Schritt getan. Nach vielen Jahren versöhnten sich Hoeneß und der mittlerweile verstorbene Lemke aber. Hoeneß habe dabei den ersten Schritt getan. © IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON Für den 95-fachen Nationalspieler für Hoeneß typisch: „Seine Sprüche sind manchmal härter als nötig, aber das gehört zu ihm. Und Lothar: Der steckt das weg, kennt das ja seit 25 Jahren. Die beiden brauchen sich fast gegenseitig, so wie zwei alte Rivalen im Boxring. Mal schlägt der eine zu, mal der andere.“
Maier erinnert dabei auch an den Hoeneß-Spruch nach einem Streit der beiden über die Gage bei Matthäus´Abschiedsspiel im Olympiastadion, dass dieser nicht einmal mehr Greenkeeper bei Bayern werden könne. „Das war damals eine richtige Bombe. Aber seien wir ehrlich: Niemand kann Matthäus’ Karriere wegdiskutieren. Weltfußballer, Rekordnationalspieler - das steht. Uli bleibt halt bei seiner Linie: Er lässt keinen anderen an seinem Tisch bestimmen.“
Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit fcbayerntotal.com
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