Kolumne von Meteorologe Dominik Jung

Mittelmeertief Calvin sorgt für Unwetter-Großalarm – vom Mittelmeer bis nach Deutschland

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Mittelmeertief „Calvin“ sorgt für extreme Unwetter: Sintflutartiger Regen, Gewitter und Überschwemmungen drohen besonders Südwestdeutschland. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kassel – Die aktuelle Wetter-Lage in Europa ist dramatisch: Das Mittelmeertief „Calvin“ bringt Unwetter von Südfrankreich über Norditalien bis hinein nach Südwestdeutschland. Ursache ist die ungewöhnlich hohe Wassertemperatur des Mittelmeeres, das derzeit deutlich zu warm für die Jahreszeit ist. Dieses überdurchschnittlich warme Wasser wirkt wie ein riesiger Energiespeicher und befeuert die Entstehung von heftigen Gewittern, Starkregen und Unwettern.

Am Mittwoch (24. September) liegt das Unwettertief Calvin über Norditalien.

In Südeuropa entstehen dadurch teils gefährliche Gewitterzellen, die enorme Regenmengen produzieren. Besonders kritisch: „Calvin“ kommt kaum von der Stelle, er hängt fest und sorgt somit für stationäre Unwetter. Immer wieder werden die gleichen Regionen von neuem Starkregen getroffen – mit massiven Folgen für die Bevölkerung.

Mittelmeertief „Calvin“ sorgt für eine brisante Wetterlage – Extreme Regenmengen in Deutschland erwartet

Während Südeuropa zusätzlich mit Blitzen, Hagel und Sturm kämpfen muss, droht in Deutschland vor allem der Starkregen schlimm zu werden. Besonders im Südwesten, also in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, dem Saarland sowie in Teilen von Südhessen, Nordbayern und Thüringen, rechnen die Wettermodelle mit gigantischen Regenmengen. Je nach Wettermodell könnten dort bis zu 130 Liter pro Quadratmeter fallen – das ist mehr als eine übliche Monatsmenge.

Schon jetzt sind die Böden vielerorts gesättigt, sodass weitere Regenfälle kaum noch aufgenommen werden können. Bäche und kleinere Flüsse treten bereits über die Ufer, die Gefahr von Überschwemmungen wächst stündlich. Besonders problematisch ist, dass die Regenbänder immer wieder über denselben Regionen verharren, sodass die Niederschläge nicht gleichmäßig verteilt, sondern lokal extrem konzentriert auftreten.

Dauergefahr bis mindestens Donnerstagmittag (25. September)

Die angespannte Wetterlage wird nach jetzigem Stand mindestens bis Donnerstagmittag (25. September) anhalten. Erst dann zeichnet sich eine leichte Entspannung ab, wenn sich das Tief langsam abschwächt und nach Osten abzieht. Doch bis dahin bleibt die Situation hochgefährlich. Einsatzkräfte sind bereits im Dauereinsatz, Keller laufen voll, Straßen stehen unter Wasser, und erste Erdrutsche werden gemeldet. Besonders in Hanglagen und an Flussläufen besteht akute Gefahr für Anwohner.

Die Kombination aus ungewöhnlich warmem Mittelmeer, festhängendem Tiefdruckgebiet und immer neuen Regenimpulsen macht „Calvin“ zu einer der gefährlichsten Wetterlagen der letzten Jahre. Experten warnen: Wer in den betroffenen Regionen lebt, sollte die Lage ernst nehmen, Warnmeldungen verfolgen und unnötige Wege vermeiden. Denn selbst wenn es zwischenzeitlich kurze Pausen gibt – die nächste Starkregenwelle folgt meist schon kurz darauf.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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