Krise im Mittelmeer

Erdbeben auf Santorini: Experte erklärt Tsunami-Risiko – nächstes Land wappnet sich für Ernstfall

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Eine regelrechte Serie von Erdbeben erschüttern derzeit Griechenland. Die Sorge vor einem Vulkanausbruch oder Tsunami wächst. Wie hoch ist das Risiko?

Santorini/Tel Aviv – Die Erdbebenserie in der Ägäis sorgt seit über zwei Wochen für Unruhe. In der Nacht zum Freitag, (7. Februar) verzeichnete der geologische Dienst in Athen erneut zahlreiche Erschütterungen nordöstlich von Santorin. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 5,2 und war sogar in der Hauptstadt spürbar. Diese anhaltenden Erdstöße schüren nicht nur in Griechenland, sondern auch in den umliegenden Ländern die Angst vor möglichen katastrophalen Folgen eines starken Bebens.

Die vielen Erdbeben bei Santorin in Griechenland nähren die Sorge vor einer größeren Naturkatastrophe, etwa eines Tsunamis im Mittelmeer. (Collage)

Urlaubsinsel Santorini: Angst vor Vulkanausbruch und Tsunami-Gefahr nach Erdbebenserie in Griechenland

Die seismischen Aktivitäten in der Region haben Bedenken hinsichtlich eines möglichen Vulkanausbruchs oder Tsunamis ausgelöst. Torsten Dahm vom GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam erklärte IPPEN.MEDIA: „Santorini und Kolumbos sind beides aktive Vulkane, die in historischer Zeit ausgebrochen sind.“ Ein Ausbruch sei daher durchaus denkbar.

Ovgyun Ahmet Ercan, ein türkischer Seismologe, führt die seismische Aktivität in der Ägäis auf das Aufsteigen von Magma unter der Insel zurück. Er erläutert im Gespräch mit ATN1: „Und während es aufsteigt, entstehen Risse, und diese Risse erzeugen Mikro-Erdbeben.“ Andere Experten vermuten hingegen, dass die Beben durch Verschiebungen der tektonischen Platten verursacht werden.

Bebenschwarm in der Ägäis: Seismologe fürchtet sich vor giftiger Aschewolke, weniger vor Tsunami

Die Gefahr eines Tsunamis durch die Erdbebenserie auf Santorini schätzt der türkische Experte als gering ein. „Einige Leute sagen, dass wir eine Stärke von 7,7 auf der Richterskala erwarten und dass es einen Tsunami und Ähnliches geben wird. Sogar in der Türkei machen sie den Menschen Angst, vor allem an der türkischen Ägäisküste“, berichtet newsit.gr über Ercans Einschätzung. Seine Sorge gilt jedoch nicht den Erdbeben oder einem Tsunami.

Vielmehr beunruhigen ihn die potenziell giftigen Aschewolken eines Vulkanausbruchs: „Diese Wolken würden eine Temperatur von 1800 bis 2000 Grad Celsius haben und dürften Schwefeldioxid und auch andere Gase enthalten. Je nach den Windverhältnissen zum Zeitpunkt der Freisetzung könnten diese Gase in die Türkei transportiert werden“, äußert Ercan seine Besorgnis.

Stefanie Donner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hält es für „unwahrscheinlich, dass der Santorin aktiviert wird, mit Sicherheit ausschließen lässt es sich aber nicht“, wie sie gegenüber IPPEN.MEDIA erklärte.

