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Eine Unwetterfront hat in der Nacht auf Freitag in Südtirol und Tirol gewütet. Straßen und Häuser wurden verwüstet, zwei Urlauber von Muren in ihrem Auto eingesperrt.
Sterzing/Pfunds/Fügen – Die Unwetterserie in den Alpen reißt nicht ab. In der Nacht auf Freitag tobte sich eine heftige Gewitterfront über dem Alpenhauptkamm in Tirol und Südtirol in Österreich und Italien aus. Besonders hart betroffen war das Wipptal, das dies- und jenseits des Brenners liegt und durch das die Brennerautobahn führt. Auf Südtiroler Seite wurden viele Anwesen von Muren verwüstet. Teilweise stand das Kies-Matsch-Gemisch brusthoch in den Räumen.
Über 65 Liter Regen waren dort in kürzester Zeit vom Himmel gefallen. Bäche verwandelten sich in reißende Flüsse und rissen alles mit, was sich ihnen in den Weg stellte. Das Wasser riss Kies, Sand und Lehm mit sich, daraus wuchsen mächtige Muren heran. Die Brennerstaatsstraße wurde bei der Einfahrt Trens nahe Sterzing wegen eines Murenabganges gesperrt, der Verkehr wurde über die Brennerautobahn A22 von Vahrn nach Sterzing umgeleitet.
Muren und Regenmassen sorgen für Riesenschäden entlang der Brennerautobahn
Laut stol.it wurde auch der Asphalt angehoben, der dann wieder absackte. Südlich von Trens wurde ein Schacht verstopft und die Straße überschwemmt. Das Wasser stand stundenlang einen halben Meter hoch. Die Brennerstaatsstraße sollte nachts wieder aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Auch die Straße auf den Jaufenpass ist ab Gasteig wegen Vermurung gesperrt.
Etwa 30 Wohnhäuser, Dutzende Betriebe und Hotels wurden von eindringendem Wasser, Schlamm und Geröll teils schwer beschädigt. Insgesamt zählte die Feuerwehr 64 Einsatzstellen. Rund 150 Einsatzkräfte aus dem Bezirk Wipptal/Sterzing, Einsatzzüge des Landes Südtirol und des Zivilschutzes waren stundenlang im Dauereinsatz, auch die Berufsfeuerwehr Bozen wurde dazu alarmiert. Im Freienfelder Hotel „Saxl“ verursachte eine Mure große Schäden. Kies und Schlamm waren in Keller, Heizraum, Wellnessbereich, Küche und Speisesaal eingedrungen.
Im Norden Tirols wurden mehrere Straßen verschüttet
Auch in Nordtirol (Österreich) gab es heftige Schäden. Mehrere Muren gingen ab und verschütteten Straßen: Betroffen war die Reschenstraße B180, die Verbindung vom Inntal zum Reschenpass bei Pfunds in Tirol sowie die auch die Oberinntalstraße (L65). Eine Brücke wurde schwer beschädigt.
Die Gemeinden Pfunds, Spiss und Nauders sowie der Reschenpass waren vom Inntal aus nicht erreichbar. Eine Umfahrung der Sperren ist aktuell (Stand Freitagnachmittag) nur großräumig über Südtirol bzw. die Schweiz möglich. Am Nachmittag konnte die B180 nach den ersten Reparaturarbeiten wieder halbseitig freigegeben werden. Nachts soll die Straße wieder aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Die Oberinntalstraße bleibt bis auf Weiteres gesperrt. Auch die Hahntennjochstraße zwischen Lech- und Inntal bei Imst war vorübergehend gesperrt.
Zwei Urlauber aus Deutschland werden im Zillertal im Auto von Muren eingeschlossen
Im Zillertal wurden zwei Urlauber, eine 39-jährige Frau und ein 35-jähriger Mann aus Gelsenkirchen, gegen Mitternacht auf der Hochfügener Straße von zwei Muren eingeschlossen, die vor und hinter ihnen abgegangen waren. Die Feuerwehr musste sich zu Fuß den Weg bahnen, um zu Hilfe zu eilen. Die Urlauber waren aber ebenso unversehrt wie das Auto, wie sich dann herausstellte. Die Straße wurde geräumt, sodass die Urlauber selbst wieder ins Tal fahren konnten. Sie wurde jedoch vorerst gesperrt. Geologen sollen wie an den anderen Stellen auch erst einmal die Lage erkunden.
Schwere Schäden durch Unwetter in Italien: Hagelkörner so groß wie Billardkugeln, Muren und Überschwemmungen




Auch in Bayern und Baden-Württemberg sorgten Unwetter am Donnerstagabend für immense Schäden. Im Piemonte und der Lombardei gab es Anfang Juli bei Unwettern apokalyptische Szenen.
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