Zwar verfügt der Binnenstaat in Afrikas Mitte über große Rohstoffvorkommen. Diesen Reichtum bekommt die Bevölkerung allerdings nicht zu spüren. Wissenswertes über die Zentralafrikanische Republik.
Bangui – Die Zentralafrikanische Republik ist ein Binnenstaat in der Mitte Afrikas, wenige hundert Kilometer nördlich des Äquators. Das Land hat eine Gesamtfläche von 622.984 km², gehört zu den Ländern mit der niedrigsten Lebenserwartung auf der Welt und ist stark geprägt von politischer Korruption, Umbrüchen und Bürgerkriegen.
Mit 7,9 Einwohnern pro km² gehört es zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Erde. Nur etwas weniger als die Hälfte aller Einwohner (43%) wohnt innerhalb von Städten wie z. B. der Hauptstadt Bangui oder Bimbo. Zentralafrika liegt auf einer Höhe von durchschnittlich 635 Metern über dem Meeresspiegel. Der höchste Berggipfel (Ngaoui) liegt auf 1.420 Metern Höhe. Aufgrund des seit 2012 andauernden Bürgerkrieges ist die Zentralafrikanische Republik als zusammengehöriges, souveränes Staatsgebilde de facto nicht mehr existent.
Zentralafrikanische Republik – die wichtigsten Zahlen, Daten & Fakten des Landes
- Hauptstadt: Bangui
- Staats- und Regierungsform: präsidentielle Republik
- Staatsoberhaupt (Stand: November 2022): Präsident Faustin-Archange Touadéra
- Regierungschef (Stand: November 2022): Premierminister Félix Moloua
- Amtssprache: Sango und Französisch
- Einwohnerzahl: 5,5 Millionen (Schätzung aus dem Jahr 2021)
- Bevölkerungsdichte: 8,8 Einwohner pro km²
- Fläche: 622.984 km²
- Währung: CFA-Franc BEAC
- Bruttoinlandsprodukt: 2,6 Milliarden US-Dollar (2021)
Zentralafrikanische Republik – die Geschichte des Landes: von Anfang an bis zur Unabhängigkeit
Die Ureinwohner auf dem Gebiet der heutigen Zentralafrikanischen Republik waren ab ca. 6000 v. Chr. vermutlich kleine Jäger- und Sammlergruppen der Khoi Khoi und San, einem Pygmäenvolk (Buschmänner). Etwa 100 n. Chr. begann vom Norden her die Einwanderung von Bantuvölkern, die Wander-Ackerbau und Viehzucht betrieben. Um 1500 war im Osten der heutigen Zentralafrikanischen Republik das Volk der Sanda ansässig, im Westen lebten Stämme der Bongo und Banda.
Ab 1600 drangen portugiesische und später holländische Sklavenhändler von der Westküste nach Oubangi vor und entvölkerten bis Mitte des 19. Jahrhunderts ganze Regionen. Um 1800 begannen die Araber mit der Errichtung von Handelsstützpunkten im nordöstlichen Oubangi. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts besetzten die Franzosen das Gebiet von Ubangi-Chari. 1910 wurde die Kolonie Teil von Französisch-Äquatorialafrika.
1947 entstand unter Führung von Barthélemy Boganda (1910 - 1959) die MESAN (Mouvement d‘Évolution Sociale de l‘Afrique Noire), die in den Wahlen zum Landesparlament im Jahr 1957 sämtliche Sitze gewann. 1958 erlangte das Land die innere Autonomie und Boganda wurde Regierungschef. Die Unabhängigkeitserklärung erfolgte im Jahr 1960, David Dacko wurde erster Präsident.
