Erste Folgen spürbar

„Nicht tragbare Preise“: Tourismus-Alarm in Italien – Experte warnt vor Kroatien-Szenario

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Zu hohe Preise führen in Italien zu Problemen im Tourismus-Sektor. Viele Urlauber haben offenbar schon Konsequenzen gezogen. Experten warnen vor weiteren Rückgängen.

Rom – Urlaub ist teuer. Das scheint im Jahr 2023 ganz besonders zu gelten, denn die Preise wurden in vielen beliebten Touristen-Zielen offenbar massiv angehoben – wohl teils zu massiv. Denn, nachdem in Kroatien schon etliche Touristen wegen zu hoher Preise ihre Reisen storniert haben, schlägt man nun auch in Italien Alarm.

Hunderte von Touristen am Strand von San Fruttuoso in Ligurien. (Symbolbild)

Ferragosto, die Zeit um den Feiertag Maria Himmelfahrt ist in Italien allgemein die Hauptreisezeit. Doch in diesem Jahr verzichten offenbar viele Italiener auf eine Reise – wegen der gestiegenen Kosten. 41 Prozent der Italiener verreisen nach einem aktuellen Bericht der Repubblica in diesem Sommer nicht. Die Meldung basiert auf einer Umfrage der Tourismus-Organisation Federalberghi.

Tourismus-Alarm in Italien: Urlauber bleiben weg – wegen hoher Preise

Demnach ist die Inflation der Hauptbeweggrund für viele Italiener, in diesem Jahr auf eine Reise zu verzichten. Die Konten sind demnach schlicht leer. Das trifft mittlerweile offenbar auch einen Teil der Mittelschicht, die sich 2023 „aufgrund von nicht tragbaren Preisen“ entscheide, nicht zu verreisen, so die italienische Zeitung. Und wer doch verreist, der spart, wo es nur geht. 45 Prozent der Befragten gaben demnach an, ihre Ausgaben im Urlaub kürzen zu wollen. Viele greifen demnach auf Unterkünfte von Freunden und Verwandten zurück.

Ranking: Die 15 schönsten und beliebtesten Urlaubsorte Italiens

Siena campo
Platz 15 belegt Siena in der Toskana. Mit der schönen Altstadt und unnachahmlichen Bauwerken zieht die Stadt Urlauber immer wieder in ihren Bann.  © Marco Brivio
Roca Vecchia in Apulien: Die Aufnahme der „Höhle der Poesie“ bei Sonnenuntergang
Roca Vecchial in Apulien: Die Aufnahme der „Höhle der Poesie“ bei Sonnenuntergang steht nur symbolisch für die vielen herrlichen Strände und Landschaften im Südosten Italiens. Rang 14 im IPPEN-Ranking. © IMAGO/Manuel Romano
Sizilien Letojanni
Die Strände Siziliens sind einzigartig und bezaubernd. Bei Check24 belegt die Insel daher den zwölften Platz. In diesem Ranking Platz Nummer 13. Auf dem Foto sieht man den Strand von Letojanni.  © Matthias Tödt
Mailänder Dom
Die norditalienische Metropole Mailand ist bekannt für die wunderschöne Altstadt und etliche teure Modemarken. Hier sieht man den Dom im Zentrum der Stadt. Im Ranking belegt Mailand den elften Platz. Bei Check24 sogar Platz 7.  © Oliver Weiken
Lago Maggiore
Auf Platz 11 ist der prachtvolle Lago Maggiore. Ein Teil des Sees ist in der Schweiz. Bei weg.de ist der Lago Maggiore sogar auf dem siebten Platz der beliebtesten Urlaubsorte in Italien.  © Nando Lardi
Bozen, Italien, Südtirol
Auch Südtirol ist unter Italien-Fans besonders beliebt. Hier erhascht man einen Blick über die Alpen auf die Stadt Bozen.  © Micha Korb
Elba sonnenuntergang
Die kleine Insel Elba ist momentan noch ein Geheimtipp. Hier erlebt man bezaubernde Natur und typische italienische Dörfer. Daher ein verdienter Platz neun.  © Karsten Jeltsch
Cinque Terre Italien
Unter Urlaubern ist außerdem die Cinque Terre besonders beliebt. Die meisten der fünf Dörfer erreicht man nur zu Fuß oder mit einer Bahn.  © Augst / Eibner-Pressefoto
Marina Grande capri
Nicht umsonst ist die kleine Insel Capri im Golf von Neapel ein regelrechter Touristenmagnet. Hier vor Ort kann man nicht nur durch wunderschöne Dörfer schlendern, sondern auch das Meer und die Natur genießen.  © Günter Gräfenhain
Colosseum in Rome
Italiens Hauptstadt Rom hat für alle Gäste etwas zu bieten und belegt daher den sechsten Platz. So zum Beispiel das weltberühmte Kolosseum. Im Ranking von Check24 belegt Rom sogar den zweiten Platz.  © Givaga
Venedig platz acht
Venedig ist mit seinen vielen Kanälen und kleinen Gassen einzigartig. Ein Besuch lohnt sich definitiv, allerdings sollte man am besten im Frühling oder Herbst in die Stadt kommen. Venedig belegt daher den fünften Platz der Top 15 Urlaubsziele in Italien, bei Check24 ist die Stadt an der Adria sogar Erster.  © Frank Bienewald
Florenz-skyline
Das bezaubernde Florenz in der Toskana belegt den vierten Platz. Hier kann man sich durch kleine Gassen treiben lassen und ohne Ende Kultur genießen. © alimdi / Michelle Gilders
Amalfiküste Italien
Die Amalfiküste südlich von der Metropole Neapel belegt den dritten Platz im Ranking um die schönsten Urlaubsorte in Italien.  © Günter Gräfenhain
Costa Smeralda
An der Costa Smeralda auf Sardinien gibt es Strände, die teilweise welchen in der Karibik gleichen. Nicht umsonst belegt sie daher den zweiten Platz. Auch auf dem Reiseportal weg.de zählt die Küste auf Sardinien zu den schönsten Reisezielen in Italien. © Emmanuele Contini
Desenzano del Garda
Den ersten Platz der beliebtesten und schönsten Urlaubsorte in Italien belegt laut weg.de ganz klar der Gardasee. Hier sieht man das wunderschöne Städtchen Desenzano del Garda am Abend.  © Imago / Augst / Eibner-Pressefoto

