Handels- und Industriezentrum

Bamako: Die Hauptstadt von Mali

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Bamako, Hauptstadt von Mali

Bamako, die im Südwesten des Landes gelegene Hauptstadt des westafrikanischen Binnenstaats Mali, liegt am Niger, dem bedeutendsten Fluss Westafrikas.

Bamako wurde 1960, nach der Unabhängigkeit von Mali, die Hauptstadt des westafrikanischen Binnenstaats und ist mit Abstand die größte Stadt des Landes. Die Stadt mit seinen ca. 1,8 Millionen Einwohnern (Stand 2009) entwickelte sich zum Regierungs- und Verwaltungszentrum des Landes und zum Brückenkopf ins Ausland, insbesondere im Bereich der Entwicklungshilfe. In Bamako befindet sich der Sitz der Deutschen Botschaft, die in der Republik Mali die offizielle und höchste diplomatische Vertretung der Bundesrepublik Deutschland ist. Darüber hinaus hat Bamako als Hauptstadt von Mali keine weitere grenzüberschreitende Bedeutung.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich Bamako als Handels- und Industriezentrum, speziell für die Textilindustrie, und ist mittlerweile der wichtigste Wirtschaftsstandort des westafrikanischen Staates. Bamako breitet sich verkehrsgünstig über beide Seiten des Niger-Flusses aus, der jedoch nur in den Monaten von Juni bis Mitte Dezember schiffbar ist. Die Hauptstadt besitzt einen Industriehafen und einen internationalen Flughafen.

Bamako, dessen Größe sich zwischen 1960 und 1970 mehr als verdreifacht hat, ist eine lebendige Stadt, zu der ein großer Markt sowie botanische und zoologische Gärten gehören. Die Hauptstadt beherbergt mehrere Forschungsinstitute, vier Hochschulen und die Stadt ist der Sitz des Großteils der malischen Industrieunternehmen. Trotz der Größe von Bamako, ist der traditionelle Charakter der Stadt noch erhalten geblieben und die traditionellen Lehmziegelbauten sind noch überall zu sehen. 2018 belegte Bamako, in einer Rangliste der Städte nach ihrer Lebensqualität, den 220. Platz unter 231 weltweit untersuchten Städten.

Die historische Entwicklung Bamakos ist eng mit der Geschichte Malis verbunden, welche die geschichtliche Entwicklung der Hauptstadt stets beeinflusste

Felsmalereien belegen, dass die Region um Bamako bereits seit mehr als 2000 Jahren von Menschen besiedelt wurde. Schon zu dieser Zeit war der Handel mit Nordafrika über die Sahara von großer Bedeutung und viele Handelsorte in dieser Region kamen zu Wohlstand. Auch Bamako lag an bedeutenden Handelsrouten und das fruchtbare Tal des Niger gab die Möglichkeit, Nahrungsmittel zu produzieren und der Ort wurde ein wichtiger Umschlagplatz für Waren wie Gold, Elfenbein, Kola-Nüsse und Salz. In den folgenden Jahrhunderten wechselten sich verschiedene Reiche auf dem heutigen Staatsgebiet von Mali ab und im Mittelalter während des islamischen Mali-Reichs, nach dem der heutige Staat benannt ist, entwickelte sich Bamako mit zwei Universitäten zu einem Zentrum für islamische Gelehrte.

Ende des 19. Jahrhunderts eroberte die französische Kolonialmacht das Gebiet des heutigen Malis, nur die Sahara-Nomaden im Norden der Region konnten nicht unter Kontrolle gebracht werden. Bamako wurde Hauptstadt der Kolonie Französisch-Sudan, in die das westafrikanische Gebiet eingegliedert wurde. Für Frankreich hatte diese Region jedoch keine große Bedeutung.

Bamako hatte vor der Eroberung durch französische Truppen in den 1880er Jahren ca. 600 Einwohner und 1908 wurde Bamako zusätzlich Hauptstadt des französischen Gouvernements Obersenegal und Niger. Nach dem zweiten Weltkrieg zählte die Hauptstadt bereits ca. 37.000 Einwohner und die Einwohnerzahl stieg auf ungefähr 160.000 als Mali 1960 von Frankreich unabhängig wurde. Damit begann das rasante Wachstum der Bevölkerung von Bamako und zählte man 2009 noch 1,8 Millionen Einwohner, so schätzte man 2018 die Einwohnerzahl auf 4,3 Millionen und bis 2050 soll die Zahl der Einwohner Bamakos auf 13 Millionen steigen.

Bereits in den 1930er Jahren gab es erste Bestrebungen für eine Unabhängigkeit Malis und 1958 wurde den Kolonien volle innere Autonomie durch die französische Verfassung erlaubt. Als Mali-Föderation erklärten sich die Kolonien Senegal und Französisch-Sudan am 20. Juni 1960 für unabhängig. Kurz danach zerbrach die Föderation und am 22. September 1960 machte sich Mali als Republik selbstständig.

