Erdbeben und Schwefelgase als Alarmsignale

Eruption bahnt sich an: Riesiger Vulkan auf spanischer Urlaubsinsel brodelt

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Der Gipfel des Vulkans Teide überragt die Insel Teneriffa, Wissenschaftler sagen einen Ausbruch voraus.
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Es ist nur eine Frage der Zeit. Auf der größten Insel der Kanaren zeichnet sich ein Vulkanausbruch ab. Magma aus der Tiefe hat die Insel aufgewölbt.

Santa Cruz de Teneriffa – Die Kanareninsel Teneriffa ist eines der am meisten von Touristen besuchte Reiseziel Spaniens. 2024 wurden dort zehn Millionen Gäste gezählt. Kein Wunder, herrscht doch auf der Insel das ganze Jahr über Sonnengarantie bei angenehmen Temperaturen. Felsen- und Sandstrände wechseln sich ab, idyllisch Dörfer sorgen im Landesinneren für Abwechslung, die Wüsten und Nebelwälder bietende Landschaft ist dank der Größe der Insel und des 3718 Meter hohen Vulkanberges Teide sehr abwechslungsreich.

Riesiger Vulkan Teide von Teneriffa ist wieder aktiv

Und das ist auch schon das Problem: Teneriffa ist wie alle kanarische Inseln ein riesiger Vulkan, und der ist aufgewacht. Der Wissenschaftliche Ausschuss für die Bewertung und Überwachung vulkanischer Phänomene der kanarischen Inseln (CCES) hat Ende Januar die Einheimischen und die Touristiker mit der Mitteilung aufhorchen lassen, dass der Vulkan Teide „geophysikalische Aktivitäten aufweist, die durch erhöhte Seismizität, geodätische Verformungen und Gasausstoß gekennzeichnet sind“, wie es in einer Mitteilung der Regionalregierung der Kanaren heißt.

Der Ausschuss war nach einer Bebenserie zusammengetreten, die sich am 22. Januar nahe der Ortschaft Vilaflor am südlichen Fuß des Inselvulkans Teide ereignet hatten. Die Erdstöße hatten Magnituden zwischen 0,6 und 1,5 auf der Richterskala und ereigneten sich in Tiefen zwischen drei und 13 Kilometern. Auch am Mittwoch (5. Februar) kam es zu zwei Erdstößen nahe des Teide-Gipfels mit Magnituden knapp über 1.

Teneriffa in Gefahr: Erdstöße und Schwefelwolken am Vulkan Teide kündigen die nächste Eruption an

Seit 2016 zeichnen Überwachungsnetze die geophysikalischen Veränderungen unter dem Teide auf, wobei die Aktivität laut CCES seit 2022 deutlich zugenommen hat. „Wichtige Indikatoren wie seismische Schwärme, Bodenverformungen und Schwankungen bei den Gasemissionen deuten auf eine zunehmende Druckerhöhung im hydrothermalen System unter dem Schichtvulkan hin“, heißt es weiter.

Eine der Dampfaustrittsstellen am Teide in der Nähe des Gipfels.

Besonders bemerkenswert ist neben den Bebenschwärmen den Forschern zufolge die gleichzeitige Veränderung der chemischen Zusammensetzungen an den Dampfaustrittsstellen im Bereich der Cañadas, wie sich der riesige Krater rund um den Vulkangipfel des Teide nennt. Geodätische Messungen deuten gleichzeitig auf eine leichte, aber messbare Bodenverformung hin, der Gipfel des Teide ist mitsamt der Insel um einen Zentimeter nach oben gestiegen, was beweist, dass unter der Insel, wo sich Magmakammern befinden, der Druck steigt. Die Wissenschaftler sprechen von einer „anomalen Aktivität“ des Teide.

Forscherin: „Die Frage ist nicht, ob es einen Ausbruch gibt, sondern wann er stattfindet.“

„Wir wissen, dass es auf Teneriffa zu einem Ausbruch kommen kann“, sagte Itahiza Domínguez, Leiter des Nationalen Geografischen Instituts auf den Kanarischen Inseln, IGN, laut Teneriffa-News. Dass der Teide auf Teneriffa eines Tages ausbreche, sei recht sicher. Allerdings stehe nicht fest, „wann und wie“ der Vulkan auf Teneriffa ausbrechen werde. Es könne einen relativ unspektakulären Ausbruch an einem Nebenvulkan geben, oder auch eine größere Eruption durch ein Erwachen des Teide selbst.

Der Ausbruch des Cumbre Vieja auf La Palma zerstörte 2021 über 1600 Gebäude..

Es sei denkbar, dass in den Cañadas in einer einzigen Eruption ein neuer Vulkan entstehe. Diese könne kurz sein oder auch Jahre andauern. Der jüngste Vulkanausbruch auf der Nachbarinsel La Palma im Jahr 2021 gehörte in diese Kategorie, dabei wurden über 1600 Gebäude zerstört. Der große Teide entstand durch viele wiederholte Ausbrüche. Welche Auswirkungen ein Vulkanausbruch auf Teneriffa hätte? Dem Portal diariodeavisos zufolge hätten Berechnungen mit künstlicher Intelligenz ergeben, dass die Ausflugsorte rund um den Teide von Lavaströmen, pyroklastischen, mehreren Hundert grad heißen Aschewolken, giftigen Gasen und Erdrutschen getroffen werden könnten.

Ein Ausbruch könnte katastrophale Folgen auf der Insel haben

Die Inselhauptstadt Santa Cruz de Teneriffa sowie die Touristenzentren im Südwesten der Insel könnten von Vulkanasche getroffen werden, was Auswirkungen auf die Luftqualität sowie auf Verkehr und Infrastruktur haben würde. Strände und Touristenattraktionen wären ebenfalls betroffen. Auch der Luftverkehr sowie die Schifffahrt könnten behindert sein.

Wann es auf Teneriffa den nächsten Vulkanausbruch gibt? Dominguez: „Die Vorläufer-Ereignisse können in zwei oder in 50 Jahren auftreten.“ Daher müsse die Situation weiter beobachtet werden. Zugleich sollten jedoch „Maßnahmen ergriffen werden, um die Bevölkerung mit Übungen vorzubereiten.“ Für Panik bestehe kein Grund, konkrete Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption gebe es nicht. Der letzte Vulkanausbruch auf Teneriffa fand vom 18. bis 27. November 1909 am Westhang des Teide statt. Dabei wurden über zwei Quadratkilometer Land durch Lava und Asche verwüstet, Menschen kamen aber nicht zu Schaden. Noch heute ist der 60 Meter hohe Schlackenkegel Chinyero in 1556  Meter Höhe zu sehen.

Derzeit sorgt eine heftige Erdbebenserie nahe der griechischen Ferieninsel Santorin für Angst vor einem Vulkanausbruch oder einem katastrophalen Erdstoß. Auch in den Phlegräischen Feldern bei Neapel in Süditalien, einem Supervulkan, herrscht nach endlosen Beben Angst vor einer Eruption. Auch der gigantische Supervulkan des Yellowstone in den USA wird aufmerksam überwacht. In Island findet derzeit eine ganze Serie von Vulkaneruptionen statt.

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