„Verarbeiten Licht anders“

„Schreiben schlechtere Noten“ – Was Eltern von Spätschläfern beachten müssen

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Viele Schüler sind im Unterricht müde. Dies hat Auswirkungen auf ihre Noten. Was Eltern deshalb am Wochenende machen sollten.

Für die meisten der rund 11,2 Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland beginnt der Unterricht zwischen 07:30 und 08:30 Uhr. Für die meisten zu früh – zumindest wenn es nach ihrem Chronotyp geht, eine Eigenschaft, die unser Schlaf-Wach-Verhalten beeinflusst und bestimmt, wann wir wie leistungsfähig sind.

Schlafforschende unterscheiden frühe Chronotypen, zu ihnen gehören die sogenannten „Lerchen“, die sehr früh aufstehen und früh einschlafen und späte Chronotypen, zu denen die sogenannten „Eulen“ gehören. Sie bleiben gerne lange auf und schlafen dafür morgens länger – wenn sie nicht geweckt werden. Welcher Chronotyp wir sind, bestimmt unsere innere Uhr, die beispielsweise die Ausschüttung des Hormons Melatonin steuert.

Warum der Chronotyp einen Einfluss auf die Noten in der Schule haben kann und wie Eltern herausfinden können, welcher Chronotyp ihr Kind ist, weiß Till Roenneberg. Er ist Professor am Institut für Medizinische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und erforscht die Chronotypen des Menschen.

Welche Folgen es hat, wenn Kinder nicht ideal schlafen können

Schlaf übernehme im Gehirn Serviceleistungen und sei besonders wichtig, dass der Mensch lernen könne, erklärt Roenneberg. Im Schlaf finde eine Art Inspektion statt und ein Aufräumen. „Der Schlaf ist dafür da, dass wir Dinge vergessen, die nicht relevant sind und Dinge im Gedächtnis verankern, die wichtig sind“, sagt er BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Ein Schlafdefizit führt zu Konzentrationsschwierigkeiten, die Risiken für Depressionen und Adipositas steigen.

„Wir können ideal schlafen, wenn wir in dem Fenster schlafen, das unsere innere Uhr aufmacht“, sagt Roenneberg. Deshalb sei es wichtig, bei Kindern, die in die Schule kommen, und noch mehr bei Jugendlichen, darauf zu achten, wann sie schlafen. Die inneren Uhren aller Menschen in allen Kulturen würden nämlich zunächst einmal 20 Jahre lang später werden. Wir werden also zu späteren Schläfern.

Das Schulsystem nimmt darauf keine Rücksicht, mit gravierenden Folgen. „Untersuchungen zeigen, dass Eulen in der Schule schlechtere Noten schreiben als Lerchen. Das heißt, es gibt eine biologische Diskrimination von Chronotypen in der Schule“, sagt Roenneberg.

Viele Jugendliche heute bekommen permanent zu wenig Schlaf. Manche fallen deshalb in einen „Mikroschlaf“ in der Schule.

Welches Detail Eltern beim Ausschlafen von Teenagern beachten sollten

Durch ihre spätere innere Uhr können die meisten Jugendliche nicht früh genug einschlafen und sammeln ein Schlafdefizit an. Roenneberg gibt Eltern einen wichtigen Hinweis: „Weckt die Jugendlichen nicht am Wochenende, denn sie müssen ausschlafen, müssen verlorenen Schlaf nachholen“. Das biologische System könne nicht „überschlafen“. Wenn wir sehr lange schlafen, liege das daran, dass wir großen Nachholbedarf hätten.

Aber die Vorhänge sollten sie dabei nicht zuziehen, rät der Experte. „Die innere Uhr stellt sich nach Licht und Dunkel. Wenn man dem Jugendlichen erlaubt, bis 14 Uhr in einem dunklen Zimmer zu schlafen, denkt die innere Uhr, die Sonne sei noch nicht aufgegangen und stellt sich noch später“, erklärt Roenneberg.

Und wenn der oder die Jugendliche doch eine Lerche ist? „Die Frühtypen (Lerchen) wachen früh auf, auch wenn sie erst um zwei Uhr nachts nachhause gekommen sind, weil sie das Licht anders verarbeiten“, sagt Roenneberg BuzzFeed News Deutschland. Den Lerchen-Teenagern sollten die Eltern erklären, dass sie gerne mit ihren Freunden feiern können, sich aber darüber klar sein sollten, dass sie zu wenig Schlaf bekommen, was schlecht für ihr Lernen und ihre Entwicklung sei.

Rubriklistenbild: © peopleimages.com/Imago

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