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Im April 2023 brannte es in Frankreich, ab Juni immer wieder in Griechenland und Italien. Nehmen Waldbrände in Europa zu? Ein Forschungsbericht legt das nahe.
Brüssel – Hätten sich alle Waldbrände Europas in 2023 auf Luxemburg gebündelt, wäre das Land nun dem Erdboden gleich. Das geht aus einem Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) hervor. Demnach sei alleine in der EU die doppelte Fläche des deutschen Nachbarlandes im vergangenen Jahr durch Waldbrände zerstört worden.
Vor allem die verheerenden Bilder von der griechischen Urlaubsinsel Rhodos dürften im Gedächtnis geblieben sein. Doch auch in Südfrankreich, Kroatien, Italien und sogar in Deutschland brannte es in 2023 und erweckte den Eindruck, dass die Vorfälle zunehmen. Wie sich jetzt herausstellt, trügt das Empfinden nicht: 2023 wüteten die Feuer besonders schlimm in der EU.
2023 eines der heftigsten Waldbrand-Jahre: Risiko vor allem in Mittelmeer-Region erhöht
Über eine halbe Million Hektar gingen durch Waldbrände in der Europäischen Union verloren, wie der am Mittwoch (10. April) veröffentlichte Bericht offenbart. Schlimmer sah es den Angaben zufolge nur in den Jahren 2017, mit fast einer Million verbrannter Hektar aus, sowie in 2022 (800.000) und 2007 (600.000). Die Erhebung zeigt: Waldbrände werden häufiger, größer und vor allem stärker als noch vor einigen Jahren.
Stats on the 2023 fire season in the EU from the European #ForestFire Information System #EFFIS advance report:
— EU_ScienceHub (@EU_ScienceHub) April 10, 2024
🗺️Burnt area ~twice of Luxembourg
📈Increase in burnt areas in summer
🔥Largest single fire since the 1980s
🌫️20 megatonnes of CO2 emissionshttps://t.co/LLbjUBX5xB pic.twitter.com/aNgPq66nO3
Laut dem Bericht wüteten die Waldbrände besonders stark im Sommer. Eine auf X (vormals Twitter) veröffentlichte Karte zeigt zudem, dass vor allem rund um das Mittelmeer die Brandgefahr hoch ist. Griechenland erlebte nahe der Stadt Alexandroupoli den größten einzelnen Brand in Europa seit den 1980er-Jahren. Dabei verursachten die Waldbrände in 2023 erhebliche Umweltschäden.
Laut JRC produzierten die Feuer etwa 20 Megatonnen CO₂-Emissionen. Das entspreche fast einem Drittel aller Emissionen aus dem internationalen Luftverkehr in der EU in einem Jahr. Weltweit gesehen kamen die heftigen Waldbrände in Kanada, Australien und Hawaii hinzu. Ein endgültiger Bericht für das Jahr 2023 mit detaillierteren Angaben wird im Herbst 2024 erwartet.
Werden die Waldbrände noch häufiger und schlimmer? Klimawandel lässt Risiko steigen
Bereits in den ersten Monaten des laufenden Jahres 2024 verdoppelte sich die Zahl der Brände beinahe, allerdings mit geringeren Schäden als befürchtet, wie die Kommission mitteilte. In Österreich zeigten sich jüngst apokalyptische Szenen, auch auf der Italien-Insel Sizilien wüteten bereits in diesem Jahr heftige Feuer, die immer wieder von starken Winden entfacht wurden.
Doch unlängst wird befürchtet, dass der Klimawandel die Waldbrandgefahr steigen lassen wird. Wie das Umweltbundesamt (UWA) hinweist, können die Klimaveränderungen Waldbrände künftig noch häufiger begünstigen. Der Weltklimarat erwartet für das Jahr 2050 global etwa 27 Prozent mehr Flächenbrände als im Jahr 2000.
Griechische Inseln in Flammen: Waldbrände wüten auf Rhodos, Korfu und Euböa




Das hänge damit zusammen, dass sogenanntes Feuerwetter durch den Klimawandel wohl häufiger auftreten werde, wie Dr. Friederike Otto gegenüber dem Wissens-Portal quarks erklärt. „Feuerwetter besteht im Wesentlichen aus hohen Temperaturen, wenig Niederschlag und Wind“, so die Klima-Expertin am Imperial College London. Diese Kombination zeige sich besonders häufig im Mittelmeerraum. Oftmals kommt verheerender Wind hinzu, der die Flammen ausweitet.
Gefahr von Waldbränden nicht mehr nur saisonal, sondern ganzjährig
Solche Feuerwetterbedingungen um Dürre, Hitze und Wind kommen normalerweise saisonal vor. Die vergangenen Jahre haben aber gezeigt, dass sich in Europa die Waldbrandsaison mittlerweile über das ganze Jahr erstrecken kann. Der Weltklimarat IPCC kommt zu dem Schluss, dass sich global die Feuerwetterzeiträume bereits seit 1979 verlängert haben, stützt sich dabei allerdings auf eine nicht eindeutige Datenlage.
Expertinnen und Experten betonen aber, dass der Klimawandel selbst nicht Verursacher von Waldbränden ist, sondern sie durch seine Umstände zunehmend begünstige. Die Feuer sind jedoch in der Regel auf menschliches Handeln zurückzuführen – sei es wegen Brandstiftung oder Fahrlässigkeit. (rku/dpa)
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