Günstige Ferienhäuser an Kroatiens Stränden – doch Achtung, gerade in Traum-Lagen droht Problem
VonMoritz Bletzinger
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Der Traum kann schnell in Trümmer brechen. Hinter preiswerten Ferienhäusern an der Adria in Kroatien stecken oft Schwarzbauten, die abgerissen werden, wenn sie auffliegen.
Zagreb – Mehr als eine halbe Million Schwarzbauen übersäen Kroatien, vor allem die Küsten an der Adria. Ein riesiges Problem für das Land – und für zahlreiche unwissende Auswanderer. Denn das Traumhaus am Meer kann sich schnell als teurer Reinfall entpuppen.
Ferienhaus in Kroatien kaufen: Erfahrungen zeigen, dass Vorsicht angebracht ist
Das zeigt beispielsweise die Geschichte eines Rentner-Paares aus Österreich. Die Eheleute kamen in Kroatien an und vor ihrem Domizil stand plötzlich ein Haus – schwarz in die Einfahrt gezimmert. Anderenorts schlagen Gemeinden bereits Alarm, Ausländer betonieren die Küsten illegal zu. Doch es sind bei weitem nicht nur Zugereiste und Zugezogene, die die Bausünden an der Adria verursachen.
Kroatien hat ein historisch gewachsenes Problem. Die Jugoslawien-Kriege (1991 bis 2001) hinterließ Verwüstung am Balkan. Das heißt auch: Zerbombte Hotels, zerstörte Ferienhäuser, Ruinen in bester Strandlage.
Schwarzbauten an der Adria: Kroatien kämpft bis heute gegen chaotische Entwicklung
Der Wiederaufbau konnte nicht schnell genug gehen und verkam so zum Chaos. Im Land fehlte das Geld, wenn dann immerhin etwas passierte, drückten die Behörden gerne mal ein Auge zu. Schlimmer noch waren aber die Eigentumsfragen, die teils kaum aufzuklären waren. Wem gehört das Land eigentlich? In den kroatischen Grundbüchern oft schwer nachzuvollziehen.
Auf Drängen der Europäischen Union verabschiedete Kroatien 2020 einen Tourismusplan. Daran war das Land in den Jahren zuvor mehrmals gescheitert. Zwar hatte der Beschluss zufolge, dass Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe ausgelöst wurden. Aber mit den Spuren der zuvor chaotischen Entwicklung kämpft Kroatien bis heute.
Schwarzbauten überall und Behörden, die offenbar gerne darüber hinwegsehen. „Das Problem ist, dass das zuständige Büro, in dem genau diese Fälle überprüft werden sollten, völlig unterbesetzt ist. Es gibt keine direkten Kontrollen vor Ort. Und deswegen kommen die Leute her und machen einfach, was sie wollen“, sagt Silvia Buttignoni von der Naturschutzorganisation Natura Histrica bei n-tv. Ihre Gruppe macht Aufnahmen von Schwarzbauten, schickt Fotos an die Behörden – aber die Reaktion bleibt meistens aus.
„Man zahlt gerade mal 20.000 Euro“: Vermeintliche Adria-Traumhäuser in Kroatien billig zu haben
Die Preise für die Traumhäuser in Kroatien locken. Buttignoni erklärt: „Es ist sehr einfach und günstig. Man kann hier ein Stück Land kaufen und sein Haus draufsetzen. Und zahlt gerade mal 20.000 Euro.“
Das machen sich oft große Firmen zunutze. Sie kaufen ganze Landstriche und bauen zahlreiche kleine Häuser darauf, teils mitten in der Natur. Die verkaufen die Unternehmen dann als romantische Ferienhäuser an ahnungslose Ausländer, die in den meisten Fällen nicht hinterfragen, wie der ganze Bau abgelaufen ist.
Oft haben die lokalen Behörden nicht einmal wirklich etwas dagegen, die Ausländer bringen schließlich Geld in die häufig abgelegenen Ortschaften. Oder sie beteiligen sich sogar selbst daran, wie das Portal dnevnik.hr vor Kurzem beispielsweise aus Umag im Norden der Halbinsel berichtete. Doch: Fälle von Korruption kommen immer wieder vor.
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Aus Versehen einen Schwarzbau gekauft: Für Ferienhaus-Besitzer und Auswanderer kann der Traum schnell platzen
Was bedeutet das jetzt für Auswanderer, die vielleicht ihre Rente unbewusst in einem Schwarzbau wohnen? Sie leben in ständiger Gefahr, dass ihr Traumhaus in Trümmer zerbricht – wortwörtlich. Wenn die Behörden tätig werden, werden illegale Bauten konsequent abgerissen. Denn die Sachlage ist einfach: Was ohne Baugenehmigung hochgezogen wurde, darf nicht stehen bleiben.
Für viele Auswanderer oder Ferienhaus-Besitzer kommt das dann plötzlich, allerdings häufen sich die Fälle mittlerweile. Bevölkerung und Behörden gehen immer strenger gehen die Schwarzbauten vor. Die Balkankriege sind seit über zwei Jahrzehnten vorbei und Kroatien arbeitet stark daran, Klüngelei, Korruption und touristischen Wildwuchs an der Adria zu beenden.
Es gilt also: Vorsicht bei der Häuserwahl. Im Sehnsuchtsland muss es nicht immer ein Ferienhaus sein. Kroatien lockt mit zahlreichen Campingplätzen, Ferienwohnungen und Hotels. Und sowieso gilt Vorsicht beim Auswandern, was auch eine Rentnerin erfahren hat, die nach Spanien ziehen wollte. Sie fragte im Netz nach Erfahrungen und bekam prompt eine eindringliche Warnung. (moe)