Felsklippen über der Fahrbahn

Neue Steinlawine in Italien-Urlaubsregion: Sorgen um Sicherheit am spektakulären Gardasee-Uferradweg

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Erneuter Steinschlag nährt Sorgen um spektakulären Radweg am Gardasee.
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Schon wieder donnerte im Trentino eine Steinlawine auf eine Straße. Niemand wurde verletzt, aber die Bürger fragen sich: Wie sicher ist der neue Gardasee-Uferradweg?

Trient/Limone – Seit Monaten sorgt eine Serie von Fels- und Bergstürzen in den italienischen Alpen für Furore. Erst im Januar ging ein Felssturz an der Gardesana-Straße am Westufer nieder, schon im Dezember hatte es dort einen großen Felsabbruch gegeben.. Im nahen Valsugana wurden vor einer Woche Straßen, Schienen und ein Radweg von herabstürzenden Felsen getroffen. Auch die Brennerautobahn wurde erst kürzlich von Felsen getroffen.

Steinmassen donnern auf vierspurige Straße zum Gardasee

Jetzt kam es schon wieder zu einer Steinlawine an der Garadesana-Straße, dieses Mal gleich an ihrem Anfang bei Trient. Hier ist die Straße, welche die kürzeste Verbindung zum Gardasee von Brenner aus gesehen darstellt, vierspurig ausgebaut. Sie führt durch einen Tunnel vom Etschtal in das Hochtal des Sarca-Flusses führt, der in Riva endet. Dort teilt sich die Gardesana in ihre zwei Äste am West- und Ostufer.

Am Anfang der Gardesana-Straße stürzte eine Steinlawine auf die Fahrbahn.

Der Erdrutsch ereignete sich am Dienstag (6. Februar) gegen 4 Uhr morgens in Fahrtrichtung Trient kurz nach dem Tunnel, als noch wenige Pendler unterwegs waren. In einer Felswand oberhalb der Straße hatten sich die Steine gelockert und stürzten auf die Fahrbahn, obwohl dort ein Fangzaun das verhindern sollte. Offenbar gab es keine Schäden, aber die Straße musste vor dem Berufsverkehr gesperrt werden. Alle Fahrzeuge wurden weiträumig umgeleitet – Chaos in der Trienter Rushhour am Morgen war die Folge. Bis zum Abendverkehr war die Fahrbahn wieder geräumt und der Felshang abgesichert.

Italiens bekanntester Radweg liegt in der Risikozone

Doch das Thema Felsstürze und Sicherheit ist damit noch nicht für alle erledigt. So macht sich Flavia Depentori, Musiklehrerin aus Arco bei Riva, Sorgen um die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer, die auf dem 2018 eröffneten Gardaseeradweg bei Limone unterwegs sind und dessen Weiterbau nach Riva geplant ist.  Der Radweg ist spektakulär auf Stelzen geschraubt, die direkt in den Felsen getrieben wurden. Die „Ciclopista del Garda“ hat sich als Touristenmagnet entwickelt. Doch auf Bildern sieht man, dass direkt über den Wanderern und Radlern die Felswände aufragen, Fangnetz sollen das Herabstürzen von Steinen auf den Radweg verhindern.

In Trient hatten diese das jetzt eben nicht getan. Größere Felsen können die Fangnetze ohnehin nicht aufhalten. „Ich kann mich nur wundern, wenn ich diesen Radweg sehe. Wenn man den Kopf hebt, erblickt man die Gesteinsmassen, die da hängen. Nur stellt sich die Frage: Wie lange bleiben die da oben? Der nächste Steinschlag ist nur eine Frage der Zeit“, schreibt Depentori in ihrem Post. Und dann fragt sie sich: „Wir stellen Millionen und Millionen im Namen des Tourismus bereit, um den Weg nach Riva del Garda weiterzubauen. Aber was ist, wenn ein Tourist oder ein Einheimischer auf der Strecke bleibt??!!“

Kritikerin sagt: Ein Felssturz auf den Radweg ist nur eine Frage der Zeit

Das Umweltschutzkomitee Gaia di Gavardo hatte bereits nach dem letzten großen Felssturz in unmittelbarer Nähe des Radwegs bei Limone gegenüber dem Corriere de la Sera gesagt: „Heute Abend ereignete sich eine Beinahe-Tragödie. Wie lange müssen wir noch den Willen von Bürokraten und Politikern hinnehmen, die das Schicksal herausfordern wollen, indem sie weiterhin nur denken, dass sich die Natur unserem arroganten Willen beugen muss?“

Als ein Reporter des Senders Rai 3 den Provinzpräsidenten Maurizio Fugatti (von der rechten Lega) kürzlich auf diese Problematik ansprach, lehnte dieser eine Stellungnahme ab. Für die Fertigstellung des Radwegs wird bereits eine Kostenexplosion von 340 auf 900 Millionen Euro befürchtet. Depentori schreibt: „Nicht umsonst verläuft die Gardesana-Straße in diesem Abschnitt in einem durchgehenden Tunnel.“

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