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Elon Musks Twitter-Kauf lässt Sorgen vor einem Anstieg der Hassrede im Internet steigen. Nicht zu Unrecht, wie Auswertungen des Tags nach der Übernahme zeigen.
San Francisco – Der Kauf von Twitter durch Elon Musk wirft nicht nur Fragen nach möglichem Größenwahn des reichsten Mannes der Erden auf, sondern auch nach der Zukunft des Netzwerks: Kritiker befürchten, Musks Führung könnte zu einem deutlichen Anstieg der Hassrede auf Twitter führen.
Nach Kaufabschluss explodierte die Zahl rassistischer Kurznachrichten auf Twitter, rechte Memes und rassistische Posts fluteten das Netz. Die Verwendung des „N-Wortes“ soll auf Twitter in den Stunden nach der Übernahme durch Musk um fast 500 Prozent gestiegen sein, Beobachter sind alarmiert.
Nach Elon Musks-Twitter Kauf explodiert die Zahl rassistischer Kurznachrichten auf Twitter
Die Stunden nach Elon Musks Twitter-Kauf geben einen Vorgeschmack, in welche Richtung sich das Netzwerk bei gelockerter Moderation – wie von Musk geplant – entwickeln könnte. Innerhalb von zwölf Stunden nach Finalisierung des Deals registrierte das Network Contagion Research Institute (NCRI) einen Anstieg bei der Verwendung des „N-Wortes“ auf Twitter um fast 500 Prozent. Die Organisation wertete ihrerseits hunderte Millionen Nachrichten in Sozialen Netzwerken aus. Rassistische Beleidigungen und Nazi-Memes fluteten die Plattform in den Stunden nach der Twitter-Übernahme, so die Washington Post.
Beobachter zeigen sich entsetzt und fordern schnelles Handeln, unter ihnen auch der Basketball-Star LeBron James. Er schrieb in Bezug auf die Nachrichten über den Anstieg menschenfeindlicher sprich rassistischer und anderweitig diskriminierender Inhalte: „Ich kenne Elon Musk nicht und, ehrlich gesagt, ist es mir auch egal, wem Twitter gehört“, so James. Der NBA-Profi weiter: „Aber ich werde sagen, dass, wenn dies wahr ist, ich hoffe, er und seine Leute nehmen dies sehr ernst, weil dies ist beängstigend AF.“
An einem entschlossenen Vorgehen Musks gegen derartige Inhalte gibt es mehr als berechtigte Zweifel. In Deutschland hatten zuletzt sowohl Saskia Esken (SPD) als auch Kevin Kühnert (ebenfalls SPD) das Netzwerk verlassen.
Elon Musk und Twitter: „So viele verdammt unfähige Leute, die behaupten, Hassrede wäre Meinungsfreiheit“
Elon Musks Pläne zum Umbau von Twitter stimmen Beobachter sorgenvoll: Der Milliardär generiert sich gerne als Vorkämpfer der Meinungsfreiheit, befürchtet wird jedoch, dass Musk bei Twitter schlicht und ergreifend Hassrede nicht entschlossen bekämpfen wird. Zuletzt hatte er unter anderem Vijaya Gadde entlassen. Gadde war bis dato zuständig für den Kampf gegen Hassrede und falsche Informationen. Auch James betonte, Hassrede habe nichts mit Meinungsfreiheit zu tun: „So viele verdammt unfähige Leute, die behaupten, Hassrede wäre Meinungsfreiheit“, so der Basketballer auf Twitter.
Musk verkündete zuvor unter anderem, er wolle lebenslange Sperren abschaffen und „lockerer“ moderieren lassen. Nun will er ein Gremium zum Umgang mit diskriminierenden Inhalten einsetzen, bis dahin soll es keine großen Entscheidungen zur Inhaltspolitik geben, so Musk. Doch ein weniger strenges Vorgehen scheint vorgezeichnet. Der EU-Kommissar für den Binnenmarkt, Thierry Breton, warnte den neuen Twitter-Chef: „In Europa wird der Vogel nach unseren Regeln fliegen“. Damit spielte Breton wohl auf Musks kürzlichen „Der Vogel ist frei“-Tweet zu seinem Kauf an. Die Sorge vor einem Anstieg der Hassrede auf Twitter ist groß. Wie sich zeigt: aus gutem Grund.
Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

