Neuer Ärger auf Ferienstrecke

Bürgermeister droht mit Autobahnblockade am Brenner wegen Brückenbau

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Nadelöhr auf dem Weg zum Brenner: Die Luegbrücke wird ab Januar 2025 einspurig.
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An der Brennerautobahn könnte es zu einem Chaos kommen: Der Bürgermeister von Gries am Brenner plant eine Demonstration gegen den Neubau einer Brücke Mitte September.

Gries am Brenner – Auf der wichtigsten Ferienroute in den Süden wird es bald zu schweren Behinderungen kommen. Denn der Verkehr von Deutschland über Tirol nach Italien wird einmal mehr zur politischen Machtprobe: Schon seit Jahren wird über die stetige Zunahme vor allem des Lkw-Verkehrs über den Brenner gestritten. Österreich verärgert mit der Blockabfertigung für Lkw an verkehrsreichen Tagen in Kufstein und am Brenner seine Nachbarn.

Bayern versucht mit Tirol und Südtirol ein Slotsytem für Lkw zu entwickeln, bei dem Spediteure im Voraus ein Zeitfenster für ihre Transporte buchen können. Doch die Sache stockt. Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega-Partei hat eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Blockabfertigung eingereicht.

Heftiges Hickhack über den Lkw-Verkehr zwischen Österreich und seinen Nachbarn - und jetzt Brückenstau

Doch jetzt sorgt die 1,8 Kilometer lange und aus den 60er Jahren stammende Luegbrücke für eine Verschärfung der Lage: Der staatliche Autobahnbetreiber ASFINAG plant einen Neubau. Ab 1. Januar soll nur noch je eine Spur pro Fahrtrichtung zur Verfügung stehen, mindestens bis 2030. Bis dahin will die ASFINAG die Brücke erneuert haben. Nachts herrscht aber auf der A13 von 22 Uhr bis 5 Uhr Fahrverbot für Lkw. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) und Südtirols Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider fordern darum die Aufhebung dieses Nachtfahrverbots. Auch die Wirtschaftsverbände aus Bayern, Südtirol und sogar aus Tirol fordern das Ende dieses Verbots.

Gries‘ Bürgermeister Mühlsteiger will hingegen seine Bürger vor Lärm und Abgasen schützen, er befürchtet eine Zunahme des Verkehrs durch die geplante Verbreiterung der Luegbrücke, die in seiner Gemeinde liegt. Mühlsteiger will die Brücke durch einen Tunnel ersetzen lassen. Seit Jahren kämpft er gegen den als „Generalsanierung“ getarnten schrittweisen Neubau. Sperrgrundstücke der Gemeinde waren nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs enteignet worden. Außerdem war der parteifreie Ortschef mit einer Beschwerde gegen den positiven Trassenbescheid vor Gericht abgeblitzt. Mühlsteiger kündigte an, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen. Mit einer Autobahn-Demo will er laut ORF der Tunnel-Forderung noch einmal Nachdruck verleihen.

Demo soll Widerstand gegen Verbreiterung der Brücke unterstreichen

Die Demo soll seinen Widerstand gegen den Brückenneubau unterstreichen. Sie soll am 14. oder 21. September von sieben bis 19 Uhr an der Auf- bzw. Abfahrt auf die Brennerautobahn in Matrei sowie im Bereich Brennersee stattfinden. Die Demonstration ist noch nicht genehmigt. Das Politikum Lueg-Brücke wird auch von der großen Politik für den Wahlkampf genutzt. FPÖ-Chef Herbert Kickl hat für kommende Woche einen Ortstermin angekündigt. Am 29. September findet die Nationalratswahl statt.

Doch nicht nur am Brenner wird es auf dem Weg in den Süden eng: Auch auf der Alternativroute über den Reschenpass wird es bald Sperren wegen Bauarbeiten geben. Die Tauernautobahn, über die man via Salzburg und Villach ebenfalls nach Italien fahren kann, ist ab Ferienende wieder wegen Tunnelsanierungen ebenfalls nur jeweils einspurig befahrbar. Die kürzeste Autostrecke von München an die Adria via Felbertauernstraße ist wegen der schweren Zerstörungen am Plöckenpass durch einen Felssturz nur mit Umwegen nutzbar. Die Tauernschleuse, die eine Alternative via Autoverladung per Zug unter dem Alpenhauptkamm darstellt, fällt bald wegen Bauarbeiten völlig aus.

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