VonUlrike Hagenschließen
Die WHO schlägt angesichts der Häufung tödlicher Infektionen bei Kindern mit A-Streptokokken Alarm – und warnt vor einer schweren Scharlach-Welle in Europa.
Genf/Stockholm – Nachdem es eine Häufung von Todesfällen durch A-Streptokokken bei Kindern in Großbritannien gibt, warnen die Weltgesundheitsorganisation WHO und die EU-Gesundheitsbehörde ECDC in einer gemeinsamen Mitteilung vor einer Häufung schwerer Scharlach-Fälle bei Kindern unter zehn Jahren in Europa. Im Vereinigten Königreich sind Agenturberichten zufolge bereits 19 Kinder gestorben. In Großbritannien und Frankreich sei die Zahl der schweren Erkrankungen „um ein Vielfaches höher als im Vergleichszeitraum vor der Pandemie“, heißt es in der Mitteilung weiter.
A-Streptokokken: Viele tödliche Infektionen – WHO warnt vor schwerer Scharlach-Welle in Europa
Die Zahl der an einer invasiven Gruppe A-Streptokokken-Infektion (kurz: iGAS) erkrankten Kinder unter zehn Jahren steige derzeit in Frankreich, Irland, den Niederlanden, Spanien, Schweden und Großbritannien massiv an: „Es ist wahrscheinlich, dass die Zunahme der iGAS-Fälle bei Kindern auch mit der jüngsten verstärkten Verbreitung von Atemwegsviren, einschließlich der saisonalen Influenza und des Respiratorischen Synzytialvirus (RSV), zusammenhängt, da eine Koinfektion von Viren mit Gruppe-A-Streptokokken das Risiko einer invasiven Erkrankung erhöhen kann“, erklärt die WHO.
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WHO fordert: Gesundheitsbehörden sollen Wachsamkeit erhöhen
Alle europäischen Länder, auch Deutschland, sollten darum auf einen ähnlichen Anstieg der Fälle bei Kindern achten, insbesondere in Anbetracht der Zunahme der Verbreitung von Atemwegsviren, die derzeit in ganz Europa zu beobachten ist, so die Organisation: „Die Gesundheitsbehörden sollten daher Maßnahmen zur Sensibilisierung von Klinikern und der breiten Öffentlichkeit in Erwägung ziehen und eine rasche Untersuchung und Behandlung von GAS-Infektionen gemäß den nationalen Leitlinien fördern.“
#JustPublished!
— ECDC (@ECDC_EU) December 12, 2022
Increase in Invasive Group A streptococcal infections among children in Europe, including fatalities .
Full press release:https://t.co/r47s38iqgD#StrepA #iGAS
Wie steckt man sich mit A‑Streptokokken an?
Atemwegsinfektionen durch A‑Streptokokken werden laut RKI hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion oder direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, selten durch kontaminierte Lebensmittel und Wasser. Hautinfektionen werden durch Kontakt- bzw. Schmierinfektion übertragen. Eine Ansteckung mit den Bakterien zeigt sich anders als eine Grippe, RSV oder Corona, die sich durch besondere Symptome unterscheiden.
Was sind die Symptome einer Infektion mit Streptokokken? Auf diese Zeichen sollten Eltern achten:
- Infektionen der oberen Atemwege
- Entzündung des Rachens, der Mandeln und Nebenhöhlen
- Halsschmerzen
- Fieber
- Schüttelfrost
- Unwohlsein
- Bauchschmerzen
- Erbrechen
- Mittelohrentzündung
- Wundentzündungen
- Entzündungen von Haut und Weichteilgewebe
- Blutvergiftungen
- Quelle: RKI
Streptokokken und Scharlach: Was ist der Unterschied?
Der Scharlach ist eine Folgeerkrankung der Streptokokken-Infektion, die meist in Form einer Angina auftritt und von einem charakteristischen rötlichen Hautausschlag, der aus kleinen Bläschen besteht, begleitet wird. Neben der Halsentzündung kann bei Scharlach Fieber mit Schüttelfrost und Erbrechen auftreten. Nicht jede Streptokokken-Infektion löst Scharlach aus, aber die Ursache für eine Erkrankung mit Scharlach sind immer A‑Streptokokken.
Was sind die Symptome von Scharlach? Wie erkenne ich, ob mein Kind Scharlach hat?
- Nicht juckender Hautausschlag, der sich über die Achseln, den Brustkorb und die Leisten auf den ganzen Körper ausbreitet, Handinnenflächen und Fußsohlen sind dabei ausgespart.
- Stark gerötete Wangen
- Blasse Haut um den Mund herum
- „Himbeerzunge“: Eine zuerst weiß belegte Zunge, die sich nach einigen Tagen himbeerfarben rötet
WHO warnt: „Unspezifische Symptome“ können schnell zu einem schweren Verlauf führen
„Die Infektionen können zunächst mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, allgemeiner Müdigkeit, Appetitlosigkeit auftreten, und vor allem bei Kindern kann die Krankheit schnell zu einem schweren Verlauf führen. Daher sollten Eltern und Erziehungsberechtigte auf besorgniserregende Symptome achten und sich klinisch beraten und untersuchen lassen, wenn sich der Gesundheitszustand ihres Kindes nicht bessert“, fordert die WHO auf. Dr. Hans Henri P. Klug, WHO-Regionaldirektor für Europa mahnt, „die Wachsamkeit gegenüber iGAS-Fällen zu erhöhen, insbesondere wenn Atemwegsviren bei Kindern weit verbreitet sind“
In 30 Prozent tödlich: Schock und Multiorganversagen durch Streptokkoken-Gifte
Vor allem die Komplikationen der Infektion sind gefährlich, weshalb sie mit Antibiotika, die wegen resistenter Keime immer seltener wirken, behandelt wird. Komplikationen treten unter anderem deswegen auf, weil Streptokokken Gifte produzieren. In sehr seltenen Fällen kommt es zum sogenannten Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom (STSS), informiert das RKI. Die Gifte der Streptokokken, sogenannte Superantigene, führen dann zu einem Schock mit Multiorganversagen, der in 30 Prozent der Fälle tödlich endet, so das RKI.
Nach der Dreifach-Virus-Welle aus Corona, RSV und Grippe deutet sich also eine weitere Herausforderung für die Kinderkliniken an, die ohnehin bereits am Limit sind.
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