Bangui ist mit einer Einwohnerzahl von 833.000 Menschen die größte Stadt der Zentralafrikanischen Republik. Sie ist gleichzeitig auch die Hauptstadt der Präfektur Bangui, die noch zwei weitere Vorstädte umfasst.
- Bangui wurde 1889 als französischer Militärstützpunkt errichtet.
- Die Hauptstadt besitzt eine von zwei Universitäten des Landes.
- Viele der sogenannten Zokela-Bands haben hier ihren Ursprung.
Bangui – Einst im 19. Jahrhundert als Militärstützpunkt gegründet, hat sich Bangui vor allem seit der Unabhängigkeit der Zentralafrikanischen Republik Ende der 1950er Jahre zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Landes entwickelt. Einige Bauwerke erinnern noch an die einstige Diktatur von Jean-Bédel Bokassa. Die zentralafrikanische Lebensweise ist vor allem auf dem Markt sowie in den Clubs der Hauptstadt erlebbar. Auch Fußball hat bei den Einheimischen einen wichtigen Stellenwert.
Bangui: Gründungsgeschichte der zentralafrikanischen Hauptstadt
Bangui ist noch eine relativ junge Stadt. Sie wurde erst 1889 als französischer Militärstützpunkt gegründet. Der Standort erwies sich neun Jahre später während der Faschoda-Krise – der Höhepunkt der imperialistischen Rivalität zwischen Frankreich und Großbritannien – als strategisch günstig. 1910 wurde Bangui offizielle Hauptstadt der Provinz Ubangi-Schari, die bereits seit 1894 Teil der Kolonie Französisch-Äquatorialafrika war. Im Zuge der Unabhängigkeitsbewegungen wurde Ubangi-Schari 1958 zu einer autonomen Republik innerhalb der französischen Gemeinschaft deklariert. Aus ihr ging zwei Jahre später die Zentralafrikanische Republik als unabhängiger Staat hervor, mit Bangui als Hauptstadt.
Bangui: Politische Unruhen und Konflikte
Bangui wurde zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum der neuen Republik. Im März 1986 kam es zu einem tragischen Zwischenfall, als ein Kampfflugzeug über einem bewohnten Gebiet abstürzte und 35 Menschen tötete. Im März 2013 putschte in Bangui die Rebellengruppe der Séléka die Regierung des Präsidenten François Bozizé, der schließlich ins Ausland floh. Daraufhin erklärte sich Michel Djotodia, der Anführer von Séléka zum neuen Präsidenten. Als er versuchte, die Milizen aufzulösen, kam es zu Plünderungen in der Hauptstadt.
Es kam immer noch zu weiteren Gefechten zwischen den verschiedenen bewaffneten Gruppen. Aus der Séléka, die zum Großteil aus Muslimen besteht, gingen weiter Nachfolgegruppen hervor. Im Oktober 2021 wurde vor dem Internationalen Strafgerichtshof erstmals gegen einen Ex-Séléka-Milizionär Anklage erhoben.
Bangui: Stadtgliederung, Verwaltung und Wirtschaft
Bangui bildet einen eigenen Hauptstadtdistrikt und gehört innerhalb der Zentralafrikanischen Republik keiner Präfektur an. Die Verwaltung wird auf acht Arrondissements aufgeteilt. Diese sind wiederum in 16 Groupements und 205 Quartiers untergliedert. Bangui umfasst heute etwa 889.231 Einwohner. Die Anzahl der Bevölkerung in den Arrondissements in der nachfolgenden Übersicht stammt von einer Volkszählung vom 8. Dezember 2003.
- 1 Balabala Oko: 11.833 Einwohner, 15 Quartiers
- 2 Balabala Ôta: 65.391 Einwohner, 26 Quartiers
- 3 Balabala Usé: 98.398 Einwohner, 29 Quartiers
- 4 Balabala Usiô: 99.643 Einwohner, 30 Quartiers
- 5 Balabala Oku: 135.141 Einwohner, 27 Quartiers
- 6 Balabala Ômènè: 85.320 Einwohner, 22 Quartiers
- 7 Balabala Mbarambara: 46.708 Einwohner, 38 Quartiers
- 8 Balabala Miombé: 80.337 Einwohner, 18 Quartiers
- Insgesamt: Ville de Bangui: 622.771 Einwohner, 205 Quartiers
Die Zentralafrikanische Republik zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Von Bedeutung ist nach wie vor die Landwirtschaft. Sie macht etwa 43 Prozent des Wirtschaftsvolumens aus. Die wichtigsten Wirtschaftszweige von Bangui sind die Textilindustrie sowie die Produktion von Bier, Säften und Gemüse. Aber auch Seife wird in Bangui produziert. Außerdem wird in der Hauptstadt der Export von Diamanten, Holz, Baumwolle und Sisal-Agave geregelt. Eine Studie des Beratungsunternehmens Mercer aus dem Jahr 2018 hat ermittelt, dass die Lebensqualität von Bangui im weltweiten Ranking von 231 Städten den vorletzten Platz belegt.
