„So ärgerlich und peinlich“

Schummel-Beitrag zu Penny-Aktion: „Tagesschau“ befragt eigene Mitarbeiterin – Chefredakteur reagiert

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Der WDR befragte in einem Penny-Beitrag für die „Tagesschau“ ihre eigene Mitarbeiterin. Nun äußert sich der Chefredakteur und klärt den Fehler auf.

Hamburg – Ein „Tagesschau“-Beitrag vom Montag (31. Juli) wird scharf diskutiert. Berichtet wurde über eine Preisaktion von Penny, bei der ausgewählte Produkte für ihren „wahren Preis“ verkauft wurden. Die Produkte wurden bis zu 94 Prozent teuer, da Umweltkosten mit einberechnet wurden. Für Aufregung sorgte jedoch eine WDR-Mitarbeiterin, die in dem Beitrag als Kundin dargestellt wurde. Kritisiert wird der Beitrag auch von CDU-Politikern. Doch auch der WDR-Chefredakteur meldete sich zu Wort. Der WDR hatte den Beitrag für die Tagesschau produziert.

„Tagesschau“ befragt Mitarbeiterin in Penny-Beitrag: WDR-Chefredakteur reagiert

Auf den Fauxpas des WDR ist die Bildzeitung aufmerksam geworden. Diese deckte auf, dass es sich bei der Kundin eigentlich um die WDR5-Mitarbeiterin Hannah Mertens handelte. Diese habe vor der Kamera über die Penny-Aktion gesprochen. Als Reaktion wurde die Sequenz aus dem Beitrag entfernt. Unter der „Tagesschau“ vom 31. Juli steht der Korrekturhinweis, dass in der ursprünglichen Version eine O-Ton-Geberin gezeigt wurde, die für den WDR arbeitet.

„Die mit ihr gezeigte Sequenz hätte so nicht gesendet werden dürfen. Kolleginnen oder Kollegen zu interviewen entspricht nicht unseren journalistischen Standards“, hieß es in der Korrektur weiter. Zu der Diskussion äußerte sich auch der WDR-Chefredakteur Stefan Brandenburg. „So banal, so ärgerlich und peinlich für uns“, schrieb er auf Twitter. „Hätte der Reporter verstanden, dass er eine Kollegin vor sich hat, hätte er ihre kurze und spontane Reaktion niemals in den Beitrag aufgenommen. Ich bitte darum, das zu respektieren. Fehler passieren, zumal unter Zeitdruck in der aktuellen Berichterstattung“, ergänzte er.

Ein „Tagesschau“-Beitrag vom WDR zu der Penny-Aktion „wahre Preise“ steht in der Kritik. Eine befragte Kundin arbeitet selbst beim öffentlich-rechtlichem Rundfunk.

„Tagesschau“-Beitrag zur Penny-Aktion: WDR-Mitarbeiterin nur zufällig im Geschäft

Laut „Tagesschau“ soll sich die WDR-Mitarbeiterin zufällig als Kundin in der Filiale aufgehalten haben. Dies schilderte auch Brandenburg auf Twitter. Laut ihm soll sich die Mitarbeiterin nach ihrer Frühschicht in dem Discounter aufgehalten haben, als sie auf die Umfrage angesprochen wurde. „Ich komme gerade vom WDR-Radio“, soll die Frau dem Reporter gesagt haben. Dieser soll laut den Schilderungen Brandenburgs aufgrund der Nebengeräusche im Supermarkt „ich habe es im WDR Radio mitgekriegt“ verstanden haben.

Auf den Fehler des WDR reagierten auch einige CDU-Politiker. „Der WDR erweist dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk somit einen Bärendienst, wo Kritiker zu Gegnern werden. Wenn die Anstalten hier nicht massiv gegensteuern und klar zwischen Ideologie und Journalismus trennen, sehe ich schwarz für den ÖRR“, sagte Serap Güler der Bild. „Das spricht Bände über den Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland“, erklärte Johannes Steiniger der Zeitung. Der bayerische Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger hält wiederum nicht viel von der Penny-Aktion. (vk)

Rubriklistenbild: © Montage: Michael Gstettenbauer/Imago/Oliver Berg/dpa

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