VonRichard Stroblschließen
Zu hohe Preise führen in Italien zu Problemen im Tourismus-Sektor. Viele Urlauber haben offenbar schon Konsequenzen gezogen. Experten warnen vor weiteren Rückgängen.
Rom – Urlaub ist teuer. Das scheint im Jahr 2023 ganz besonders zu gelten, denn die Preise wurden in vielen beliebten Touristen-Zielen offenbar massiv angehoben – wohl teils zu massiv. Denn, nachdem in Kroatien schon etliche Touristen wegen zu hoher Preise ihre Reisen storniert haben, schlägt man nun auch in Italien Alarm.
Ferragosto, die Zeit um den Feiertag Maria Himmelfahrt ist in Italien allgemein die Hauptreisezeit. Doch in diesem Jahr verzichten offenbar viele Italiener auf eine Reise – wegen der gestiegenen Kosten. 41 Prozent der Italiener verreisen nach einem aktuellen Bericht der Repubblica in diesem Sommer nicht. Die Meldung basiert auf einer Umfrage der Tourismus-Organisation Federalberghi.
Tourismus-Alarm in Italien: Urlauber bleiben weg – wegen hoher Preise
Demnach ist die Inflation der Hauptbeweggrund für viele Italiener, in diesem Jahr auf eine Reise zu verzichten. Die Konten sind demnach schlicht leer. Das trifft mittlerweile offenbar auch einen Teil der Mittelschicht, die sich 2023 „aufgrund von nicht tragbaren Preisen“ entscheide, nicht zu verreisen, so die italienische Zeitung. Und wer doch verreist, der spart, wo es nur geht. 45 Prozent der Befragten gaben demnach an, ihre Ausgaben im Urlaub kürzen zu wollen. Viele greifen demnach auf Unterkünfte von Freunden und Verwandten zurück.
Ranking: Die 15 schönsten und beliebtesten Urlaubsorte Italiens




Zudem fahren demnach viele schlicht kürzer in den Urlaub. Statt für eine ganze Woche buchen nun offenbar viele ihren Aufenthalt nur für vier oder fünf Tage. Das bestätigt Massimiliano Schiavon, Hotelier in Jesolo und Präsident von Federalberghi Veneto gegenüber der Repubblica.
Hinzu kommen schwere klimatische Ereignisse. Die aktuellen Stürme in Slowenien und im Norden Italiens veranlassten etwa 50 Prozent der Italiener dazu, früher aus dem Urlaub zurückzukehren. Das geht laut Ansa aus einer Umfrage der Vereinigung Coldiretti hervor.
Italien bleibt zu Hause: Nicht alle Regionen von Besucherrückgang betroffen
Dass die Italiener nicht mehr im eigenen Land verreisen, trifft den heimischen Tourismus-Sektor hart. Schließlich waren es Mitte August hauptsächlich Italiener, die die Unterkünfte und Strände besiedelten. In diesem Jahr muss man offenbar auf ausländische Touristen hoffen. 33,8 Milliarden Euro Umsatz schätzt die Federalberghi für den Tourismus-Sektor Italiens im Jahr 2023. Eine große Summe, ja. Aber im Vergleich zum letzten Sommer vor der Corona-Krise zeigt sich ein Rückgang.
Dabei sind die Probleme nicht in ganz Italien gleich. Klassische Touristenziele, wie die Kunststädte (Rom, Florenz, Venedig) oder auch Urlauber-Magnete, wie die Amalfiküste und Cinque Terre, verzeichnen dem Bericht nach keine Besucherrückgänge. Hart trifft es dagegen etwa die Berge, besonders die Dolomiten. Hier kommen knapp zehn Prozent weniger Besucher. Auch die Berg-Regionen in der Toskana und in der Emilia-Romagna trifft es demnach. Hier sind Rückgänge von bis zu 30 Prozent in den letzten Tagen zu verzeichnen gewesen.
Teures Italien: Gastronomen reagieren auf neue Situation
Den Besucher-Rückgang sowie die auch für Hoteliers gestiegenen Preise werden offenbar vielerorts mit Preiserhöhungen kompensiert. Schon vor der Saison war von Preisanstiegen von bis zu 42 Prozent in Italien berichtet worden. Doch das könnte zum Bumerang werden. In Apulien hat man deshalb schon Alarm geschlagen, da die Touristen wegen zu hoher Preise wegblieben.
Eine ähnliche Lage zeichnet sich in Ligurien ab. Die Preise sind hier enorm gestiegen. Auch hier werden die Erhöhungen mit den eigenen gestiegenen Kosten der Gastronomen und der Hoteliers begründet. Gleichzeitig kommen „im Allgemeinen viel weniger Menschen“, bestätigt ein Gastronom aus der Region dem Corriere della Sera. Ein weiterer Grund, die Preise anheben zu müssen. Zudem kommen weniger Italiener und mehr Ausländer. Deshalb passe man sich an – öffne etwa früher und schließen auch früher. Die Entwicklung verändert also auch die Kultur im Land.
Italien vor Tourismus-Crash? Experte warnt vor Kroatien-Effekt
Die Preissteigerungen in diesem Jahr übertreffen dem Bericht der Repubblica nach die Steigerungen des Vorjahres. Aber dies sei eine Gratwanderung, so Hotelier Schiavon gegenüber dem Blatt. Für viele sei es unausweichlich gewesen, die Preissteigerungen weiterzugeben. „Aber natürlich muss man aufpassen, dass man nicht zu viel Druck macht, oder wir riskieren, Touristen zu verlieren, wie es in Kroatien passiert ist“, gibt er zu bedenken. In Kroatien hatten viele Unterkünfte ihre Preise radikal reduziert, nachdem klar war, dass die Zimmer andernfalls leer geblieben wären.
Diese Entwicklung zeigt sich in Anfängen nun auch schon in Italien. Pünktlich zu Ferragosto lassen sich zunehmend günstigere Last-Minute-Angebote finden. Dies erscheint nur logisch. Schließlich arbeiten viele Tourismus-Unternehmer mit dynamischen Preissystemen. Diese passen sich der Nachfrage an, wie Vanni Basso, Tourismus-Unternehmer an der Adria-Küste Italiens der Repubblica bestätigte. (rjs)
Rubriklistenbild: © IMAGO / Italien Fotopresse

