VonFabian Hartmannschließen
Frauen sind laut einer globalen Analyse vom möglichen Arbeitsplatzverlust durch KI stärker bedroht als Männer. Diese Befürchtung besteht in mehreren Branchen.
Frankfurt am Main – Seien es Berufe im Bereich Büro und Administration, in der Buchhaltung, im Bereich Text und Lektorat, oder gar in der Software-Entwicklung: In nicht wenigen Branchen befürchten Beschäftigte, dass ihre Berufe früher oder später durch Künstliche Intelligenz (KI) abgelöst werden könnten. Denn daran, dass KI die Arbeitswelt langfristig verändern dürfte, gibt es kaum Zweifel. Während abzuwarten bleibt, in welchem Maße KI-Anwendungen Berufe künftig ersetzen könnten, werden jedoch schon jetzt immer wieder Analysen publik, die sich möglichen Tendenzen annähern. Nun wurde eine neue Prognose veröffentlicht, die eine potenzielle Gender-Gap durch den künftigen Einsatz von KI-Anwendungen in verschiedenen Berufen aufzeigt.
Der Studie zufolge könnten weltweit etwa Viertel aller Berufe durch KI gefährdet sein
Eine neu erschienene Erhebung der Internationalen Arbeitsorganisation der UN (ILO) in Zusammenarbeit mit dem Polnischen Nationalen Forschungsinstitut (NASK) untersuchte, wie groß das Risiko von branchenübergreifenden Beschäftigten weltweit ist, ihren Job an KI-Anwendungen zu verlieren. Dabei beruht die Studie auf einer erweiterten Basis von Daten: So wurden mehr als 52.000 Aufgaben aus verschiedenen Berufsfeldern im Rahmen von Umfragen, Experten-Panels und einem KI-basierten Assistenzsystem analysiert, wodurch besondere Risiken für einzelne Berufe global vergleichbar gemacht werden konnten.
Als ein Resultat geht aus der Studie hervor: Global sind rund 25 Prozent aller Berufe potenziell durch KI gefährdet. In vergleichsweise wohlhabenden Ländern steigt jener Anteil gar auf 34 Prozent. Ein zweites Ergebnis der Studie lautet: Weibliche Beschäftigte verschiedener Berufsgruppen unterliegen einem deutlich höheren Risiko, in ihrer beruflichen Tätigkeit von KI-Programmen ersetzt zu werden. In Ländern mit vergleichsweise hohen Einkommen könnten künftig 9,6 Prozent der stark mehrheitlich von Frauen ausgeübten Berufe von KI bedroht sein, schreibt das US-Wirtschaftsmagazin Fortune ausgehend von der Studie.
Anstellungen in weiblich dominierten Berufsfeldern haben höheres Risiko, von KI ersetzt zu werden
Im Vergleich hierzu schreibt die Studie männlich dominierten Berufsfeldern nur ein Risiko von insgesamt 3,5 Prozent zu, in Zukunft potenziell von einer KI ersetzt zu werden. Das Potenzial, den eigenen Beruf an KI zu verlieren, ist für weibliche Arbeitnehmer der Studie zufolge also deutlich mehr als doppelt, ja sogar fast dreimal so hoch wie für männliche Beschäftigte. Womit aber hängt das konkret zusammen?
Begründet liegt das so deutlich verschieden hohe Risiko zwischen den Geschlechtern in den verschiedenen Berufsfeldern, in denen sie tendenziell tätig sind. So arbeiten Frauen überdurchschnittlich häufig im administrativen Bereich, wie unter anderem Daten des US Census Bureau belegen, die der österreichische Standard ausgehend von der ILO/NASK-Studie anbrachte. Ihnen zufolge bekleideten Frauen im Zeitraum zwischen 2000 und 2019 zwischen 93 und 97 Prozent aller Sekretärs- und Verwaltungsassistenzstellen in den USA.
Und jene administrativen Tätigkeiten, also Anstellungen in Sekretariaten oder sonstigen Verwaltungsstellen, gelten laut der neu erschienenen Erhebung im Vergleich zu anderen Berufen als besonders von KI-Anwendungen bedroht. Ein hohes Potenzial für Automatisierung durch KI bedeutet laut ILO und NASK jedoch nicht zwangsläufig, dass jene Jobs auch sofort wegfallen und von KI übernommen werden.
Studienautoren fordern KI-Weiterbildungen und politische Maßnahmen
Denkbar ist, dass KI-Programme menschliche Tätigkeiten in mancherlei Berufen in Zukunft zwar optimieren, aber dass menschliches Urteilsvermögen und Berufserfahrung trotzdem essenzielle und unersetzbare Faktoren im Berufsalltag bleiben. Dennoch aber kann es Arbeitnehmern besonders gefährdeter Berufsgruppen nicht schaden, das Potenzial langfristig im Blick zu behalten und in die eigene Berufs- und Lebensplanung einzukalkulieren.
Auch raten die an der ILO/NASK-Studie beteiligten Wissenschaftler Unternehmen grundsätzlich, ihren Beschäftigten Weiterbildungen im Umgang mit KI-Anwendnungen anzubieten. Weiter appellieren sie an die Politik, gezielte Maßnahmen wie etwa Umschulungsangebote, Weiterbildungen im technischen Bereich und eine gezielte Gestaltung des digitalen Wandels voranzutreiben. Nur so könne verhindert werden, dass sich bestehende Ungleichheiten weiter verfestigen, schreiben die Studienautorinnen und -autoren. (fh)
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