Zentralafrikanische Republik – die Geschichte des Landes: Putsch, Diktatur, Monarchie
Nach einem Militärputsch löste Armeechef Jean Bedel Bokassa (1921-1996) im Dezember 1965 das Parlament auf. Terror, Folter und die Ausschaltung der Opposition kennzeichneten die darauffolgende, von französischen Truppen gestützte Diktatur. Bokassa ließ sich 1972 zum Präsidenten auf Lebenszeit ernennen und 1976 zum Kaiser krönen und führte damit die Erbmonarchie in Zentralafrika ein. Landesweite Unruhen unter Schülern und Studenten im Jahr 1979 ließ er mithilfe des damaligen Zaire (heute: Demokratische Republik Kongo) blutig unterdrücken. Im selben Jahr gelang es David Dacko mit Unterstützung französischer Truppen, Bokassa zu stürzen.
Die darauffolgenden Parlamentswahlen im Jahr 1982 gewann Dacko. Er wurde im selben Jahr von André Kolingba wieder gestürzt. 1985 erfolgte die erneute Schaffung einer Zivilregierung, 1991 wurden auf ausländischen Druck die Oppositionsparteien wieder zugelassen. 1993 ging Ange Félix Patassé als Sieger aus der Präsidentschaftswahl hervor. 1996 kam es zu Militärrevolten. Nach mehreren Umsturzversuchen wurden 1998 UN-Friedenstruppen für etwa zwei Jahre eingesetzt. 1999 gewann trotz schwerer Zusammenstöße zwischen Oppositionellen und Regierungsanhängern erneut Präsident Patassé die Präsidentschaftswahlen.
Zentralafrikanische Republik – die Geschichte des Landes: Bürgerkrieg
2001 und 2002 erfolgten erneute Putschversuche, die Kämpfe im nördlichen Landesteil hielten bis 2003 an. 2003 gelang ein Staatsstreich unter dem unter Bokassa zum General ernannten François Bozizé (geb. 1946), dessen Präsidentschaft durch eine Wahl im Jahr 2005 sozusagen legalisiert wurde. Seit Mitte 2006 litt der Norden des Landes unter Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Nach Angaben der humanitären Organisationen im Land waren Millionen Menschen von den gewaltsamen Auseinandersetzungen betroffen.
Mehr als 212.000 Menschen waren aus ihren Dörfern geflüchtet. 78.000 Flüchtlinge hatten das Land verlassen. Die bewaffneten Konflikte im Tschad und in Darfur begannen auf die Zentralafrikanische Republik überzugreifen. Die Regierung wurde beim Kampf gegen Rebellen von der ehemaligen französischen Kolonialmacht unterstützt.
Zentralafrikanische Republik – die Geschichte des Landes: neue Verfassung
Ab Dezember 2012 kam es zu schweren Gefechten der Regierung mit der islamisch dominierten Rebellenkoalition der Séléka, die USA zogen aus Angst vor Übergriffen ihren Botschafter zurück, Frankreich lehnte eine Intervention ohne UN-Mandat ab. Am 24. März 2013 nahm die Séléka den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Bangui ein und übernahm die Macht. Präsident François Bozizé floh ins Ausland. Der Rebellenführer Michel Djotodia ließ sich zum Präsidenten küren und löste die Séléka auf, trotzdem kam es zunehmend zu Gewalttätigkeiten zwischen Kämpfern der ehemaligen Rebellen und den Anhängern Bozizés sowie gegen Zivilisten.
Nach Zustimmung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen am 5. Dezember 2013 wurde der französische Militäreinsatz ausgeweitet. Präsident Djotodia und Premierminister Nicolas Tiangaye traten am 10. Januar 2014 zurück. Catherine Samba-Panza wurde zur Interimspräsidentin ernannt, eine neue Verfassung trat in Kraft, 2016 fanden wieder Wahlen statt. Am 14. Dezember 2015 rief die Séléka im Norden des Landes die Republik Dar El Kuti aus. Man wolle zuerst nur Autonomie, strebe aber für die Zukunft die völlige Unabhängigkeit an.
