Einsatzkräfte sprachlos

Bergrettung im Einsatz: Urlauber in Turnschuhen und Jogginghose auf über 3000 Meter

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Zwei Urlauber haben in der Schweiz auf über 3500 Meter Höhe eine Bergrettung ausgelöst. Sie waren lediglich in Jogginghosen und Turnschuhen gekleidet.

Zermatt – Die steile Felspyramide des 4478 Meter hohen Matterhorns ist wohl der berühmteste Gipfel der Welt. Jeder Bergsteiger will einmal auf dem monumentalen Gesteinszacken gestanden habe, Tausende Alpinisten stürmen jedes Jahr den Berg bei Zermatt in den Walliser Alpen (Schweiz).

Als beste Zeit für das Erklimmen gelten laut matterhorn.org die Wochen zwischen Mitte Juli bis Mitte September, abhängig von den jeweils vorherrschenden Witterungs- und Schneebedingungen. Doch dieses Jahr sorgte der heftige Wintereinbruch in der zweiten Septemberwoche für ein vorzeitiges Ende der Wandersaison in den Hochalpen.

Trotz Wintereinbruch erklimmen die Touristen das Matterhorn – in ungeeigneter Kleidung

Dennoch brachen am Wochenende zwei vietnamesische Bergsteiger zu einer Tour über die Normalroute zum Gipfel des Matterhorns auf. Sie waren nur „ungenügend ausgerüstet mit leichten Halbschuhen und dünnen Trainerhosen“, berichtet die Heliopterrettngsfirma Air Zematt später. Denn der Gipfelsturm der Touristen endete in einem wahren Bergdrama.

Am Montagmorgen kurz nach 7 Uhr erreichte die Retter aus Zermatt ein Notruf: Die beiden Bergsteiger aus Vietnam waren in Bergnot geraten, sie hingen in über 3500 Meter in der Matterhorn-Wand fest. „Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt derart schlecht, dass an eine Rettung sowohl aus der Luft als auch über den Landweg nicht möglich war“, berichtet Bruno Kalbermatten, Medienbeauftragter des Rettungs- und Flugdienstes Air Zermatt, gegenüber IPPEN.MEDIA

Die Retter kämpften sich durch den Schnee am Kamm zu den Touristen vor.

Um 13 Uhr entschieden drei Spezialisten der Rettungsstation Zermatt, das Matterhorn bis zur Unglücksstelle zu Fuß zu besteigen. Die Retter konnten mit der Bergbahn bis nach Schwarzsee auf 2583 Meter Höhe fahren. Von da mussten sie zu Fuß weitergehen „Dabei waren sie Schnee, Wind, Eis, Nebel und Kälte ausgesetzt“, so Kalbermatten weiter. Auf über 3500 Metern entdeckten die Rettungsspezialisten die zwei in Not geratenen Bergsteiger. 

Sie waren unterhalb der Normalroute in unwegsamem Gelände blockiert und bereits stark unterkühlt. Doch sie konnten wegen der widrigen Wetterbedingungen immer noch nicht aus der Matterhorn-Wand geflogen werden. Kalbermatten: „Deswegen mussten sich die Rettungsspezialisten zu den verunglückten Alpinisten abseilen und sie dann mittels Seilzugs zurück auf die Normalroute bringen.“

Helikopter konnte stundenlang nicht starten – Berghütte als Lebensretter

Daraufhin folgte ein äußerst schwieriger Abstieg zum Winterlager der Hörnlihütte auf 3260 Meter. „Neuschnee und Eis machten den Rettungseinsatz zu einer enormen Herausforderung für die Retter.“ Im Winterlager der Hörnlihütte konnten die Retter und die in Not geratene Bergsteiger Schutz suchen. Gleichzeitig wartete der Helikopter von Air Zermatt auf ein Wetterfenster, um die Alpinisten zu evakuieren. Nachts um 2 Uhr startete die Helikopter-Crew dann Richtung Matterhorn und konnte in zwei Flügen sowohl die in Not geratenen Bergsteiger als auch die Bergretter in Sicherheit bringen.

Die Air Zermatt barg die Touristen mit einem Bell429-Hubschrauber.

Kalbermatten: „Die Retter operierten unter großen Herausforderungen. Doch ohne ihren Einsatz hätten die beiden vietnamesischen Bergsteiger die extremen Bedingungen kaum überlebt und wären erfroren.“ Eine ärztliche Untersuchung durch den Air Zermatt-Arzt ergab, dass die beiden Vietnamesen unverletzt waren, so durften sie erschöpft in ihr Quartier zurück.

Alpen-Einsatz am Matterhorn – Rettungen kosten eine Menge Geld

Kalbermatten will die schlechte Ausrüstung und Tourenplanung der beiden Bergsteiger nicht kommentieren, er sagt: „Wir sind Retter, keine Richter, und hinterfragen niemals, warum jemand in Schwierigkeiten geraten ist.“ Doch eines ist klar: „Grundsätzlich werden die Kosten bei einer Rettung direkt den Patienten in Rechnung gestellt.“ Allein der Rettungshelikopter mit Crew kostet Kalbermatten zufolge pro halber Stunde über 3000 Franken, das sind umgerechnet 3177 Euro. „Allerdings bleiben wir jährlich auf offenen Rechnungen im tiefen sechsteiligen Frankenbereich sitzen.“

Am Matterhorn ereignen sich immer wieder schwere Unglücke, so stürzten im August drei Bergsteiger 1000 Meter tief in den Tod. Am benachbarten Monte Rosa traten nach dem Wintereinbruch Anfang September acht Bergsteiger eine Schneewechte los und stürzten in die Tiefe, einer starb. Fast gleichzeitig erfroren vier Menschen am Montblanc. Anfang September war ein Tourist dort in den Tod gestürzt.

Rubriklistenbild: © Air Zermatt

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