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Eine achtköpfige Bergsteigerseilschaft stürzt bei einer Alpen-Tour durch das Gebiet des Monte Rosa ab, als sie eine Schneewechte lostreten. Ein Mann stirbt.
Cervinia – Der Monte Rosa ist einer der faszinierendsten Berge der Alpen. Mit einer Höhe von 4634 Metern ist der Gipfel, über den die schweizerisch-italienische Grenze verläuft, der zweithöchste des Hochgebirges und der höchste Punkt der Schweiz. Zu dem Bergmassiv in den Walliser Alpen nahe des Matterhorns zählen auch die Zwillingsgipfel Castor (4225 Meter) und Pollux (4089 Meter).
Alpen-Bergsteiger im italienischen Monte-Rosa-Massiv verunglückt
Die Gipfel gehören zu den zehn Viertausendern der „Spaghetti-Tour“, einer fünf oder sechs Tage langen Bergsteigertour im Monte-Rosa-Massiv. Die technisch meist nicht schwierigen Gipfel sind ein Paradies für Gipfelsammler, heißt es bei Bergfans. In den vergangenen Wochen waren mehrere Gruppen von Bergsteigern dort unterwegs, größtenteils in Begleitung von Bergführern, berichtet ildolomiti.it.
Wandergruppe aus Spanien hatte offenbar Schneewechte nicht bemerkt – und stürzte mit ihr ab
Am Montag (9. September) hatte eine Seilschaft von acht Alpinisten den Colle del Felik (4061 Meter) erreicht, ein Hügel zwischen Castor und Lyskamm (4527 Meter). Dort herrschte dichter Nebel. Darum haben die Bergsteiger wegen der schlechten Sicht vermutlich eine Schneewechte übersehen – ein vom angewehter Schneeüberhang. Nach dem Wetterumschwung am Sonntag (8. September) hatte es bei Wind in den Gipfellagen viel geschneit – ideale Voraussetzungen für Schneeverwehungen.
Die Gruppe trat auf den Überhang, der unter dem Gewicht der Bergsteiger abbrach, mit einer Lawine abstürzte und sie mit in die Tiefe riss. Ihr Notruf bei der Bergrettung Aostatal ging am Nachmittag ein. Dort ging man zunächst von einer Lawine aus, die die Bergsteiger von oben mitgerissen hat. Vor Ort angekommen, stellten die Retter jedoch fest, dass es sich um einen anderen Unfallhergang handelte.
Hubschrauber können wegen Wolken am Gipfel nicht zum Unfallort fliegen
Die acht Bergsteiger, nach ersten Informationen von ildolomiti.it aus Spanien, waren im Abstieg vom Gipfel des Castor gewesen. Die Gruppe stürzte 200 Meter in die Tiefe. Einer der Bergsteiger war sofort tot. Die Bergrettung musste zu Fuß auf eine Höhe von 3900 Metern aufsteigen, da die Sicht für Helikopterflüge in der großen Höhe zu schlecht war. Dort wurde der Tote geborgen. Die Verletzten wurden mit Tragen in tiefere Lagen zur Vittorio Sella-Schutzhütte (2584 Meter) gebracht, die unter den Wolken lag, sodass sie Hubschrauber ins Krankenhaus nach Aosta fliegen konnten.
Der Einsatz fällt zeitlich mit einer großen Suchaktion am Mont Blanc an der Grenze Frankreichs zu Italien zusammen, auf dem derzeit vier Bergsteiger vermisst werden.
Wie tödlich die Viertausender als Alpen sein können, war er erst vor wenigen Tagen am Mont Blanc zu sehen: Ein Tourist stürzte am „Todeskorridor“ und starb. Ein abstürzender Eisblock wurde im Juli drei Bergsteigern zum Verhängnis. Und ein Bergsteiger, der Geld für krebskranke Kinder sammeln wollte, stürzte ebenfalls im Juli am Mont Blanc in den Tod. Am Matterhorn fielen drei Wanderer 1000 Meter in die Tiefe und starben.
