VonSophia Sichtermannschließen
Arbeitsmarkt-Unsicherheit wächst bei vielen Menschen. Eine Unternehmerin teilt eine kontroverse Warnung für Angestellte.
„Ich habe ein Problem mit dem Angestellten-Mindset“, schreibt die Unternehmerin und KI-Expertin Laura Lewandowski in einem Beitrag auf LinkedIn. Das „Mindset“, also die innere Einstellung oder Arbeitshaltung, fasst sie wie folgt zusammen: „Dieses: ‚Sag mir, was ich tun soll.‘ Dieses: ‚Ich erfülle, was andere erwarten – nicht, was ich mir selbst zutraue.‘“ Sich wie ein Angestellter zu verhalten bedeute, wenig selbstständig zu handeln und sich vor allem auf Anweisungen zu verlassen. „Solche Menschen werden in Zukunft ein echtes Problem haben“, schreibt die Unternehmerin.
Den Grund dafür sieht sie in der nehmenden Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI), welche die Arbeit von „Millionen Menschen“ betreffen werde. Wenn viele Prozesse durch KI automatisiert würden, sei es umso wichtiger, Verantwortung zu übernehmen und sich „proaktiv“ zu verhalten, sagt Lewandowski. Wird eine Änderung der Arbeitseinstellung Menschen davor bewahren, von KI ersetzt zu werden?
Expertin: Besonders Hochqualifizierte von KI ersetzbar
Fakt ist: Viele Tätigkeiten können bereits heute von KI erledigt werden. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat den Job-Futuromat veröffentlicht: Dort wird bewertet, welche Kerntätigkeiten eines Berufs von Robotern oder KI automatisierbar sind. Im Beruf des Steuerberaters sind zum Beispiel 62 Prozent der Kerntätigkeit automatisierbar, bei einem Lehrer sind es 15 Prozent und bei einem Maler und Lackierer 25 Prozent.
Heutzutage hätten vor allem IT- und naturwissenschaftliche Berufe die „höchste Zuwachsrate“ bei der Ersetzbarkeit, erklärt Katharina Grienberger vom IAB BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. „Besonders Hochqualifizierte bekommen Künstliche Intelligenz zu spüren“, sagt die Expertin. Das Ziel des Job-Futuromats sei es, Beschäftigte auf ein „lebenslanges Lernen“ mit KI vorzubereiten.
Besonders in den Bereichen Büro, Verwaltung, Buchhaltung und Software-Entwicklung gebe es Jobs, die von KI ersetzbar sind. Das zeigt eine aktuelle Studie der International Labour Organization (ILO), der internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen, die im Mai 2025 veröffentlicht wurde. Die ILO kommt zu dem Ergebnis, dass rund ein Viertel aller Jobs weltweit vom Einsatz generativer KI betroffen sind. In Industrienationen liegt der Anteil sogar bei 34 Prozent. Eine Gruppe ist innerhalb der ersetzbaren Stellen besonders gefährdet: Frauen. Sie sind fast doppelt so häufig wie Männer in stark automatisierbaren Berufen wie Administration tätig.
Weiterbildung in KI laut Arbeitsexperten essenziell
In der ILO-Studie heißt es jedoch auch, dass die meisten Berufe menschliches Zutun erfordern. Die Autoren gehen also davon aus, dass eine Transformation der Tätigkeiten die wahrscheinlichste Folge von KI sein wird. Auch Grienberger sagt: „Der Gedanke, dass Roboter kommen und uns die Jobs wegnehmen, ist falsch.“ Vielmehr werden sich die Berufe durch KI verändern.
Die Wissenschaftler der Vereinten Nationen raten Unternehmen, ihren Angestellten KI-Weiterbildungen anzubieten. Auch die Expertin macht deutlich: „Unsere Erstausbildung reicht selten aus, wir müssen uns zunehmend weiterbilden und mit neuen technologischen Innovationen vertraut machen.“ Dieser Wandel berge aber auch Chancen, betont die Arbeitswissenschaftlerin. Ob ein neues Mindset den Beschäftigten Erfolg für die Zukunft bringt, bleibt zunächst abzuwarten – der Umgang mit KI wird auf jeden Fall entscheidend sein.
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