550 Erdbeben, flüchtende Urlauber und Angst vor dem Hauptbeben – dramatische Bilder aus Santorini

Blick auf Santorin am Dienstag (4. Februar 2025).
Kurz vor fünf Uhr Ortszeit wurden die Menschen auf Santorini am Dienstag (4. Februar 2025) von einem Erdbeben der Stärke 4,9 geweckt. Das Zentrum lag rund 30 Kilometer im Ägäischen Meer, teilte das Geodynamische Beobachtungsinstitut in Athen mit.  © ARIS MESSINIS/afp
Erdbeben auf Urlaubsinsel Santorin: Menschen flüchten aus Sorge vor einem schweren Erdbeben, berichten Medien. Fähre und Flugzeuge sind ausgebucht.
Die griechische Urlaubsinsel Santorini wurde seit Anfang Februar von über 200 Erdbeben heimgesucht: Menschen flüchten aus Sorge vor einem schweren Hauptbeben, berichten Medien. Fähren und Flugzeuge sind ausgebucht.  © Petros Giannakouris/dpa
Am Hafen von Santorin warten Menschen mit ihren Autos um an Bord einer Fähre nach Athen zu gelangen.
Tickets für die Fähren nach Athen sind fast ausgebucht, berichten griechische Medien. Am Hafen von Santorin bilden sich am Montag (3. Februar) Warteschlangen.  © Petros Giannakouris/dpa
Erdbeben auf Santorin zwingt Einwohner zur Flucht: Menschen warten am Hafen, um mit einer Fähre die griechische Insel zu verlassen.
Das Erdbeben auf Santorin zwingt Anwohner zur Flucht: Menschen warten am Hafen, um mit einer Fähre die griechische Insel zu verlassen.  © Petros Giannakouris
Warteschlange vor den Reisebüros: Viele Menschen versuchen am Montag (3. Februar 2025) ein Ticket für die Fähre nach Athen zu ergattern.
Warteschlange vor den Reisebüros: Viele Menschen versuchen am Montag (3. Februar 2025) ein Ticket für die Fähre nach Athen zu ergattern.  © Petros Giannakouris
Aus Angst vor einem starken Erdbeben verließen bis Dienstagmorgen (4. Februar) rund 6000 Menschen die Insel im Ägäischen Meer. Davon waren 4640 an Bord von vier Fähren Richtung Festland.
Aus Angst vor einem starken Erdbeben verließen bis Dienstagmorgen (4. Februar) rund 6000 Menschen die Insel im Ägäischen Meer. Davon waren 4640 an Bord von vier Fähren Richtung Festland.  © IMAGO/One Inch Productions
Flucht von der Insel Richtung Festland: Stoßstange an Stoßstange warten Autos, um an Bord einer Fähre zu gelangen.
Flucht von der Insel Richtung Festland: Stoßstange an Stoßstange warten Autos, um an Bord einer Fähre zu gelangen.  © IMAGO/One Inch Productions
Fira
Idylle in Angst: Auf Santorini fürchten die Menschen eine Naturkatastrophe.  © picture alliance / Angelos Tzortzinis/dpa
Ein Erdbeben der Stärke 4,9 wurde am 3. Februar 2025 vor Amorgos registriert.
Ein Erdbeben der Stärke 4,9 wurde am 3. Februar 2025 vor Amorgos registriert. Das Epizentrum liegt in einer Tiefe von 10,5 Kilometern, teilt das Institute of Geodynamics Athen mit.  © Screenshot Institute of Geodynamics Athen
Erdbeben-Karte aus Griechenland zeigt Beben in den vergangenen 24 Stunden.
200 Erdbeben wurden seit Sonntag (2. Februar 2025) in der Region verzeichnet, teilte das Institut für Geodynamik des Nationalobservatoriums von Athen mit.  © Screenshot Institute of Geodynamics Athen
Staubwolken wirbeln an den felsigen Klippen auf. Stein- und Geröllmassen stürzen am Montag (3. Februar) ins Meer.
Staubwolken wirbeln an den felsigen Klippen auf. Stein- und Geröllmassen stürzen am Montag (3. Februar) ins Meer.  © ARIS MESSINIS/afp
Die Erde bebt auf Santorin und bringt Geröllmassen ins Rutschen. Behörden fordern die Bevölkerung auf, sichere Routen zu wählen.
Die Erde bebt auf Santorini und bringt Geröllmassen ins Rutschen. Behörden fordern die Bevölkerung auf, sichere Routen zu wählen.  © ARIS MESSINIS/afp
Das Notfall-Protokoll läuft an: In Zelten auf einem Basketballplatz sollen Rettungskräfte der Feuerwehr untergebracht werden.
Das Notfall-Protokoll läuft an: In Zelten auf einem Basketballplatz sollen Rettungskräfte der Feuerwehr untergebracht werden.  © Petros Giannakouris/dpa
Trauminsel Santorin in Alarmbereitschaft: Seit dem 24. Januar 2025 erschüttern Erdbeben die Region.
Trauminsel Santorin in Alarmbereitschaft: Seit dem 24. Januar 2025 erschüttern Erdbeben die Region.  © ARIS OIKONOMOU/afp
Erdbeben und Vulkanausbruch im Ägäischen Meer am 11.07.1956.
Rückblick mit Schrecken: Zwei Bewohner gehen über Trümmer von Wohnhäusern durch eine kleine, völlig verwüstete Ortschaft auf der Insel Santorini am 12.07.1956. Ein heftiges Erdbeben erschütterte weite Gebiete des Ägäischen Meeres. © dpa
Blick auf Santorin
Santorin gehört zur Inselgruppe der Kykladen in der Ägäis im östlichen Mittelmeer. Auf der Insel leben dauerhaft 15.500 Menschen.  © IMAGO
Santorini Blick aufs Meer
Rund um Santorini befinden sich neben einem spektakulären Krater des Vulkans der Insel auch andere Vulkane unter der Meeresoberfläche sowie jene tektonischen Platten, die durch ihre Bewegungen starke Erdbeben verursachen können.  © IMAGO/One Inch Productions
Santorin: Touristen schützen sich mit einem Regenschirm vor der Sonne in den Gassen
Die griechische Insel ist bei Urlaubern beliebt. Allein im Jahr 2023 kamen 3,4 Millionen Touristen nach Santorin.  © IMAGO/Michael Bihlmayer

