- VonCarmen Mörwaldschließen
Wo sonst Ausflugsschiffe ablegen und Segelboote schaukeln, herrscht gähnende Leere. Der Bodensee erlebt gerade den niedrigsten Pegel seit 40 Jahren.
Konstanz – Spaziergänger dürfte es freuen, Häfen, Bootsbesitzer und Fischer dagegen weniger: Der Bodensee hat derzeit so wenig Wasser wie seit vielen Jahren nicht. Besonders der Untersee im Westen kämpft mit ungewöhnlich niedrigen Pegelständen. Der Hafen von Mannenbach in der Schweiz liegt komplett trocken. Gestrandete Boote, stinkende Algen und freigelegte Geröllfelder prägen das sonst so idyllische Bild. Ein Umweltschutz-Experte gibt allerdings Entwarnung.
Niedriger Pegelstand am Bodensee – „Für diese Jahreszeit ist das sehr gering“
„Der geringe Wasserstand ist für diese Jahreszeit nicht außergewöhnlich“, erklärt ein Sprecher des Landesamtes für Umweltschutz Baden-Württemberg (LUBW) dem Südkurier. Entscheidend seien nun die Niederschläge. Sollte es zu wenig Regen geben, könnte der Bodensee auch im Sommer Niedrigwasser haben. Wenig Hoffnung macht die Vorhersage von Meteorologe Dominik Jung: Laut ihm hat Deutschland mit Dürre zu kämpfen. Dementsprechend fällt die Sommer-Prognose aus.
Die Ursachen für den niedrigen Pegelstand sind vielfältig. Laut dem Sprecher sind vor allem die geringen Niederschläge – auch über den Winter – und die dadurch geringe Schneeschmelze in den Alpen verantwortlich. Demnach liegt der Wasserstand in Konstanz bei nur 2,73 Metern. Das Portal bodenseee.net zeigt aktuell einen Pegel von 2,72 Metern an. „Für diese Jahreszeit ist das sehr gering. In den 1980er-Jahren gab es ähnlich niedrige Wasserstände“, so der Sprecher zu Bild.de.
Bodensee kämpft mit Folgen von Klimawandel – Fischsterben bereits eingetreten
Während die Pegelstände natürlichen Schwankungen unterliegen, zeichnet sich bei der durchschnittlichen Temperatur des Bodensees ein klarer Trend ab: Deutschlands größter See wird nach Informationen des LUBW immer wärmer. Im Jahr 1962 lag die mittlere Wassertemperatur demnach noch bei 10,5 Grad Celsius. 2023 wurde mit 13,6 Grad schließlich ein neuer Höchstwert erreicht. Damit hat sich der Bodensee in etwas mehr als 60 Jahren um mehr als drei Grad erwärmt.
In den nächsten Jahren könnte der Klimawandel die Situation am Bodensee verschärfen. Die steigenden Temperaturen verhindern die Durchmischung des Wassers, was zu Sauerstoffmangel in tieferen Schichten führen kann. Besonders der flache Untersee im Westen könnte dadurch betroffen sein, was langfristig zu einem Fischsterben führen könnte. Der Gewässerschutz wird daher immer wichtiger, um die negativen Auswirkungen auf die Tierwelt und Natur zu minimieren.
Tatsächlich ist das Fischsterben am Bodensee bereits eingetreten. Immer mehr Angler hängen ihren Beruf deswegen an den Nagel. „Der Niedergang ist nicht mehr zu stoppen“, sagt Roland Rösch, Vorsitzender des Landesverbandes der Berufsfischer und Teichwirte der Deutschen-Presse-Agentur (dpa).
„Es stinkt widerlich“ – Lage am Bodensee belastet Bewohner und Touristen
Der niedrige Pegelstand ist jedoch nicht nur für die örtlichen Fischer unerfreulich. Eine Frau aus Konstanz berichtet Bild.de: „An der Rheinbrücke ist das Wasser rund zehn Meter vom Ufer zurückgewichen. Es stinkt widerlich.“ Schlick und Algen, die durch den niedrigen Wasserstand freigelegt wurden, lassen einen üblen Geruch zurück. Zudem können die Ausflugsschiffe der „Weißen Flotte“ derzeit nicht überall anlegen, da die viele Häfen am Bodensee komplett ausgetrocknet sind.
Der Hafen von Mannenbach am Schweizer Ufer ist einer davon. „Ich kann mich nicht entsinnen, wann es das letzte Mal so flach war“, erzählt Roland Weiermann, Hafenmeister von Gaienhofen und Hemmenhofen auf der Höri, dem SWR. „Um einen Vergleich zu nennen: Zum letzten Jahr ist es minus 65 Zentimeter.“ Viele Segelboot-Besitzer haben deswegen bereits ihre Buchungen storniert. Große Probleme zum Saisonstart meldet auch der Hafen von Ludwigshafen im Kreis Konstanz.
Der niedrige Pegelstand hat aber auch einen praktischen Nutzen: Die dringend notwendige Sanierung der Insel Hoy bei Lindau kann endlich angegangen werden, wie der Südkurier berichtet. Da das Wasser zurückgegangen ist, kann die Insel mit Baggern und anderen Fahrzeugen erreicht werden. (cln/dpa)
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