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Herzinfarkt und Schlaganfälle: Neue Studie zeigt – so gefährlich sind Süßstoffe

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Neue Studien legen nahe, dass man bestimmte Zucker-Ersatzstoffe unbedingt vermeiden sollte. Sie sollen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen.

Cleveland/Ohio – Schlechte Nachrichten für Ernährungsbewusste, die versuchen, wenig Zucker zu sich zu nehmen. Was laut Forschern neben Fleischverzicht lebensverlängernd sein kann: Der weitverbreitete Zuckeraustauschstoff Erythrit oder auch E 968, der zum Süßen von zahllosen zuckerfreien Produkten verwendet wird, steht laut neuen US-amerikanischen Studien nämlich womöglich in engem Zusammenhang mit Blutgerinnung, Schlaganfall, Herzinfarkt und Tod. 

Neue Studien legen nahe, dass man bestimmte Zucker-Ersatzstoffe unbedingt vermeiden sollte. Sie sollen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. (Symbolbild)

Warnung vor Zucker-Ersatz – Süßstoff E 968 soll Herzinfarkt und Schlaganfall begünstigen

„Das Ausmaß des Risikos war nicht gering“, erklärt der Hauptautor der Studie, Dr. Stanley Hazen, Direktor des Zentrums für kardiovaskuläre Diagnostik und Prävention am Cleveland Clinic Lerner Research Institute, berichtet CNN. Menschen mit bestehenden Risikofaktoren für Herzkrankheiten, wie beispielsweise Diabetes, hatten demnach ein doppelt so hohes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, wenn sie hohe Erythritwerte im Blut aufwiesen, so die neue Studie, die Ende Februar in Nature Medicine veröffentlicht wurde.

Studie belegt: Erythrit steht mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung

„Lag der Erythritgehalt im Blut im Bereich der oberen 25 Prozent im Vergleich zu den unteren 25 Prozent, war das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall etwa doppelt so hoch. Das ist gleichzusetzen mit den stärksten kardiovaskulären Risikofaktoren wie Diabetes“, so Hazen. Zuletzt hatten Langzeit-Studien gezeigt, dass auch Corona das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht.

Was ist Erythrit?

Wie Sorbit und Xylit ist Erythrit ein Zuckeralkohol, ein Kohlenhydrat, das natürlicherweise in vielen Obst- und Gemüsesorten vorkommt – und wird in der Regel aus Maisstärke oder Zuckerrohr hergestellt.

Erythrit hat etwa 70 % der Süße von Zucker und gilt nach Ansicht von Experten als kalorienfrei.

Erythrit sieht aus wie Zucker, schmeckt wie Zucker und man kann damit sogar backen.

Das in großen Mengen künstlich hergestellte Erythrit hat keinen anhaltenden Nachgeschmack, verursacht keine Blutzuckerspitzen und wirkt weniger abführend als einige andere Zuckeralkohole.

Erythrit ist aber auch der größte Bestandteil vieler Stevia- und Monkfruit-Süßungsmittel. Da Stevia und Monkfruit etwa 200- bis 400-mal süßer sind als Zucker, wird in jedem Produkt nur eine kleine Menge benötigt. Der Großteil des Produkts besteht aus Erythrit, das für ein zuckerähnliches, kristallines Aussehen sorgt, das die Verbraucher erwarten.

Erythrit wird häufig als Zutat in zuckerfreien Lebensmitteln und Getränken, Kaugummi, Süßigkeiten, Backwaren und Diät-Produkten verwendet.

Der auch als E 968 aufgeführte Zusatzstoff gilt darüber hinaus als Multifunktionszutat der Lebensmittelindustrie – und wird als Geschmacksverstärker, Stabilisator, Feuchthaltemittel, Verdickungsmittel, Füllstoff, Komplexbildner und Trägerstoff eingesetzt.

E 968 steckt auch in Fertigsuppen, Likör und Knabbererzeugnissen.

