„Kleine Hölle“ betroffen

Mittelmeer-Erdbeben erschüttern kroatische Adriaküste – bis nach Italien spürbar

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Ein Blick von den Gipfeln des Paklenica-Nationalparks auf die Adria. Hier bebte am Dienstag die Erde.
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Die Ruhe im Mittelmeer bleibt aus. Nach den intensiven Erdstößen bei Santorini, auf und vor Sizilien und der Toskana, traten nun zwei Beben an der kroatischen Adriaküste auf.

Zadar – Ein relativ starkes Erdbeben erschütterte am Dienstag (11. Februar) um 18:43 Uhr die kroatische Küste im Bereich des Nationalparks Paklenica nahe der Küstenstadt Zadar. Das Hauptbeben hatte eine Magnitude von 5,3, das Epizentrum lag in 13 Kilometer Tiefe. Neun Minuten später ereignete sich der nächste Erdstoß mit einer Magnitude von 3,0. Laut dem Portal friulioggi.it „löste das Erdbeben in der Bevölkerung Panik aus und viele Menschen strömten aus Angst vor Einstürzen auf die Straßen“.

Erdbeben in Kroatien: Bürgermeister in Kontakt mit Zivilschutz

Der Bürgermeister der Gemeinde Starigrad, Marin Čavić, teilte dem Portal zadarski.hr nur zehn Minuten nach dem Erdbeben kurz mit: „Ich habe bereits Kontakt mit dem Leiter des Zivilschutzes, Mario Zubčić, aufgenommen und wir sind bereits vor Ort gewesen.“

Später berichtete Čavić, dass der Zivilschutz vor Ort sei und das Gebiet rund um die Gemeinde besuche, dass es derzeit aber keine gemeldeten Schäden gebe. „Wir haben bisher keine Schäden gemeldet“, sagte auch Stipe Vulić, der Bürgermeister der Gemeinde Jasenice, dem Portal. „Es donnerte fürchterlich und schüttelte uns kräftig durch, wir flüchteten alle nach draußen“, berichtete ein Bewohner der Küstenstadt Šibenik zu 24sata.hr.

Erdstöße waren bis nach Italien, Slowenien und Bosnien-Herzegowina zu spüren

Auf der kroatischen Erdbebenseite potresi.hr berichten Bürger von der Adriaküste bis hinter nach Split im Süden und über Rijeka bis nach Pula in Istrien davon, das Beben gespürt zu haben. „Das Grollen war 5–6 Sekunden lang zu hören“, berichtet ein User. „Starkes Erdbeben, der Boden bewegte sich“, schreibt jemand anderes. Diejenigen, die näher am Epizentrum lebten, sagten jedoch, es habe sich wie ein lauter Donnerschlag angefühlt. Auch aus Bosnien-Herzegovina und Slowenien kamen Zeugenberichte. Laut Il Mondo dei Terremoti war das Beben auch an der italienischen Adriaküste von Triest bis Pescara zu spüren.

Am Montag (10. Februar) hatte es um 6:10 Uhr in der Nähe auf der Adria-Insel Pag bereits einen Erdstoß der Stärke 3 gegeben, Sonntag (9. Februar) erschütterte bereits gegen 23:50 Uhr ein Seebeben der Stärke 2,3 mitten in der Adria sowohl die kroatische als auch die italienische Küste. Die Beben sind durch geotektonische Verschiebungen zu erklären: An der kroatischen Adriaküste schiebt sich die adriatische Platte unter die eurasische Platte, was zur Auffaltung des Velebit-Gebirges und der anderen Gebirge auf der Balkanhalbinsel führt. Das führt immer wieder zu Erdbeben.

Kroatien ist eine geologische Gefahrenzone, in der es schon große Katastrophen gab

Im Jahr 1667 wurde bei so einem Erdstoß die berühmte Hafenstadt Dubrovnik zerstört, es kamen Tausende Menschen ums Leben, auch durch einen dem Erdstoß folgenden Tsunami. 2021 forderte ein Erdbeben im Landesinneren sieben Menschenleben. Auch im März und im April des vorigen Jahres erschreckten Erdbeben die Menschen an der kroatischen Adria. Derzeit besteht in Griechenland große Sorge, dass es zu einem schweren Erdbeben in der Ägäis kommt. Vor der Insel Santorin bebt die Erde unaufhörlich. Auch in Italien kam es zu mehreren Erdbebenserien und Vulkanausbrüchen in der Toskana, bei Neapel und auf bzw. vor Sizilien.

Der Paklenica-Nationalpark in Kroatien, unter dem es jetzt zuletzt bebte, ist ein Teil des bis zu 1757 Meter hohen Velebit-Gebirges, das direkt an der Küste aufragt. Viele Touristen und Touristinnen kennen die dramatische Felskulisse aus ihrem Kroatien-Urlaub. Paklenica bedeutet im Kroatischen „kleine Hölle“. Die wilde Palencia-Schlucht diente als Dreh-Kulisse für den Winnetou-Film Der Schatz im Silbersee, weil sie die Regisseure an einen amerikanischen Canyon erinnerte.

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