Appell an alle Länder der Welt

Berüchtigtes Wetter-Phänomen „El Niño“ ist zurück – Forscher fürchten dramatische Folgen

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Der Start eines El Niño erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Temperaturrekorde gebrochen werden. Die Weltwetterorganisation (WMO) ruft zu Schutzmaßnahmen auf.

München – Das gefürchtete Wetterphänomen El Niño ist zurück. Wie die WMO am Dienstag (4. Juli) in Genf mitteilte, herrschen im tropischen Pazifik erstmals seit 2016 wieder El-Niño-Bedingungen. Folglich könnte dies das Wetter- und Klimamuster in verschiedenen Teilen der Welt beeinflussen.

Bereits 2020 drohten dramatische Folgen bei El Niño. Die Los Angeles Times berichtet sogar, dass der Montag (3. Juli) der heißeste auf der Erde aufgezeichnete Tag gewesen sein könnte. Dieser Rekord wurde am Dienstag allerdings inoffiziell gebrochen und die Temperaturen blieben auch am Mittwoch hoch.

Medienberichten zufolge werden weite Teile Chinas und anderer Länder des asiatisch-pazifischen Raums von einer drückenden Hitzwelle heimgesucht, die bereits seit mehr als einer Woche anhält. Der Osten Kanadas wird unterdessen von einer brütenden Hitzewelle und Waldbränden befallen, die mehr als 20 Millionen Hektar Land verbrannt und Teile des Mittleren Westens und der Ostküste in Rauch gehüllt haben.

Neue Hitzewelle erwartet: WMO-Chef ruft zu Vorkehrungen und Schutzmaßnahmen auf

Auch in den USA sind die Temperaturen in die Höhe geschossen. In Tampa, Florida, war dieser vierte Juli der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen - mit Temperaturen über 40 Grad, wie der Nationale Wetterdienst mitteilte. Tödliche Hitzewellen, die durch den Klimawandel angeheizt werden, treten in Teilen der USA immer häufiger auf, berichtet die Los Angeles Times weiter.

Wi stark El Niño ausfallen wird, lässt sich laut WMO noch nicht sagen

Laut WMO sei im zentral-östlichen äquatorialen Pazifik die monatliche Durchschnittstemperatur von 0,44 Grad unter dem langjährigen Mittel im Februar bis Mitte Juni auf 0,9 Grad über dem Mittel gestiegen. Daher bestehe der WMO zufolge eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass das Wetterphänomen die zweite Jahreshälfte bestimmen wird. Die Folge: Dürren, mehr Überschwemmungen und mehr Hitze. Wie stark El Niño diesmal ausfällt, lasse sich aber noch nicht sagen, so die WMO. Es wird mit einer zumindest mäßigen Stärke gerechnet. Das WMO-Update vereint Prognosen und Expertenratschläge aus der ganzen Welt.

El Niño tritt im Durchschnitt alle zwei bis sieben Jahre auf und die Episoden dauern typischerweise neun bis zwölf Monate. Dabei handelt es sich laut WMO um ein natürlich vorkommendes Klimamuster, das mit der Erwärmung der Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen tropischen Pazifik einhergeht, aber im Kontext eines durch menschliche Aktivitäten veränderten Klimas stattfindet.

„Der Ausbruch von El Niño wird die Wahrscheinlichkeit, dass Temperaturrekorde gebrochen werden und in vielen Teilen der Welt und im Ozean weitere extreme Hitze auslösen, erheblich erhöhen“, sagte WMO-Generalsekretär Prof. Petteri Taalas. „Die Ausrufung eines El Niño durch die WMO ist das Signal an Regierungen auf der ganzen Welt, Vorbereitungen zu treffen, um die Auswirkungen auf unsere Gesundheit, unsere Ökosysteme und unsere Wirtschaft zu begrenzen“, fügte Taalas hinzu. „Frühwarnungen und vorausschauendes Handeln bei extremen Wetterereignissen im Zusammenhang mit diesem großen Klimaphänomen sind von entscheidender Bedeutung, um Leben und Lebensgrundlagen zu retten“.

WMO-Direktor der Klimadienste: „Wir bewegen uns noch nicht in die richtige Richtung“

Im Hinblick auf den Start von El Niño prognostizierte ein im Mai veröffentlichter WMO-Bericht, dass die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eines der nächsten fünf Jahre das wärmste Wetter aller Zeiten sein wird, bei 98 Prozent liegt und damit den Rekord von 2016 übertreffen würde.

In dem WMO-Bericht, der vom britischen Met Office mit Partnern auf der ganzen Welt erstellt wurde, heißt es außerdem, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die jährliche durchschnittliche oberflächennahe globale Temperatur zwischen 2023 und 2027 vorübergehend mehr als 1,5 °C über der vorläufigen Temperatur liegen wird, bei rund 66 Prozent liegt. „Das soll nicht heißen, dass wir in den nächsten fünf Jahren den im Pariser Abkommen festgelegten Wert von 1,5 °C überschreiten würden. Denn dieses Abkommen bezieht sich auf eine langfristige Erwärmung über viele Jahre hinweg. Es ist jedoch ein weiterer Weckruf oder eine frühe Warnung, dass wir uns noch nicht in die richtige Richtung bewegen, um die Erwärmung auf die 2015 in Paris gesetzten Ziele zu begrenzen“, so WMO-Direktor der Klimadienste Prof. Chris Hewitt. (Vivian Werg)

WMO-Forscher fürchtet weiteres Klima-Problem

Für Michael Sparrow, Leiter der Klimaforschung bei der WMO, ist allerdings nicht El Niño alleine besorgniserregend. Die hohe Ozeantemperatur und der dramatische Rückgang der Meereis-Ausdehnung in der Antarktis seien zutiefst beunruhigend, sagte er.

Zwar sei bekannt, dass die Pazifiktemperatur mit dem Wetterphänomen El Niño steigt, das sich zurzeit wieder aufbaut. Klar sei auch, dass dies gewisse Auswirkungen auf andere Meere hat, weil die Ozeane alle verbunden sind. „Aber die extremen Temperaturen im Nordatlantik im Moment scheinen nicht mit dem El Niño in Verbindung zu stehen, nicht direkt“, sagte er. „Wir versuchen noch zu verstehen, warum wir eine solche extreme Erwärmung im Nordatlantik erleben.“

Die Meereis-Ausdehnung in der Antarktis lag den Angaben zufolge im Juni so niedrig wie nie zuvor in diesem Monat seit Beginn der Satellitenüberwachung Ende der 70er Jahre. Sie lag im Juni 17 Prozent unter dem langfristigen Mittel.

Rubriklistenbild: © Screenshot/ Twitter @WMO

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