Zentralafrikanische Republik – die Geschichte des Landes: neues Staatsoberhaupt
Bei den Wahlen im Februar 2016 setzte sich der ehemalige Premierminister Faustin-Archange Touadéra mit 62,7 % im zweiten Wahlgang durch, nachdem er im ersten Wahlgang im Dezember 2015 noch mit 19 % hinter seinem Konkurrenten Anicet Georges Dologuélé lag. Im Dezember 2020 wurde Touadéra bereits im ersten Wahlgang mit 53,9 % wiedergewählt. Aufgrund der Corona-Pandemie versuchte die Regierung durch eine Verfassungsänderung die Amtszeit des Präsidenten zu verlängern, was jedoch vom Verfassungsgericht abgelehnt wurde.
Zentralafrikanische Republik – das politische System des Landes
Das politische System ist seit 1986 eine Präsidialrepublik (Zentralstaat nach französischem Muster; Verfassung vom 5. Dezember 2004), nachdem auf die Schreckensherrschaft Kaiser Bokassas (1965-1979) eine Militärdiktatur gefolgt war. 1993 wurde zwar die Demokratie wiederhergestellt, doch gibt es kaum politische Stabilität und es gab eine Reihe von Putschen. Die Wahl des Premierministers findet durch die Partei mit der Parlamentsmehrheit statt.
Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung, die insgesamt 105 Sitze hat. Die Abgeordneten werden vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Als beratendes Organ fungiert ein Wirtschafts- und Regionalrat. Die wichtigsten politischen Vereinigungen sind gegenwärtig: Union pour le renouveau centrafricain (URCA), Union nationale pour la démocratie et le progrès (UNDP), Rassemblement Démocratique Centralafricain (RDC), Mouvement pour la Libération du Peuple Centrafricain (MLPC) sowie Nationale Konvergenz „Kwa Na Kwa“.
Wichtig für eventuell interessierte Touristen: Vor Reisen in die Zentralafrikanische Republik wird ausdrücklich gewarnt. Im gesamten Land besteht die Gefahr, Opfer von Gewaltkriminalität (Entführungen, Plünderungen, Straßenüberfälle) und von militärischen Handlungen zu werden.
Zentralafrikanische Republik – die Wirtschaft des Landes
Von der zentralafrikanische Gesamtfläche von insgesamt 622.984 km² …
- … sind rund 57% des Landes Wald und Buschland.
- … werden rund 5% des Landes als Wiesen- oder Weideland genutzt.
- … werden rund 3% des Landes als Ackerland genutzt, insbesondere zum Anbau von Kaffee, Baumwolle, Kautschuk, Erdnüssen, Palmen, Tabak sowie Reis, Hirse und Maniok.
Die Zentralafrikanische Republik verfügt über Vorkommen von Diamanten und Gold. Weitere Rohstoffe wie Uran wurden nachgewiesen. Die Entwicklung des Bergbaus wird jedoch durch die unsichere politische Situation verhindert. Ein weiteres Handicap: Das Binnenland ist – u. a. aufgrund von ungenügend ausgebauter Infrastruktur und schlechtem Ausbildungsstand der Arbeitskräfte – eines der ärmeren afrikanischen Entwicklungsländer und in hohem Maße von ausländischen Finanzhilfen abhängig.
Die Zentralafrikanische Republik ist stark von der Subsistenzwirtschaft geprägt. Konkret bedeutet das: Holz, Kaffee, Baumwolle, Tabak, Diamanten (oft sog. „Blutdiamanten“) und in großem Umfang auch tropische Hölzer sind die wichtigsten Exportgüter. Zur Deckung des Eigenbedarfs werden unter anderem Maniok, Jamswurzeln, Hirse, Mais und Bananen angebaut. 30,1% der Bruttowertschöpfung des Landes machte 2021 die Landwirtschaft aus (rund 60 % der Erwerbstätigen sind in diesem Sektor beschäftigt), 39,1% Dienstleistungen und 20,2% der Produktionsbereich.
