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Nach dem Kauf will Elon Musk Twitter selbst führen, bisherige Chefs müssen gehen. Was hat er vor? Verifizierte Accounts könnten kostenpflichtig werden.
Update 31. Oktober, 09:38 Uhr: Der neue Twitter-Chef Elon Musk plant offensichtlich, verifizierte Twitter-Accounts mit dem blauen Haken in Zukunft kostenpflichtig zu machen. US-amerikanische Technologieblogs hatten berichtet, dass Musk die Profile künftig über ein Abomodell zugänglich machen möchte. Laut FAZ könnte eine Gebühr von 4,99 Dollar anfallen. Besorgniserregend: Unmittelbar nach Musks Twitter-Übernahme war es zu einem massiven Rassismus-Peak auf der Plattform gekommen. Viele Beobachter befürchten, dies könnte die Zukunft von Twitter unter der Führung des Milliardärs sein.
Twitter: Elon Musk führt die Plattform selber – werden verifizierte Accounts kostenpflichtig?
San Francisco – Noch bevor der Abschluss von Elon Musks Twitter-Kauf offiziell verkündet ist, soll der neue Chef die bisherige Führungsriege teilweise gefeuert haben. Nun will er zumindest vorerst selbst übernehmen, Kritiker, die ihm im Zuge des Kaufs Größenwahn nachsagen, dürften sich bestätigt sehen. Musks Einstieg könnte zu einem deutlichen Anstieg von Hassrede auf der Plattform führen.
Während der reichste Mann der Welt an der Firmenzentrale mit einem skurrilen Auftritt für Aufsehen sorgt und hehre Motive für den Kauf anführt, kehren in Deutschland immer mehr Persönlichkeiten aus der Politik dem Portal entnervt den Rücken.
Elon Musks Twitter-Pläne: Größenwahn? Musk feuert Chefriege feuern und will selbst übernehmen
Elon Musks Twitter-Pläne sorgen für Wirbel: Noch bevor der Kauf-Abschluss offiziell verkündet ist, gibt es Berichte, der neue Twitter-Chef habe bereits Teile der Führungsriege entlassen. Sein Plan: Selbst übernehmen. Der Finanzdienst Bloomberg berichtet, auf längere Sicht sei Musk jedoch bereit, die Position abzugeben. Doch was hat der neue Chef mit dem Unternehmen vor? Berichten zufolge will er unter anderem lebenslange Sperren von Nutzern abschaffen, wie sie zuvor etwa gegen Donald Trump verhängt wurden. Trump war nach lobenden Äußerungen über die Kapitol-Erstürmung gesperrt worden. Kommt er jetzt zurück?
Während Musk sich im Kampf für Meinungsfreiheit wähnt, warnen Kritiker er könne Hassrede Tür und Tor öffnen. Unter den entlassenen Top-Funktionären von Twitter ist laut dpa-Informationen auch Vijaya Gadde. Gadde war bisher für den Kampf gegen Hassrede und falsche Informationen zuständig. Die Sperrung von Donald Trump, bekannt für Hassrede und Desinformation, hatte Musk seinerseits einst als „moralisch falsch und einfach nur dumm“ bezeichnet. Klar ist: Musk will die Grenzen des Sagbaren verschieben und Inhalte lockerer moderieren lassen. Darüber hinaus plant der reichste Mann der Welt zahlreiche Entlassungen. Sein Einstieg könnte besonders rechte Hassredner begünstigen.
Immer mehr Politiker wollen Twitter-Konto löschen: Erst Kühnert, dann Esken
Derweil wollen in Deutschland immer mehr Politiker ihr Twitter-Konto löschen. Nachdem zuvor bereits Kevin Kühnert (SPD) der Plattform den Rücken gekehrt hatte, verlässt nun auch SPD-Chefin Saskia Esken das Portal. In ihrer Begründung verwies Esken auf einen eigenen Gastbeitrag in der Zeit. Dort hatte sie unter anderem geschrieben: „Hass und Hetze bedrohen den gesellschaftlichen Zusammenhalt, Kampagnen zur Desinformation und Manipulation der öffentlichen Meinung gefährden unsere Demokratie.“ Eine mögliche Rückkehr von Donald Trump auf Twitter dürfte sie in ihrem Weggang bestätigen.
Esken kritisierte zudem, dass gegen „Beleidigung oder Volksverhetzung ausgesprochen nachlässig“ vorgegangen werden, während das Unternehmen „nicht von unrechtmäßigen Twitter-Sperren“ absehen würde. In Richtung des neuen Besitzers Musk sagte Esken, dieser würde Twitter „ganz sicher nicht zu einem gemeinnützigen Unternehmen machen“. Musk hingegen generiert sich als Heiland: Er hatte zuletzt erklärt, er habe Twitter nicht aus finanziellen Gründen gekauft, sondern „tat es, um der Menschheit zu helfen, die ich liebe“. Kevin Kühnert begründete seine Abkehr von Twitter damit, dass das Portal seine Wahrnehmung der Wirklichkeit verzerren würde. Der SPD-Generalsekretär hält eine Rückkehr dennoch für wahrscheinlich.
„Let that sink in“: Elon Musks skurriler Auftritt in der Twitter-Zentrale
Erst kürzlich hatte Elon Musk mit einem skurrilen Auftritt an der Twitter-Zentrale in San-Francisco für Aufsehen gesorgt. Musk hatte getwittert „Betrete Twitter-Zentrale – lasst das auf euch wirken“. Im Englischen lautete die Formulierung dazu im Wortlaut „Entering Twitter HQ – let that sink in“. Darunter postete der designierte Twitter-Besitzer ein Video von sich, in dem er mit einem Waschbecken die Firmenzentrale betritt.
Das Wortspiel: Im Englischen ist die Übersetzung für Waschbecken „sink“. „Let that sink in“ kann also sowohl heißen, „lasst das auf euch wirken“ als auch „lasst das Waschbecken rein“. Mit seinem Post dürfte sich Musk auf das lange Hin und Her rund um seine Twitter-Übernahme bezogen haben.
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