Tsunami-Risiko nach Erdbebenserie auf Santorini: Israel wappnet sich für Ernstfall

Trotz der Einschätzung, dass das Risiko eines Vulkanausbruchs oder Tsunamis gering ist, bereiten sich einige Mittelmeerländer auf den Ernstfall vor. Der israelische Nationale Sicherheitsrat hat eine Dringlichkeitssitzung einberufen, um die Vorbereitungen auf einen möglichen Tsunami zu verstärken, wie die Jerusalem Post berichtete.

Beverly Goodman von der Universität Haifa betont gegenüber der Tageszeitung Haaretz, dass Israel durch ein regionales Tsunami-Warnsystem geschützt ist und bereits Sensoren entlang der Küste installiert hat, die frühzeitig Alarm schlagen können. Städte wie Haifa haben Evakuierungspläne entwickelt, die sichere Routen aufzeigen. Diese Maßnahmen sollen gewährleisten, dass im Falle eines Tsunamis ausreichend Zeit für Evakuierungen und Schutzmaßnahmen bleibt.

Goodman weist darauf hin, dass große Tsunamis im Mittelmeer selten sind. Die meisten Tsunamis, die Israel erreichen könnten, wären bereits stark abgeschwächt. Ein Beispiel ist das Erdbeben von 1956 im Ägäischen Meer, das mit einer Stärke von 7.7 einen Tsunami von über 20 Metern Höhe auf Santorini und zehn Meter hohe Flutwellen auf Kreta auslöste. Bei ihrer Ankunft in Jaffa waren die Wellen jedoch nur noch 10 Zentimeter hoch. Auch in anderen Mittelmeerregionen, wie Neapel oder Sizilien, bergen Vulkane potenzielle Gefahren. (jm)

Rubriklistenbild: © One Inch Productions/dreamstime/Imago

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