Entdeckung des Gesundheitsrisikos von Süßstoffen war Zufall

Dabei war die Entdeckung des Zusammenhangs zwischen Erythrit und kardiovaskulären Problemen rein zufällig, so Hazen: „Wir haben das nie erwartet. Wir haben nicht einmal danach gesucht.“ Das Forscherteam aus den USA hatte eigentlich ein anderes Ziel: Chemikalien oder Verbindungen im Blut von Personen zu finden, die ihr Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod in den nächsten drei Jahren vorhersagen könnten.

Zu diesem Zweck begannen die Wissenschaftler, insgesamt 1.157 Blutproben von Menschen mit einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten, die zwischen 2004 und 2011 gesammelt wurden, zu analysieren. „Wir fanden diese Substanz, die eine große Rolle zu spielen schien, aber wir wussten nicht, was sie war“, sagte Hazen. „Dann entdeckten wir, dass es sich um Erythrit handelt, einen Süßstoff.“

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Zucker-Ersatz Erythrit soll Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen

Der menschliche Körper bildet auch selber Erythrit, allerdings in sehr geringen Mengen, die nicht für die gemessenen Werte verantwortlich sein können, so der Forscher. Um die Ergebnisse zu bestätigen, wurden eine weitere Reihe von Blutproben von mehr als 2.100 Menschen aus den Vereinigten Staaten und 833 Proben von Kollegen aus Europa untersucht. Es bestätigte sich, dass höhere Erythritwerte mit einem höheren Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod innerhalb von drei Jahren verbunden waren.

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Künstlicher Süßstoff E 986 lässt das Blut verklumpen

Zusätzliche Labor- und Tierversuche ergaben, dass Erythrit offenbar die Blutplättchen leichter zum Verklumpen bringt. Diese Gerinnsel können sich lösen und zum Herzen wandern, was einen Herzinfarkt auslösen würde – oder zum Gehirn getragen werden, was einen Schlaganfall auslösen könnte.

Gefährliche Süßstoffe: Schon eine Dose Diätcola könnte Gerinnselrisiko erhöhen

Das Forscherteam ließ darum im letzten Teil der Studie acht gesunde Freiwillige ein Getränk trinken, das 30 Gramm Erythrit enthielt. Das ist etwa so viel Süßstoff, wie in einer Dose eines handelsüblichen, kalorienarm gesüßten Getränks steckt und somit von vielen konsumiert wird, die Kalorienfallen in Flüssigform vermeiden wollen. In Bluttests wurden in den folgenden drei Tagen der Erythritgehalt und das Gerinnungsrisiko gemessen.

Das Ergebnis: „Dreißig Gramm reichten aus, um den Erythrit-Spiegel im Blut um das Tausendfache ansteigen zu lassen“, so Hazen gegenüber CNN. „Er blieb über den Schwellenwert erhöht, der notwendig ist, um das Gerinnungsrisiko in den folgenden zwei bis drei Tagen auszulösen und zu erhöhen.“ Selbst bei gesunden Personen reichert sich der Süßstoff also bedenklich im Blut an und überschreitet dabei die Schwelle zur Gerinnselbildung.

Wissenschaftler schlagen Alarm: Auswirkungen müssen unbedingt weiter erforscht werden

Die Wissenschaftler empfehlen, das Süßungsmittel im Auge zu behalten und seine negativen Auswirkungen weiter zu erforschen: „Normalerweise erhebe ich mich nicht auf ein Podest und schlage Alarm“, sagt Studienleiter Hazen dazu, „aber dies ist etwas, das wir meiner Meinung nach sorgfältig prüfen sollten“. In Folgestudien müsse die Wirkung von Erythrit auf gesunde Menschen weiter untersucht werden, um eine mögliche Verzerrung durch Vorerkrankungen auszuschließen. 

Rubriklistenbild: © Imago

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