Bergretter im Akkord unterwegs

Finstere Woche in den Bergen Österreichs: Sieben Tote – vier davon stammten aus Deutschland

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Die Bergretter sind wie hier an der Zugspitze im Dauereinsatz.
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Eine Kette schwerer Unfälle hat sich diese Woche in den österreichischen Bergen abgespielt: Sieben Menschen haben ihr Leben verloren.

Innsbruck – In den Alpen neigt die Sommersaison dem Ende zu. Mit dem Ende der Sommerferien in Bayern und Baden-Württemberg am Wochenende dürfte es auf den Gipfeln bald ruhiger werden. Doch die letzte Woche der Hochsaison hatte es für die Bergretter in Österreich in sich: bei mehreren Einsätzen gab es sieben Tote zu beklagen.

Ein Hubschrauber birgt den Leichnam am Wilden Kaiser.

Am Wilden Kaiser (Tirol) verunglückte am Donnerstag (5. September) eine Bergwanderin (26) aus Kempten (Allgäu) tödlich. Gegen 12.47 Uhr war sie auf dem Gamsangersteig oberhalb von Ellmau unterwegs, als sie auf einem Stein wegrutschte. Dabei verlor sie das Gleichgewicht, stürzte über den Wegrand hinaus, rutschte über steiles Grasgelände ab und stürzte 100 Meter ab. Die Allgäuerin starb noch an der Unfallstelle.

Frau rutscht in Tirol von Stein in den Abgrund und stirbt

In eine brenzlige Situation gerieten auch zwei Kletterer aus Bad Tölz (Oberbayern), die am Kleinen Lafatscher im Wilden Kaiser im Karwendel unterwegs waren. Einer von ihnen, 42 Jahre alt, war gerade im Vorstieg unterwegs, als der ganze Fels, an dem er ging, plötzlich aus der Wand brach. Der Fels hatte ein Volumen von einem Viertel Kubikmeter.

Der Mann stürzte etwa zwölf Meter in die Tiefe. Beim Abfangen durch seinen Kletterpartner (43) schlug der Jüngere mit Gesicht und Oberkörper gegen die Wand und wurde von nachkommenden bis zu kopfgroßen Brocken getroffen. Die beiden konnten sich selber abseilen und die nächste Hütte erreichen. Von dieser wurde der 42-Jährige mit Verletzungen unbestimmten Grades mit der Rettung in die Innsbrucker Klinik gebracht.

Kletterer fällt in Österreich mitsamt Felsen zwölf Meter in die Tiefe

Am Mittwoch (4. September) war ein 65-Jähriger aus Köln in der Eisenauer Klamm bei St. Gilgen (Salzkammergut) vom Weg abgekommen und rund 150 Meter abgestürzt. Er war sofort tot. Am selben Tag kletterte eine 31-Jährige aus Baden-Württemberg mit ihrem Mann den Postalm-Klettersteig nahe des Wolfgangsees. In einer Seehöhe von 920 m stürzte die Frau aus ungeklärter Ursache über steiles, felsdurchsetztes Gelände rund 100 Meter in den Rußbach ab und erlitt tödliche Verletzungen.

In der Schnanner Klamm bei Landeck (Tirol) wurde am Dienstag (3. September) ein Rentner (77) aus Neu-Ulm tot entdeckt. Angehörige hatten ihn als vermisst gemeldet. Der Rentner hatte eine mehrtägige Tour durch die Lechtaler Alpen unternommen und war am Montag nicht zum verabredeten Termin an einem Bahnhof in Bayern erschienen. Ein niederländischer E-Bike-Fahrer (63) verunglückte am Dienstag auf einem Güterweg im Verwalltal tödlich. Bei Kals am Großglockner stürzte ein Österreicher (48) bei einer Bergtour vom Lucknerhaus zu Stüdlhütte 15 Meter tief und starb.

Vier Österreicher rutschen in Südtirol von Eisfeld in die Tiefe - Rekorde bei der Bergrettung

Mehr Glück hatten vier Österreicher, die am Mittwochvormittag am Ortler in Südtirol auf einem Eisfeld ausgerutscht und mehr als 50 Meter abgestürzt sind. Die Alpinisten stürzten in felsiges Gelände, zwei von ihnen wurden schwer verletzt. Per Hubschrauber wurden die beiden ins Bozener Krankenhaus geflogen. Ihre Kameraden wurden leicht verletzt. Am Gipfels des Traunstein (Oberösterreich) starb am Sonntag ein Priester beim Abstieg von einer Bergmesse, die er zuvor zelebriert hatte.

Im August 2024 wurden von der Tiroler Bergrettung 602 Einsätze verzeichnet, mehr als jemals zuvor in ihren Aufzeichnungen. 45,5 Prozent der Einsätze geschahen bei Wanderungen, 15,6 Prozent beim Mountainbiken, 7,2 Prozent beim Klettern. 27 Prozent der Einsätze waren auf Stürze zurückzuführen, 11,3 Prozent auf Ausrutschen, 10.4 Prozent waren medizinische Notfälle.

In den bayerischen Alpen waren bis Ende August bereits 35 Bergtote gezählt worden. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres verloren 21 Menschen in den bayerischen Alpen ihr Leben – im gesamten Jahr 2023 waren es 41. Ein Großteil der tödlichen Unfälle beim Ski- und Bergsport ereignete sich in diesem Jahr in der Zugspitzregion, wo bereits sechs Menschen ihr Leben ließen. Der Klimawandel verschärfe die Situation, hieß es bei einer Rettungsübung in Oberaudorf (Kreis Rosenheim).

Im italienischen Südtirol hatte man Anfang August bereits 840 Einsätze in der Sommersaison gezählt. Im selben Zeitraum des vergangenen Jahres waren es „nur“ 770. „2024 könnte ein Rekordjahr werden“, sage Thomas Mair, technischer Ausbildungsleiter des Bergrettungsdienstes im Südtiroler Alpenverein (AVS), zu stol.it. Dabei habe die Saison wegen des schlechten Wetters dieses Jahr relativ spät begonnen. Auch in Südtirol waren dieses Jahr bereits Tote zu beklagen.

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