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Ein Mann wurde dieses Jahr bereits getötet, ein anderer schwer verletzt: Bären und Wölfe sind im Trentino ein Risiko geworden für jeden, der sich in der Natur aufhält – auch für die Bergretter. Die bleiben jetzt in Gebieten, wo es die Raubtiere gibt, nachts zu Hause.
Trient - Urlauber, die zwischen Gardasee und Stilfser Joch eine Bergtour planen, sollten ab sofort genau in Betracht ziehen, ob sie dabei noch vor Einbruch der Dunkelheit das sichere Tal erreichen. Die Trentiner Bergrettung (Italien) hat beschlossen, wegen des hohen Risikos eines Raubtierüberfalles keine nächtlichen Einsätze mehr durchzuführen. Wer also sich in der Dunkelheit verirrt oder verunglückt, ist nicht nur der Witterung schutzlos ausgesetzt, sondern auch Bären und Wölfen.
In den vergangenen Wochen wurden neue Verhaltenskriterien der Bergrettung zum Schutz von Einsatzkräften festgelegt, berichtet die Trentiner Zeitung l’Adige. Die neuen Regeln besagen, dass die Bergretter in den Gebieten, wo es Bären und Wölfe gibt, nicht mehr zu nächtlichen Einsätzen ausrücken, da es für sie zu gefährlich sei. Offiziell sei die neue Vorschrift noch nicht in Kraft, sie werde in der Praxis aber bereits angewandt, berichtet Raffaele De Col, oberster Zivilschützer der Provinz Trentino. Der Einsatzstopp gelte ab der Abenddämmerung und damit zwischen 17 bis 19 Uhr und gelte bis in die frühen Morgenstunden von 4 bis 5 Uhr.
Bär tötete Jogger in Italien - Rentner spurlos verschwunden
Hintergrund sind Vorfälle wie der tödliche Angriff eines Bären auf den Jogger Andrea Papi Anfang April dieses Jahres oder der Überfall auf einen Gassigeher im März, bei dem der Mann schwer verletzt wurde. Im Juni 2020 rettete ein Mann seinem Sohn das Leben, der von einem Bären attackiert wurde.
Angesichts dieser Vorfälle sei es klüger, keine nächtlichen Rettungsaktionen mehr in Gebieten durchzuführen, von denen bekannt ist, dass sie von Bären oder Wolfsrudeln besiedelt sind, so De Col zum Sender RAI. So wurde die Suche nach einem vermissten Rentner (85) abgebrochen, der vorige Woche aus einem Pflegeheim im Val di Sole verschwunden ist, nach Einbruch der Dunkelheit abgebrochen. Die Suchhunde hatten nervös reagiert.
70 Bären sollen im italienischen Trentino (Südtirol) erschossen oder umgesiedelt werden
Im Trentino wird derzeit von einer Bärenpopulation von 120 Tieren ausgegangen, die sich westlich der Etsch zwischen Stilfser Joch und dem nördlichen Gardaseegebiet konzentriert, besonders im Val die Sole und am Monte Peller. Einzelne Tiere tauchen auch in Nachbarprovinzen wie Südtirol auf oder wandern weiter nach Tirol, ins Salzburger Land oder bis nach Bayern.
Der Provinzpräsident des Trentino, Maurizio Fugatti, will die Zahl der Bären im Trentino durch Umsiedlung oder Abschuss auf 50 Tiere reduzieren. Zwischen 1999 und 2002 wurden im Gebiet des Nationalparks Adamello-Brenta im Nordwesten der Provinz Trentino zehn Bären ausgesetzt, da die dortige Population auf drei Tiere zusammengeschmolzen war und auszusterben drohte. Die ausgesetzten Bären stammten aus Slowenien.
Nicht nur Bären machen Italien zu schaffen. Eine 56-jährige Frau wurde erst im Mai in den Abruzzen beim Gassigehen mit ihrem Hund von einem Wolf überfallen und verletzt.
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