Bangui: Bevölkerung, Religion und Bildung
Laut einer Schätzung der UN ist die Bevölkerung von 42.000 Einwohnern im Jahre 1950 auf etwa 833.000 Einwohner im Jahre 2017 angestiegen. Die Bevölkerungsdichte beträgt 12.432,8 Einwohner pro Quadratkilometer. 80 Prozent der Einwohner sind Christen, wobei die Katholiken und Protestanten sich anteilig die Waage halten. Bangui ist seit 1955 Sitz des römisch-katholischen Erzbistums Bangui. Es umfasst auch die Präfektur Ombella-Mpoko. Sie wurde am 8. Mai 1909 vom Papst Pius X. als Apostolische Präfektur Oubangui-Chari gegründet und mit der Apostolischen Konstitution Si christiana res 1937 zum Apostolischen Vikariat erhoben.
In Bangui befindet sich auch eine von zwei Universitäten des Landes. Die Université de Bangui wurde 1969 gegründet, um nationale Führungskräfte auszubilden. Der größte Teil der Absolventen arbeitet für staatliche Einrichtungen. Die Universität ist in fünf Fakultäten gegliedert. Dazu zählen die Fakultät für Gesundheitswissenschaften, die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Management, die Fakultät für Rechts- und Politikwissenschaften, die Fakultät für Naturwissenschaften und die Fakultät für Geisteswissenschaften. Des Weiteren gibt es vier Institute und eine Berufsschule sowie neun Forschungszentren. Die erste Promotion wurde im Jahr 2009 abgenommen.
Bangui: Geographie, Lage und Verkehr
Bangui befindet sich im Südwesten der Zentralafrikanischen Republik. Die Stadt liegt auf einer Höhe von 370 Metern und erstreckt sich auf eine Fläche von 67 Quadratkilometern. In Bangui herrscht vorwiegend tropisches Klima, wobei in den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar die Trockenzeit für ein arides Klima sorgt.
Bangui liegt am Fluss Ubangi, wo gleich mehrere Stromschnellen zusammenkommen, welche die kommerzielle Schifffahrt flussaufwärts einschränken. Der Fluss bildet gleichzeitigt auch die Grenze zur benachbarten Demokratischen Republik Kongo. Auf den Schifffahrtswegen des Ubangi verkehren Fähren nach Brazzaville und Zongo. Hinzu kommen ausgebaute Straßen, welche die Stadt mit Kamerun im Westen, mit dem Tschad im Norden, dem Südsudan im Osten und der Demokratischen Republik Kongo im Süden verbinden.
Bangui besitzt auch den einzigen internationalen Flughafen der gesamten Zentralafrikanischen Republik. Der Bangui M’Poko Internation Airport liegt etwa sechs Kilometer nordwestlich vom Stadtzentrum entfernt. Er wurde 1967 in Betrieb genommen. Ursprünglich war er auf eine Kapazität von 10.000 Passagieren ausgerichtet. Im Jahr 2012 waren es bereits 12-mal so viele Fluggäste. Im Mai 2014 wurde er sogar als inoffizielles Flüchtlingscamp für 60.000 Vertriebene genutzt. Im Juli 2002 kam es zu einem tragischen Unglück, als ein ruandisches Flugzeug durch einen Flammabriss an den Triebwerken zwei Kilometer abseits des Flughafens abstürzte. Von den 30 Menschen an Bord überlebten nur der Flugingenieur und eine Passagierin.
Bangui: Kultur und Sehenswürdigkeiten
Typisch für das Stadtbild von Bangui sind die breiten Straßen. Der Place de la République bildet den Stadtmittelpunkt. Hier befindet sich sogar noch ein Triumphbogen des ehemaligen Politikers Jean-Bédel Bokassa, der von 1966 bis 1979 Diktator der Zentralafrikanischen Republik war und sich ab Dezember 1976 sogar zum Kaiser erhoben hatte. Neben der Kathedrale Notre-Dame d l’Immaculée Conception sind auch noch der Markt und die Avenue Boganda besonders sehenswert. Diese bilden das Zentrum des kulturellen sowie afrikanischen Lebens der Stadt.
In den Clubs von Bangui geben am Samstagabend immer gerne die Zokela-Bands den Ton an. Dabei handelt es sich um eine städtische Tanzmusik, die eine durch lokale Rhythmen und Gesangsstilen beeinflusste Variation des kongolesischen Soukous ist. Dieser Stil hatte sich in den 1980er Jahren als Mischung von traditioneller Musik und modernen Einflüssen entwickelt und ist zum Aushängeschild zentralafrikanischer Popularmusik geworden. Zur gleichnamigem Band Zokela kamen in der Tanzmusikszene von Bangui noch weitere Bands wie Musiki, Makembe, Cannon Stars und Cool Stars hinzu.
Auch Sport hat in Bangui einen hohen Stellenwert. Zu den bekannten Fußballclubs der Stadt zählen der UBSC Bangui, der Sportive Mouara Bangui, der Sodiam Sports Bangui und der Petraco AS Bangui. Viele Fußballspieler haben es auch nach Europa geschafft und wurden in großen französischen Fußballvereinen unter Vertrag genommen.
Übersicht der bekanntesten Fußballspieler der Stadt
- Foxi Kéthévoama (*1986), Fußballnationalspieler
- Manassé Enza-Yamissi (*1989), Fußballspieler
- Mapou Yanga-Mbiwa (*1989), französisch-zentralafrikanischer Fußballspieler
- Sterling Yateke (*1999), Fußballspieler
- Goduine Koyalipou (*2000), französischer Fußballspieler
- Peter Guinari (*2001), Fußballnationalspieler