VonRichard Stroblschließen
Urlaub in Italien und Kroatien wird immer teurer. Albanien gilt vielen als günstige Alternative. Doch den „Malediven Europas“ droht eine verheerende Entwicklung.
Tirana – Kristallklares, türkisblaues Meer, Sandstrand und süße Altstädte, die am Abend mit Restaurants zum Bummeln einladen. Das ist der Urlaubstraum, den sich Tausende Deutsche im Sommer mit Reisen nach Italien, Kroatien, Griechenland oder Spanien erfüllen wollen. Doch die teuren Preise in vielen Urlaubsregionen sorgen bei vielen Menschen in diesem Jahr für Probleme.
In Kroatien musste man sogar schon gegensteuern. Nachdem die Preise so enorm gestiegen waren, blieben viele Zimmer leer – die Reiseveranstalter mussten die Preise daraufhin radikal senken. In Italien zeigen sich schon ähnliche Entwicklungen. So etwa in Apulien oder auch in Ligurien. In Italien sind es vor allem die einheimischen Urlauber, die in diesem Sommer fehlen, stellten mehrere Befragungen mittlerweile fest. Vielen Menschen fehlt schlicht das Geld, um die teils horrenden Preise für einen Strandurlaub mit Dolce Vita zu bezahlen.
Albanien als „Malediven Europas“ angepriesen: „Noch nicht so erschlossen“ – Preise locken
Gerade in Italien boomt deshalb in diesem Jahr das Reiseziel Albanien. Etliche Reiseportale preisen das Land mittlerweile als die „Malediven Europas“ an. Albanien gilt aktuell noch als Geheimtipp. „Das Land ist touristisch noch nicht so erschlossen und von den Flugverbindungen so umfangreich angebunden wie beispielsweise Mallorca“, sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband darüber gegenüber der Morgenpost. „Es bietet sich daher eher für Personen an, die Albanien individuell erkunden wollen. Inzwischen gibt es aber auch zahlreiche Pauschal- und Rundreisen von Veranstaltern für das Land“. Es hat also bereits eine Veränderung eingesetzt.
Doch aktuell lockt Albanien noch mit vergleichsweise niedrigen Preisen.
Während zwei Sonnenliegen und ein entsprechender Sonnenschirm in Apulien etwa 50 Euro am Tag kostet, bezahlt man in Albanien zwischen zehn und 15 Euro. Bei Unterkunft und Gastronomie zeigen sich ähnliche Abstände, wie die Repubblica in einem aktuellen Artikel darlegt. „Für Italiener, die auf der Suche nach einem fantastischen Meer zu vernünftigen Preisen sind, ist das Land der Adler der letzte Ausweg“, meint die größte Zeitung Italiens.
Albanien lockt Italien-Urlauber: Doch Tourismus hat schon jetzt seinen Preis
Und die Italiener folgen dem Reiseruf offenbar zahlreich. Jeder dritte Tourist in Ksamil – eine Stadt mit Blick auf die griechische Insel Korfu – kommt aus Italien. Albaniens Regierung prognostiziert, dass in diesem Sommer knapp neun Millionen Touristen in das Land reisen werden. Das sind drei Millionen mehr als im Jahr 2022. Ein deutliches Plus.
Jedoch warnen Experten jetzt schon vor den Folgen.
„Mit dieser Geschichte der Malediven Europas, nur einen Steinwurf entfernt und ohne lange Flugreise erreichbar, fördern albanische Entwickler die Zerstörung der albanischen Küste“, meint Auron Tare, Mitglied im Unesco-Rat für archäologische Städten. Man bewege sich auf einen „kostengünstigen Massenmarkt“ zu. Dadurch würden vor allem Massen an Menschen kommen, die nur an günstigen Zimmern und billigem Alkohol interessiert seien. Das sei aber eine Strategie, „die sich in allen Mittelmeerländern als erfolglos erwiesen hat“, so Tare zur Repubblica.
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Dem Bericht nach steigen auch in Albanien die Preise rasant. Zwar sind sie im Vergleich zu Italien immer noch deutlich niedriger. Doch der Trend ist klar. Zudem weicht der entspannte Aufenthalt zunehmend einer profitgetriebenen Gastgeberschaft, heißt es in dem Bericht. Noch ist Albanien als Geheimtipp gehandelt – doch der Massentourismus wirft offenbar schon seine Schatten voraus.(rjs)
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