VonJohannes Welteschließen
Bei einer Bergtour im Schweizer Wallis stürzten zwei deutsche Bergsteigerinnen ab. Eine 45-Jährige starb, eine 61-Jährige wurde verletzt. Der Berg wurde zuvor schon vielen zur Todesfalle.
Saas-Grund – Das Lagginhorn im Wallis (Schweiz) ist mit seinen 4010 Metern Höhe der kleinste Viertausender der Alpen. Nur zwei Nebengipfel des Montblanc schieben sich noch zwischen die magische 4000er-Marke und dem majestätischen Gipfel der Weissmiesgruppe. Der Gipfel des Lagginhorns gilt gemeinhin als „Viertausender für Einsteiger“. Der Schweizer Alpen-Club stuft den Normalweg über den West-Grat auf der Berg- und Hochtourenskala als „wenig schwierig“ ein.
„Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Berg gänzlich ohne Gefahr zu besteigen ist und quasi für jeden Wanderer geeignet ist“, warnt der Experte Ben Weiler auf bergzeit.de. „Entsprechendes Hochtouren-Knowhow sollte auf jeden Fall vorhanden sein, um sicher auf den Gipfel zu gelangen und wieder wohlbehalten abzusteigen“, so Weiler.
„Verfluchter Berg“: Der kleinste Viertausender im Wallis (Schweiz) lockt Bergtouristen in Scharen an
Eine Seilbahn bringt die Alpinisten vom Wintersportort Saas Grund schon auf eine Höhe von 2400 Meter. Von dort lässt sich die Weissmieshütte auf 2726 Meter als Startpunkt für die Gipfeltour wählen. Das sorgt dafür, dass viele Hobbybergsteiger das Lagginhorn als ihren „ersten Viertausender“ besteigen. Viele Sektionen des Deutschen Alpenvereins veranstalten geführte Touren auf den Berg.
Tödliches Bergunglück am Westgrat – Bergsteigerinnen stürzten an derselben Stelle in die Tiefe
Am Montag war eine achtköpfige Gruppe am Westgrat unterwegs. Sie waren angeseilt, was einschlägige Tourenbeschreibungen auch nur für Unerfahrene empfehlen. Dann passiert das Unfassbare: „Plötzlich stürzten zwei Frauen an derselben Stelle kurz nacheinander mehrere hundert Meter die Westflanke hinunter“, heißt es im Bericht der Walliser Kantonspolizei.
Die Kameraden verständigten die Bergrettung, es begann eine große Rettungsaktion: Zwei Helikopter brachten die Einsatzkräfte der örtlichen Bergrettung zur Unglücksstelle. Eine der beiden Abgestürzten, eine 45-jährige Deutsche, war bereits tot. Die zweite Frau, eine 61-Jährige, ebenfalls aus Deutschland, war schwer verletzt. Sie wurde ins Inselspital Bern nach geflogen, die Tote wurde per Helikopter geborgen. Die Walliser Kantonspolizei gibt aus Datenschutzgründen keine weiteren Details über die beiden Abgestürzten bekannt.
Vor Ort spricht man längst vom „verfluchten Berg der Deutschen“
Das Lagginhorn gilt im Wallis, so schreibt es die Zeitung Le Nouveliste, als „verfluchter Berg der Deutschen“. Im Juli 2012 verloren fünf Deutsche bei einer Expedition auf den Berg ihr Leben. 2018 wurde ein weiterer 50-jähriger deutscher Bergsteiger bei seiner Solobesteigung ebenfalls Opfer des Lagginhorns.
1987 kehrten zwei deutsche Bergsteiger um, nachdem sie versucht hatten, das Lagginhorn zu besteigen. Sie starben dann auf dem Gletscher. Die Leiche eines der Opfer tauchte dreißig Jahre später, im August 2017, wieder auf, als das Eis geschmolzen war.
Mehr Glück hatte eine Schülergruppe aus Niederbayern, sie mit ihren Fahrrädern auf über 2500 Metern in Tirol gestrandet war. Im ebenfalls in Tirol liegenden Sölden war Ende Juni ein Wanderer in den Tod gestürzt. Nahe des Großglockners stürzte im Juni ein junger deutscher Wanderer in den Tod. Für Aufsehen sorgte ein Skitourengeher, der bei einem Sturz andere Gipfelstürmer mit ins Tal gerissen hatte.
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