VonAndreas Knoblochschließen
Die Vogelgrippe-H5N1 hat die Galapagos-Inseln erreicht, auch wegen El Nino. Die einzigartige Tierwelt ist in Gefahr und die Experten sind alarmiert.
Galapagos-Archipel - Das abgelegene Galapagos-Archipel im Pazifik diente Charles Darwin als Forschungsstätte. Dort beheimatete einzigartige Tierarten sind nun bedroht, trotz der Tausenden Kilometer Wasser, die sie vom Festland trennen. Selbst diese Distanz bietet keinen Schutz vor dem H5N1-Virus, auch als Vogelgrippe bekannt.
Sind einzigartige Tierarten durch Vogelgrippe und El Nino vom Aussterben bedroht?
Im Mai berichtete tz.de über die Blaufußtölpel, deren auffällige Fußfarbe Weibchen anzieht. Tölpel sind nun vom Virus betroffen, bei drei Vögeln wurde es nachgewiesen. Die blaufüßigen Tiere scheinen bisher glimpflich davongekommen zu sein, ihre rotfüßigen Geschwister - die Rotfußtölpel - jedoch nicht. Sie ernähren sich von wenigen Fischarten, die aufgrund der hohen Wassertemperaturen durch das El-Niño-Phänomen derzeit nur in weit entfernten Gebieten vorkommen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Tiere auf der Suche nach Nahrung weit von den Galápagos-Inseln entfernen und sich dort bei Zugvögeln angesteckt haben“, äußerte der Direktor des Nationalparks Galápagos, Danny Rueda, in einem Radiointerview, laut der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist eine sehr gefährliche Situation, nicht nur für die Meeresvögel, sondern auf für die Seelöwen“, ergänzte Rueda.
Die Galápagos-Inseln, die zu Ecuador gehören und etwa 1000 Kilometer westlich der südamerikanischen Küste im Pazifik liegen, sind seit 1978 aufgrund ihrer einzigartigen Flora und Fauna Unesco-Weltnaturerbe. Zu den endemischen Arten, die ausschließlich dort vorkommen, gehören Meerechsen, Landleguane und Darwin-Finken. 1835 besuchte Charles Darwin die Inseln und zeigte großes Interesse an ihren Vögeln.
Aktuell erleben wir die größte dokumentierte Vogelgrippe-Epidemie, die sich über mehrere Kontinente erstreckt. Der Erreger infiziert hauptsächlich Vögel, wurde aber auch bei verschiedenen Säugetieren wie Waschbären, Füchsen und Mardern nachgewiesen. In Südamerika sind bereits Tausende Robben und Seelöwen dem Virus erlegen.
El Niño kurz erklärt
Temperaturschwankungen im zentralen und östlichen Pazifik am Äquator, die mit Schwankungen und Veränderungen in der Atmosphäre einhergehen. El Niño beschreibt die Erwärmung des Oberflächenwassers vor der Küste Südamerikas.
Wegen El Nino regnet es in Ostaustralien, Indonesien, auf den Philippinen, in Indien, Südafrika, aber auch im Norden Brasiliens weniger als üblich. Im Westen Südamerikas, in Teilen Afrikas und in Teilen der USA regnet es hingegen weitaus mehr als normalerweise. In Europa hat El Niño hingegen meist eisige Temperaturen zur Folge.
Experte zeigt sich besorgt: „Größte Gefahr für Populationen, die es nur dort gibt und die nicht sehr groß sind“
Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Die größte Gefahr besteht wahrscheinlich für Populationen, die es nur dort gibt und die nicht sehr groß sind“. Nach bisherigen Erkenntnissen seien vor allem Wasservögel und Arten, die mit diesen in Kontakt kommen, gefährdet. Singvögel seien hingegen weniger betroffen. Darwinfinken schließt Beer aus: „Die, würde ich zumindest sagen, gehören jetzt nicht in die Gruppe, die an vorderster Front gefährdet ist“, so Beer.
Die Fachzeitschrift „Science“ zitiert den Virologen Thijs Kuike von der Erasmus-Universität Rotterdam, dass Krankheiten selten Ursachen für das Aussterben von Arten sind, jedoch kleine Populationen durch Krankheitserreger an den Rand des Aussterbens bringen können. Dies gilt insbesondere für Tiere wie die Galapagos-Lavamöve, die nur an einem Ort vorkommt. Sie gilt mit nur 300 Brutpaaren als seltenste Möwe der Welt. Ein tragisches Schicksal ereilte auch den Humboldt-Pinguin in Südamerika. Viele seiner Art starben durch die Vogelgrippe - er ist verwandt mit dem Galapagos-Pinguin, der ausschließlich auf den Inseln vorkommt.
„Alle schauen auch auf die Antarktis“: Vogelgrippe nicht nur auf den Galapagos Inseln ein Problem
Um eine weitere Ausbreitung der Vogelgrippe im Galápagos-Archipel zu verhindern, haben die lokalen Behörden sechs Touristenorte geschlossen. Reiseveranstalter wurden zudem aufgefordert, die Schuhe und Kleidung ihrer Gäste regelmäßig zu desinfizieren. „Mehr als generelle Biosicherheitsmaßnahmen und regionale Zugangskontrollen kann man eigentlich nicht machen, weil das Virus durch Wildvögel übertragen wird“, erklärte der Greifswalder Experte Beer. „Die kann man nicht in ihrer Wanderungsbewegung und den Kontakten einschränken.“
Besonders beunruhigt ihn aktuell die Möglichkeit, dass das Virus auf die Antarktis überspringen könnte. „Dort gibt es bis zu 100 Millionen Seevögel, die da ihre Brutgebiete haben“, warnte er. Eine Ausbreitung des hochpathogenen H5N1-Virus könnte dort einen noch größeren Einfluss auf die Vogelwelt haben als beispielsweise auf den Galápagos-Inseln. „Und deswegen schauen alle im Moment auch auf die Antarktis.“ (ank)
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