„Emotional eine Herausforderung“: Mitarbeiter sitzen in Alpen-Hotel fest – von der Außenwelt abgeschnitten
VonYannick Hanke
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Ein ganzes Dorf in der Schweiz droht unter einem Felssturz begraben zu werden. Ein Alpen-Hotel ist bereits von der Außenwelt abgeschnitten. Wie geht es weiter?
Blatten am Wallis, Schweiz – Die Hiobsbotschaften aus dem 300-Seelen-Dorf Blatten im Wallis nehmen kein Ende. Der kleinen Gemeinde in der Schweiz droht, infolge eines Felssturzes begraben zu werden. Deswegen wurde Blatten bereits evakuiert. Wie nun bekannt wurde, ist ein Alpen-Hotel durch die Geröll-Lawine von der Außenwelt abgeschnitten worden.
Zwar wurde das Gasthaus in sonst malerischer Kulisse nicht verschüttet – doch sitzen hier seitdem zehn Mitarbeiter fest.
Alpen-Dorf Blatten am Wallis wegen Bergsturz-Gefahr evakuiert – Hotel-Mitarbeiter sitzen fest
Wie diverse Medien in der Schweiz, darunter Blick, berichten, hat sich die Bewegung am Berg zuletzt verdoppelt. Bedeutet: Am Birchgletscher im Lötschental soll es extreme Kippbewegungen gegeben haben. Mehrere Risse hätten sich im vorderen Bereich des Gletschers gebildet. Gemäß der kantonalen Dienststelle Naturgefahren drohe dieser abzubrechen.
Durch einen Erdrutsch am Bietschhorn bei Blatten am Wallis in der Schweiz musste das kleine Örtchen evakuiert werden. Die Mitarbeiter des „Fafleralp“-Hotels sitzen derweil fest.
Der Gletscher bewege sich um zweieinhalb bis dreieinhalb Meter pro Tag in Richtung Tal, ließ Alban Brigger von der Walliser Dienststelle Naturgefahren gegenüber Blick verlauten. Teile des Gletschers könnten in den nächsten Stunden und Tagen abbrechen, im Extremfall lawinenartig ins Tal stürzen.
„Fühlt sich eingesperrt“: Angestellte vom „Fafleralp“-Hotel eingeschlossen – Zufahrtswege nicht passierbar
Das Hotel wirbt mit seinen prominenten Gästen, hier soll bereits Kult-Comedian Charlie Chaplin Urlaub gemacht und Altkanzler Gerhard Schröder bei einem Staatsbesuch vorbeigeschaut haben. Immerhin: Der Felssturz betrifft das Hotel nicht. „Uns geht es gut, es fehlt uns an nichts – aber emotional ist es eine Herausforderung“, heißt es von Hotelchefin Barbara Achrainer gegenüber dem Schweizer Medium 20 Minuten.
Eigentlich hätte am Wochenende (24./25. Mai) die Sommersaison beginnen sollen. Das wurde logischerweise verschoben. „Je länger es dauert, desto mühsamer wird es. Die Gefahr bleibt bestehen, doch es passiert nichts – man fühlt sich langsam eingesperrt“, sagt Achrainer. Mittlerweile gebe es auch Lieferschwierigkeiten ins Hotel.
„Wir würden zum Beispiel gerne unsere hausgemachten Spezialitäten vorbereiten. Zeit hätten wir genug, aber uns fehlen die Zutaten“, so die Hotelchefin. Deswegen wünscht sie sich, „dass jetzt endlich herunterkommt, was naturgemäß heruntermuss“. Wie aber geht es mit dem Dorf, dem Felssturz und dem von der Außenwelt abgeschnitten Hotel weiter?
„Natur schreibt vor, wann“: Blatten-Gemeinderat plant Rückkehr ins Dorf – Gletscherbewegung gibt Zeitpunkt vor
Im Rahmen einer Pressekonferenz informierten die Behörden am Sonntag, 25. Mai, über die gegenwärtige Lage. Es komme immer wieder zu Abbrüchen von Fels am Kleinen Nesthorn, viel von dem Material lande auf dem Birchgletscher. Mittlerweile liegen gemäß den Behörden rund neun Millionen Tonnen Material auf dem Gletscher, was zu einem ungeheuren Druck führe. Darin liegt, wie eingangs erwähnt, die große Gefahr. Gemeint ist, wenn Gestein und Gletscher wie eine große Lawine ins Tal fließen sollten und Teile des Dorfs verschütten.
Bergstürze, Erdbeben, Lawinen: Die größten Naturkatastrophen der Alpen
„Dass zumindest ein Teil von Blatten verschüttet wird, ist nach wie vor nicht auszuschließen“, heißt es von der Dienststelle Naturgefahren des Kantons. Doch wurde auch ein Best-Case-Szenario skizziert: Möglich sei, dass der Berg nur in kleinen Teilen abbreche und der Gletscher sich dann langsam gen Tal bewege. Auf eine exponentielle Beschleunigung vom Birchgletscher würde aktuell nichts hindeuten. Gewährleistet ist aber auch das nicht.
Nun würden die Behörden ihre Überwachung weiter ausbauen und weitere Szenarien erarbeiten. Wann die Evakuierung von Blatten am Wallis aufgehoben werden kann, das ist noch völlig unklar. „Wir werden in unser Dorf zurückkehren. Doch die Natur schreibt vor, wann“, so Matthias Bellwald gegenüber 20 Minuten. Der Gemeinderat dankte der Bevölkerung des kleinen Örtchens für ihre Geduld. Das gilt wohl auch für die Mitarbeiter vom „Fafleralp“-Hotel, die noch immer festsitzen. In Ungewissheit darüber, wann und wie es weitergehen soll. (han)