Die Einwohnerzahl liegt bei fünf Millionen und das BIP pro Kopf bei rund 500 US-Dollar. Das Land gehört der Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft CEMAC und der Franc-Zone an.
Zentralafrikanische Republik – die Bevölkerung des Landes
Die Zentralafrikanische Republik gehört zu den Ländern mit der niedrigsten Lebenserwartung auf der Welt und ist stark geprägt von politischer Korruption, Umbrüchen und Bürgerkriegen. Nur rund 3,79 Millionen Menschen leben in der Zentralafrikanischen Republik. Mit durchschnittlich sechs Einwohnern pro Quadratkilometer ist das Land extrem dünn besiedelt. Knapp 42 % der Bevölkerung leben in Städten, die größte Stadt ist Bangui mit rund 733.000 Einwohnern.
Die nächstgrößten Städte sind Carnot mit 66.500 und Berbérati mit 63.000 Einwohnern. Der Westen der Zentralafrikanischen Republik ist sehr dicht besiedelt, während weite Gebiete im Osten menschenleer sind. Der Großteil der Menschen gehört den Ubangi-Gruppen an, zu ihnen gehören z. B. Baja (33 % Anteil an der Gesamtbevölkerung), Banda (26 %), Mandija (12 %), Mboum (7 %) und Mbaka (4 %). Bantu sprechende Völker, Europäer (meist Franzosen) und Pygmäen bilden Minderheiten.
Zentralafrikanische Republik – die Geografie des Landes
Die Zentralafrikanische Republik befindet sich zum großen Teil auf dem Plateau der Nordäquatorialschwelle, die größten Höhen werden im Westen in der Grenzregion zu Kamerun erreicht. Direkte Landesgrenzen bestehen zu den sechs Nachbarstaaten Kamerun, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Kongo, Südsudan und Sudan. Im Nordosten erreicht das Bongomassiv eine Höhe von 1.400 m, im Norden senkt sich die zentralafrikanische Hügellandschaft allmählich zur Beckenlandschaft im Tschad ab.
Die Nordäquatorialschwelle bildet die Wasserscheide zwischen dem Stromgebiet des in den Tschadsee mündenden Chari und dem Einzugsgebiet des Oubangui, der nach Süden fließt und in den Kongo mündet. Südlich der Hauptstadt ist der Oubangui befahrbar. Der Südwesten wird von dichtem tropischem Regenwald bedeckt. Dieser Landesteil ist eine der letzten Zufluchtsstätten für Waldelefanten und Flachlandgorillas.
Der größte Teil des Landes besteht jedoch aus sanftem Hügelland mit Feucht- bzw. Baumsavannen und einem flachen Plateau mit trockenen, lichten Laubwäldern, die teilweise durch Buschfeuer zerstört oder durch Abholzung in Savanne verwandelt wurden. Im Norden geht die Landschaft in Trockensavanne über. Die zahlreichen Wasserfälle des Landes bieten Möglichkeiten zur Erzeugung von Hydroelektrizität. Der höchste Berg des Landes ist der Monte Ngaoui/Mont Kayagangiri mit einer Höhe von 1.420 m. Der längste Fluss des Landes ist der Ubangi mit einer Länge von 2.280 km.
Zentralafrikanische Republik – das Klima des Landes
In der Zentralafrikanischen Republik herrscht wie in allen äquatornahen Ländern ein tropisches Klima. Ein wie in Mitteleuropa vorhandener Unterschied zwischen den Jahreszeiten ist nicht existent. Die Tageslängen schwanken kaum und die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter sind ebenso geringer. Die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen liegen je nach Jahreszeit zwischen 30 und 36 Grad. In einigen Landesteilen erreichen die Werte tagsüber bis zu 40 Grad. In den kälteren Monaten sinkt die Temperatur je nach Region nachts auf bis zu 17°C im Monatsmittel ab.