Zudem fahren demnach viele schlicht kürzer in den Urlaub. Statt für eine ganze Woche buchen nun offenbar viele ihren Aufenthalt nur für vier oder fünf Tage. Das bestätigt Massimiliano Schiavon, Hotelier in Jesolo und Präsident von Federalberghi Veneto gegenüber der Repubblica.

Hinzu kommen schwere klimatische Ereignisse. Die aktuellen Stürme in Slowenien und im Norden Italiens veranlassten etwa 50 Prozent der Italiener dazu, früher aus dem Urlaub zurückzukehren. Das geht laut Ansa aus einer Umfrage der Vereinigung Coldiretti hervor.

Italien bleibt zu Hause: Nicht alle Regionen von Besucherrückgang betroffen

Dass die Italiener nicht mehr im eigenen Land verreisen, trifft den heimischen Tourismus-Sektor hart. Schließlich waren es Mitte August hauptsächlich Italiener, die die Unterkünfte und Strände besiedelten. In diesem Jahr muss man offenbar auf ausländische Touristen hoffen. 33,8 Milliarden Euro Umsatz schätzt die Federalberghi für den Tourismus-Sektor Italiens im Jahr 2023. Eine große Summe, ja. Aber im Vergleich zum letzten Sommer vor der Corona-Krise zeigt sich ein Rückgang.

Dabei sind die Probleme nicht in ganz Italien gleich. Klassische Touristenziele, wie die Kunststädte (Rom, Florenz, Venedig) oder auch Urlauber-Magnete, wie die Amalfiküste und Cinque Terre, verzeichnen dem Bericht nach keine Besucherrückgänge. Hart trifft es dagegen etwa die Berge, besonders die Dolomiten. Hier kommen knapp zehn Prozent weniger Besucher. Auch die Berg-Regionen in der Toskana und in der Emilia-Romagna trifft es demnach. Hier sind Rückgänge von bis zu 30 Prozent in den letzten Tagen zu verzeichnen gewesen.

Teures Italien: Gastronomen reagieren auf neue Situation

Den Besucher-Rückgang sowie die auch für Hoteliers gestiegenen Preise werden offenbar vielerorts mit Preiserhöhungen kompensiert. Schon vor der Saison war von Preisanstiegen von bis zu 42 Prozent in Italien berichtet worden. Doch das könnte zum Bumerang werden. In Apulien hat man deshalb schon Alarm geschlagen, da die Touristen wegen zu hoher Preise wegblieben.

Eine ähnliche Lage zeichnet sich in Ligurien ab. Die Preise sind hier enorm gestiegen. Auch hier werden die Erhöhungen mit den eigenen gestiegenen Kosten der Gastronomen und der Hoteliers begründet. Gleichzeitig kommen „im Allgemeinen viel weniger Menschen“, bestätigt ein Gastronom aus der Region dem Corriere della Sera. Ein weiterer Grund, die Preise anheben zu müssen. Zudem kommen weniger Italiener und mehr Ausländer. Deshalb passe man sich an – öffne etwa früher und schließen auch früher. Die Entwicklung verändert also auch die Kultur im Land.

Italien vor Tourismus-Crash? Experte warnt vor Kroatien-Effekt

Die Preissteigerungen in diesem Jahr übertreffen dem Bericht der Repubblica nach die Steigerungen des Vorjahres. Aber dies sei eine Gratwanderung, so Hotelier Schiavon gegenüber dem Blatt. Für viele sei es unausweichlich gewesen, die Preissteigerungen weiterzugeben. „Aber natürlich muss man aufpassen, dass man nicht zu viel Druck macht, oder wir riskieren, Touristen zu verlieren, wie es in Kroatien passiert ist“, gibt er zu bedenken. In Kroatien hatten viele Unterkünfte ihre Preise radikal reduziert, nachdem klar war, dass die Zimmer andernfalls leer geblieben wären.

Diese Entwicklung zeigt sich in Anfängen nun auch schon in Italien. Pünktlich zu Ferragosto lassen sich zunehmend günstigere Last-Minute-Angebote finden. Dies erscheint nur logisch. Schließlich arbeiten viele Tourismus-Unternehmer mit dynamischen Preissystemen. Diese passen sich der Nachfrage an, wie Vanni Basso, Tourismus-Unternehmer an der Adria-Küste Italiens der Repubblica bestätigte. (rjs)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Italien Fotopresse

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