Es folgte eine sozialistische Phase unter dem Präsidenten Keita, der sich den Ostblockstaaten annäherte aber damit das Land wirtschaftlich schwächte. 1968 putschte sich General Moussa Traoré nach einem Militärputsch an die Macht, aber auch er konnte die wirtschaftliche Situation im Land nicht verbessern. Im Jahre 1991 wurde auch er gestürzt und der neue Präsident Alpha Oumar Konaré sorgte für demokratische Reformen. Auch er konnte nicht ändern, dass der Staatsapparat überwiegend ineffizient und korrupt blieb. Die hohe Armut des Landes und die anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Tuareg im Norden des Landes stellen nach wie vor die grundlegenden Probleme dieses Landes dar.

Anfang 2012 erhielten die nach Unabhängigkeit strebenden Tuareg-Rebellen im Norden des Landes Verstärkung von bewaffneten Söldnern, was zu einem Militärputsch gegen die zivile Regierung in Bamako führte. Die Rebellen erklärten den Norden Malis für unabhängig. Die malische Armee konnte erst mithilfe einer französischen Intervention den Aufstand niederschlagen. Unter Ibrahim Boubacar Keïta gab es seit September 2013 wieder eine demokratisch gewählte Regierung. Vor allem im Norden des Landes blieb die politische Situation weiterhin instabil und 2020 und 2021 kam es wiederum zu Militärputschen. Das Militär besetzte strategisch wichtige Ämter und die Militärjunta gab Anfang 2022 bekannt, dass sich die Rückkehr zur Demokratie um bis zu fünf Jahre verschieben wird.

Die Politik und politische Situation Bamakos ist die Situation von Mali, die mit der politischen Situation in der Hauptstadt Bamako eng verbunden ist.

Mali galt zwei Jahrzehnte lang, bis zum Militärputsch im März 2012, als politisch stabil und aufgrund regelmäßiger Wahlen als gelungenes Beispiel einer demokratischen Entwicklung, auch wenn es eines der ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder der Welt blieb. Dennoch hatte das System Schwächen, wie unqualifizierte Institutionen, ungenügende Aufsicht und vor allem aber die sich verbreitende Korruption auf allen Ebenen der Regierung, Wirtschaft und Sicherheitskräfte, ebenso wie im Bildungs- und Gesundheitssektor. Ebenso führte die Veruntreuung von Geldern aus der Entwicklungshilfe zum Vertrauensschwund in die Demokratie.

Seit 2012 hat das Land drei Militärputsche hinter sich und Mali gilt als politisch sehr instabil. Das Land wird seit dem letzten Putsch im Mai 2021 von einer militärischen Übergangsregierung angeführt, der man enge Beziehungen zu Russland nachsagt. Frankreich hatte bereits im Februar 2022 entschieden, seine Soldaten aus Mali abzuziehen und den militärischen Einsatz in Mali nach neun Jahren zu beenden. Im August 2022 verließen die letzten französischen Soldaten das Land. Offenbar will die Militärjunta in Bamako die Friedenstruppen der UN loswerden, weshalb die ausländischen Soldaten fortlaufend behindert werden. Auch der Einsatz der Bundeswehr scheint gescheitert zu sein, denn die Beteiligung deutscher Soldaten und deren Einsatz wurde Ende August 2022 bis auf Weiteres immer noch ausgesetzt. Die weitere politische Entwicklung in dem westafrikanischen Binnenstaat scheint mehr als unsicher.

Die Bevölkerung Bamakos und insbesondere die Bevölkerungsentwicklung ist identisch mit der des Landes Mali

Die Bevölkerung Bamakos bzw. Malis ist ein Mix aus rund 30 verschiedenen Volksgruppen, die unterschiedliche Sprachen und Kulturen haben. Migration und Mobilität haben für die Stämme Malis eine lange Tradition. Handeltreibende Karawanen und das Nomadentum war bei vielen Volksgruppen des Landes Bestandteil ihres Lebens und die traditionellen Migrationsbewegungen verlaufen noch immer über erst vor wenigen Jahren gezogene Grenzen hinweg.

Die Bevölkerung Malis vermehrt sich jedes Jahr um rund 3 Prozent und sie hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Damit gehört die Bevölkerung Malis weltweit zu den am schnellsten wachsenden. Ein Grund ist sicherlich die sehr hohe Fertilitätsrate des Landes von sechs Kindern pro Frau und damit ist Malis Bevölkerung folglich sehr jung. Im Jahre 2019 waren 47% der Bevölkerung unter 15 Jahre alt und 2020 lag das Durchschnittsalter bei 16,4 Jahren (geschätzt). Ebenso ist die Lebenserwartung seit 1950 von 29,7 Jahren auf 59,3 Jahre im Jahr 2019 angestiegen.  

Die Summe dieser Faktoren bringen dem Land ein weiteres Bevölkerungswachstum, das das Land nicht länger verkraften kann. Bei konstant bleibendem Wachstum hätte Mali rein rechnerisch 43,5 Millionen Einwohner im Jahre 2050, was für dieses Land undenkbar ist. Damit steht Mali vor riesigen sozialen, demografischen und ökologischen Problemen.

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