VonPia Seitlerschließen
Die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit steht bevor. Die 60 Minuten haben gesundheitliche Folgen, zeigen mehrere Studien.
Es ist mal wieder so weit: Am 30. März findet die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit statt und die Uhren werden um eine Stunde vorgestellt. Das heißt, eine Stunde früher aufstehen und eine Stunde später die Leselampe im Wohnzimmer anknipsen. Im Oktober erfolgt dann wieder die Umstellung auf die Winterzeit. Die Ukraine will ab 2025 die Zeitumstellung abschaffen – auch aus gesundheitlichen Gründen.
Viele Vorgänge im menschlichen Körper sind rhythmisch organisiert, zum Beispiel Herzschlag und Atmung sowie der Wechsel zwischen Wachsein und Schlaf. Abweichungen von diesen Rhythmen – etwa durch zu kurze Schlafphasen, Nachtarbeit, zu wenig Tageslicht, Licht zur falschen Zeit oder die Uhrumstellung im März und Oktober – können die Gesundheit verschlechtern, heißt es vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung.
Besonders die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit hat negative Auswirkungen. Das liegt daran, dass die Sommerzeit den 24-Stunden-Rhythmus oder zirkadianen Rhythmus unseres Körpers stört. Sie zwingt ihn, einem unnatürlichen Zeitplan zu folgen, bis die Uhren wie jetzt am 27. Oktober wieder auf Winterzeit umgestellt werden.
Gesundheitliche Auswirkungen der Zeitumstellung – „die ganze Zeit aus dem Takt“
„Man kann sich zwar in ein paar Tagen an den Schlafverlust gewöhnen, aber vom Standpunkt der zirkadianen Ordnung aus gesehen, ist man wirklich die ganze Zeit aus dem Takt“, sagt Beth Malow BuzzFeed News US über die Zeitumstellung auf die Sommerzeit. Sie ist Professorin für Neurologie und Expertin für Schlafstörungen. Die Zeitumstellung bringe „das System auf eine Art und Weise durcheinander, wie es bei einem einfachen Wechsel der Zeitzone nicht der Fall wäre.“
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einer Forschungsgesellschaft über biologische Rhythmen sind sich einig, dass die Uhrumstellung auf die Sommerzeit, Einfluss auf unseren Schlaf hat. Sie führt oft zu kurzfristiger Schlaflosigkeit, Tagesmüdigkeit, Reizbarkeit, einem Energiemangel und Schwierigkeiten, klar zu denken.
Studien zeigen nach Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit mehr Herzinfarkte
Neben Schlafproblemen wird die Sommerzeit auch mit einem Anstieg von Herzinfarkten in Verbindung gebracht. In einer Studie fanden US-Wissenschaftler heraus, dass über einen Zeitraum von drei Jahren die Zahl der Herzinfarkte an den Montagen nach Beginn der Sommerzeit im Vergleich zu anderen Montagen des Jahres um 24 Prozent anstieg. Eine Auswertung von Krankenhausdaten der DAK-Krankenkasse kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Während normalerweise täglich im Schnitt 45 Personen einen akuten Herzinfarkt erleiden, sind es an den drei Tagen nach der Umstellung auf Sommerzeit 54 – ein Anstieg von 20 Prozent.
Die US-Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass sich die Auswirkungen der Sommerzeit auf den Zeitpunkt der Herzinfarkte und nicht auf die Häufigkeit insgesamt auswirkten. Die abrupten Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus sowie der erhöhte Stress zu Beginn einer neuen Arbeitswoche, kann darauf Einfluss nehmen, dass Menschen einen Herzinfarkt erleiden, den sie sonst zu einem späteren Zeitpunkt gehabt hätten.
Mehr Schlaganfälle und höheres Unfallrisiko nach der Zeitumstellung
Eine Studie aus Finnland zeigt, dass auch die Schlaganfallquote nach der Uhrumstellung auf die Sommerzeit sprunghaft ansteigt. Sie war in den zwei Tagen nach Beginn der Sommerzeit bei Krankenhauspatienten um acht Prozent höher als in den zwei Wochen davor und danach.
Es gibt auch Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Sommerzeit und der Zunahme von Verkehrsunfällen, die auf müde Autofahrer zurückzuführen sein könnten. Bei einer Studie, in der Daten von Autounfällen in den USA aus 21 Jahren ausgewertet wurden, stellte sich heraus, dass sich in der Arbeitswoche nach der Sommerzeitumstellung etwa 28 zusätzliche Verkehrsunfälle mit Todesfolge ereigneten. Außerdem steige das Risiko für Wildunfälle im Frühjahr mit der Zeitumstellung, weil der morgendliche Berufsverkehr dann in die Dämmerung falle, warnt der ADAC.
Eigentlich hatte die EU-Kommission 2018 vorgeschlagen, die 1980 erneut eingeführte Zeitumstellung abzuschaffen. Doch wann und ob dies geschieht, steht derzeit noch nicht fest. Das hat einerseits mit der großen europäischen Zeitzone zu tun, die vom Westen Spaniens bis zur Ostgrenze Polens reicht, andererseits damit, dass man sich entweder auf eine einheitliche Sommer- oder eben Winter- beziehungsweise Normalzeit verständigen müsste. Das Europäische Parlament unterstützte im März 2019 den Vorschlag der Kommission. Seitdem liegt der Ball bei den Mitgliedstaaten, sie müssen im Rat einen gemeinsamen Standpunkt finden.
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