Nur ein Vorbeben?

Erdbeben in Urlaubsregion: Felsstürze und Angst vor Katastrophe auf Griechenland-Insel

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Die griechische Insel Lesbos (im Hintergrund) wurde von einem Erdbeben erschüttert.
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Ein Erdstoß hat Lesbos vor Griechenland in Aufruhr versetzt. Felsen blockieren Verkehrswege. Experten zufolge könnte dies nur ein Vorläufer gewesen sein.

Mytilini – Die griechische Insel Lesbos in der nördlichen Ägäis, nur 15 Kilometer von der türkischen Küste entfernt, ist ein Paradies par excellence für Urlaub in Griechenland. Die quirlige Inselhauptstadt Mytilini mit ihren pastellfarbenen Häusern und kleinen Fischerbooten im Hafen lädt zum Bummeln ein, Sand- und Felsstrände mit türkisblauem Wasser locken zum Baden, mehrere byzantinische Kathedralen zeugen von einer lebhaften Vergangenheit. Doch das Urlaubsidyll liegt auch in einer tektonisch aktiven Zone, wie eine Erdbebenserie in der Nacht von Mittwoch auf Mittwoch (22. Januar) mit einer Stärke von 5,8 zeigte.

Urlaubsregion bebt: Erdbeben trifft Griechenland-Insel – Auswirkungen bis Izmir zu spüren

Gegen 23.38 Uhr (Ortszeit) kam es am späten Dienstagabend (21. Januar) zu einem heftigen Erdstoß. Das Geodynamische Institut des Nationalen Observatoriums Athen identifizierte das Epizentrum acht Kilometer ostsüdöstlich der Küstenstadt Mytilini in einer Tiefe von 14,6 Kilometern. Auch auf der nahegelegenen Insel Chios und in der türkischen Hafenstadt Izmir war das Beben stark zu spüren. Das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam (GFZ) meldete das Beben ebenfalls und gab sogar eine Stärke von 5,8 an.

Erdbeben vor Griechenland: Experte hält es für möglich, dass es nur das Vorspiel eines großen Hauptbebens war

Athanasios Ganas, Forschungsleiter am Geodynamischen Institut des Nationalen Observatoriums Athen, erklärte bei dem Portal ekathimerini.com, dass das Erdbeben durch eine erstmals aktivierte Verwerfung verursacht worden sei. „Wir wissen nicht, ob dies das Hauptbeben ist; wir müssen abwarten. Dies ist eine Verwerfung, die wir zum ersten Mal aktiviert sehen. Sie unterscheidet sich von der Verwerfung, die die Erdbeben von 2023 in der Gegend von Lepetymnos auf Lesbos verursachte, die eine Stärke von bis zu 4,9 erreichten“, erklärte Ganas. Somit wäre also noch ein größeres Erdbeben möglich.

Die Schulen auf der Insel Lesbos bleiben am Mittwoch aufgrund von Gebäudeinspektionen geschlossen, berichtet tovima.com. Der Präfekt von West-Lesbos, Taxiarchis Verros, erklärte dem Portal: „Es liegen keine Berichte über Schäden an den Schulen vor, aber wir führen heute Morgen vorsorglich Inspektionen durch.“ Das Erdbeben hatte Felsstürze zwischen den Gebieten Argennos und Vafios im Norden von Lesbos verursacht. Laut Themis Kammenos, dem Bürgermeister der Gemeinde Lepetymnos, ist die Straße in dieses Gebiet derzeit gesperrt.

Dem Professor Efthymios Lekkas, Experte für dynamische tektonische angewandte Geologie und Katastrophenmanagement sowie Präsident der Erdbebenplanungs- und -schutzorganisation, zufolge folgten dem ersten Erdstoß acht Nachbeben mit einer Stärke zwischen 1,5 und 2,5 auf der Richterskala. Er betonte, dass das Gebiet überwacht werden müsse, da es dort eine hohe seismische Aktivität aufweise, insbesondere in den umliegenden Regionen der Türkei, stärker noch als auf der Insel Lesbos selbst.

Urlaubsparadies Ägäis: Eine der am meisten von Erdbeben gefährdeten Regionen Europas

Auf dem Festland war das Beben laut Hürriyet in Bursa, Balıkesir, İzmir, Tekirdağ, Manisa und Aydın zu spüren. Zuletzt kamen bei einem Beben im Oktober 2020 in Izmir mehr als 100 Menschen ums Leben. Im November 2022 gab es ein Erdbeben der Stärke 4,9, bei dem zwei Menschen durch „Sprünge aus Panik“ verletzt worden, so der türkische Innenminister Süleyman Soylu damals laut ntv. Ein Minarett einer Moschee stüruzte ein. Am 30. Juni 1688 starben bei einem Erdbeben in Izmir sogar bis zu 19 000 Menschen.

Das Erdbeben von Gölcük im Jahre 1999 verwüstete die Nordwestküste der Türkei.

Die Insel Lesbos liegt an der Grenze dreier tektonischer Platten, die aneinander reiben: Die Ägäische Platte liegt im Süden, die Eurasische Platte im Norden und im Osten die Anatolische Platte. Vor allem am Westrand der anatolischen Platte kommt es immer wieder zu heftigen Erdbeben. Das Erdbeben von Gölcük am 17. August 1999 nahe Istanbul forderte 18 373 Menschenleben.

Im Dezember vorigen Jahres erschütterte ein Erdbeben die Region von Patras am Golf von Korinth. Im März sorgten Erdstöße am Peleponnes für Angst und Schrecken. Auch die Ferieninsel Kreta wird immer wieder von solchen Naturereignissen heimgesucht. In Italien sorgen Erdbebenserien am Supervulkan der Phlegräischen Felder für Angst vor einem neuen Ausbruch. Erdbeben und Vulkanausbrüche können auch Tsumanis auslösen. Mysteriöse Riesenwellen im Pazifik sorgten jüngst für Tote und enorme Schäden.

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