VonCarolin Gehrmannschließen
Die Corona-Zahlen steigen sprunghaft an. Die vierte Corona-Welle könnte schon bald zur Überlastung der Kliniken führen. Experten schlagen wieder Alarm.
Berlin/Bremen – Die Corona-Lage in Deutschland verschärft sich derzeit wieder. Pünktlich zur kälteren Jahreszeit stecken sich wieder vermehrt Menschen mit dem Coronavirus an – und das macht sich auch in den Krankenhäusern bemerkbar. Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) steht den Kliniken in Deutschland eine schwierige Zeit bevor.
Corona in Deutschland: Die vierte Welle nimmt im Herbst Fahrt auf – Corona-Zahlen steigen
Die vielfach prognostizierte schwere Corona-Welle im Herbst und Winter kommt also zurzeit so richtig ins Rollen. Die steigenden Corona-Zahlen bestätigt der DKG-Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Mittwoch, den 12. Oktober 2022: „Wir haben erhebliche Zuwächse bei den covidpositiven Patienten. Im Vergleich zur Vorwoche ist die Belegung um 50 Prozent gestiegen.“
Corona-Zahlen: Krankenhäuser warnen vor massiven Personalausfällen in diesem Pandemie-Winter
Gaß warnte angesichts dieses Trends, dass Deutschland „flächendeckend“ auf extrem schwierige Wochen zulaufe. Denn die Zahlen seien schon jetzt so hoch wie zu Spitzenzeiten der Corona-Sommerwelle 2022, wie er betont. Mit einem weiteren Anstieg sei im Zuge der sich aufbauenden Herbstwelle zu rechnen. Dies werde seiner Ansicht nach schon bald zu erheblichen Personalausfällen in den Krankenhäusern führen. Mehr coronapositive Patienten bedeuteten allerdings gleichzeitig Mehrarbeit, da ein höherer Infektionsschutz betrieben werden müsse.
Laut Gaß werde ein „verheerender Dreiklang“ aus Personalausfällen durch Corona und andere Atemwegserkrankungen, wirtschaftlichem Druck durch die Inflation und Bürokratie im dritten Pandemie-Winter in Deutschland den Ton angeben. „Alles zusammen wird dazu führen, dass Krankenhäuser Leistungen verschieben und Abteilung zeitweise abmelden müssen.“ Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte vor einer massiven Herbst- und Winterwelle gewarnt, in der zu der Belastung durch das Coronavirus noch viele Erkrankungen mit Influenza hinzukommen.
Überlastete Kliniken durch Personalengpässe – auch Omikron-Impfstoff wird daran nichts ändern
Auch der an die Omikron-Variante des Virus angepasste Impfstoff werde seiner Ansicht nach nicht dazu führen, dass sich die Personalsituation entspannt, da dieser „vor allem vor schweren Verläufen, nicht aber vor einer Infektion“ schützt und somit Personalausfälle nicht verhindere, wie die Tagesschau berichtet.
Die Corona-Herbstwelle hat begonnen, gleichzeitig steigt die Zahl der Intensivpatienten
Die Zahl der coronainfizierten Patienten auf Intensivstationen ging zuletzt ebenfalls deutlich nach oben: Am Dienstag waren es 1660, wie aus dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin hervorgeht. Der Register-Leiter Christian Karagiannidis sagte dem RND, dass „wahrscheinlich etwa 50 Prozent“ der Patienten auch wegen Covid-19 behandelt werden müssten. Der Rest wäre zwar nicht wegen der Infektion auf die Intensivstation gekommen – „trotzdem müssen alle Patienten isoliert werden und die Coronainfektion kann die Prognose der Patienten mit anderen Erkrankungen verschlechtern.“
Hohe Zahl an Neuinfektionen: In manchen Regionen gibt es schon jetzt kaum noch freie Intensivbetten
Laut Karagiannidis drohten auch auf den Intensivstationen massive Personalengpässe – mit drastischen Auswirkungen auf die Versorgungslage. „In einigen Regionen von Bayern, Hessen und in mehreren Städten in NRW haben wir bereits Hotspots, wo es kaum freie Intensivbetten mehr gibt, weil das Personal häufig symptomatisch und auch länger ausfällt“, sagte er. „Darauf müssen wir uns in den kommenden Wochen auch in vielen anderen Teilen Deutschlands einstellen.“
Die aktuellen Corona-Zahlen Deutschland: RKI meldet deutliche Zunahme der Inzidenz
Dass sich das Infektionsgeschehen in Deutschland derzeit wieder drastisch verschärft, zeigen auch die aktuellen Zahlen: Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Neuinfektionen lag laut Robert Koch-Institut (RKI) am 12. Oktober bei 799,9. Am Vortag hatte der Wert der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 787,5 gelegen. In der Vorwoche waren es noch 414,0 gewesen und im September 216,0. Laut Ansicht der Fachleute ist mit weiteren erheblichen Anstiegen in den nächsten Wochen zu rechnen.
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