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Die Corona-Sommerwelle hat ihren Höhepunkt nach Angaben des Robert Koch-Instituts überschritten – als Entwarnung will man das beim RKI nicht verstanden wissen.
Berlin – Die Corona-Sommerwelle, verursacht durch die Omikron-Variante Omikron BA.5, hat die Infektionszahlen in den heißen Tagen hochschnellen lassen. Der erhoffte ruhige Corona-Sommer in Deutschland ist ausgeblieben. Jetzt äußert das Robert Koch-Institut (RKI) die Einschätzung, der Höhepunkt der Corona-Sommerwelle sei überschritten. Gilt nun Entwarnung? Mitnichten. Die aktuelle Einordnung dürfte den Streit über Corona-Regeln in der Politik weiter anheizen.
Deutschland: Corona-Sommerwelle hat laut RKI Höhepunkt überschritten
Deutschlands Corona-Sommerwelle hat ihren Zenit überschritten, das zumindest glauben die Forscherinnen und Forscher des Robert Koch-Instituts (RKI), denn sie beobachten ein Abflachen des Infektionsgeschehens. Die Sieben-Tage-Inzidenz zeigt sich deutlich rückläufig, bundesweit und Altersgruppen-übergreifend. Bereits in der Vorwoche hatte es einen deutlichen Rückgang gegeben, mit Stand vom 12. August 2022 ist die Zahl der Infektionen im Vergleich zur Vorwoche jetzt erneut um 27 Prozent gesunken. Ebenfalls weniger geworden sind Arztbesuche und die Zahl der Infizierten mit akuten Infektionen. Vor allem Omikron BA.5 hatte die Zahlen in die Höhe getrieben.
Das RKI kommt zu dem Schluss, dass „der aktuelle Wellengipfel überschritten zu sein scheint“. Entscheidend hierbei auch: Die Zahl der mit schweren Atemwegsinfektionen in Krankenhäusern eingelieferten Erkrankten ist rückläufig, ebenso wie die Zahl der Patientinnen und Patienten, die auf Intensiv-Versorgung angewiesen sind. Zuletzt war zudem die Zahl der Todesfälle zurückgegangen.
Corona-Sommerwelle 2022: Weiterhin „hohe Zahl an Hospitalisierungen“ erwartet und Diskussion um vierte Impfung
Mit Blick auf die Corona-Sommerwelle 2022 möchte das RKI indes keineswegs Entwarnung geben. Dieser Einschätzung verleiht das Institut Nachdruck: Man rechne weiterhin mit einer „hohen Zahl an Hospitalisierungen, intensivmedizinisch zu betreuenden Covid-19-Patientinnen und -Patienten und Todesfällen, insbesondere in höheren Altersgruppen“, so das RKI. Das Institut mahnt weiterhin zu Vorsicht und betont die Bedeutung von Impfungen. In diesem Kontext investiert nun auch der Bund in die Forschung zu Nasenspray-Impfungen. Teile der Wissenschaft setzen darin große Hoffnungen.
Derzeit diskutiert die Politik über die vierte Impfung, angepasste Omikron-Impfstoffe und den richtigen Zeitpunkt einer Viert-Impfung je Altersgruppe. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der sich kürzlich selbst infizierte, fühlt sich in der Impf-Debatte missverstanden. Er erklärte gegenüber dem ZDF: „Ich habe nie gesagt, dass alle jüngeren Leute sich jetzt impfen lassen sollen. Das ist einfach falsch.“ Der SPD-Politiker ergänzte, für jüngere Menschen könne es „Sinn machen, dass man noch etwas zuwartet“. Kürzlich hatte auch Lauterbach Hoffnungen auf einen angepassten Impfstoff für Omikron BA.5 bis Ende September geäußert.
Auf Corona-Sommerwelle folgt Corona-Herbst: Diskussion um Infektionsschutzgesetz und Corona-Regeln
Die Corona-Sommerwelle läuft aus, der Corona-Herbst droht. Erst kürzlich hatten Karl Lauterbach und Justizminister Marco Buschmann (FDP) daher ein neues Infektionsschutzgesetz ausgehandelt. Das wiederum erfährt viel Kritik – die geplanten Corona-Regeln rufen gemischte Reaktionen aus verschiedenen Richtungen hervor. Die Gesundheitsministerin von Niedersachsen, Daniela Behrens (SPD), hält eine Befreiung frisch Geimpfter von der Maskenpflicht beispielsweise für „verwirrend und nicht klug“.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) geht mit seinen Vorschlägen derweil in eine deutlich andere Richtung. Er sagte der Bild-Zeitung: „Aktuell müssen Infizierte fünf Tage in Isolation, auch ohne Symptome. Mein Vorschlag: Nur noch wer Symptome hat, bleibt zu Hause.“ In der Diskussion um neue Corona-Regeln gibt es extrem divergente Positionen – und das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen zu sein.
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