Bewohner waren wieder zurückgekehrt

Vulkanausbruch auf Island: Bedrückende Bilder zeigen, wie Lava in die Stadt fließt – „ein schwarzer Tag“

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Die Lage beim Vulkanausbruch vor der isländischen Stadt Grindavik beruhigt sich langsam. Der Lavafluss aus einer der beiden Spalten hat nachgelassen. Alle News im Ticker.

Update vom 15. Januar, 11:05 Uhr: Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir hat sich bei einer Pressekonferenz des Zivilschutzes in beeindruckenden Worten an die Bewohner der Insel und insbesondere der von Grindavík gewandt: „Heute ist ein schwarzer Tag für Grindavík, und heute ist ein schwarzer Tag für ganz Island. Aber die Sonne wird wieder aufgehen.“ Das isländische Rote Kreuz ruft zu Spenden für die Grindaviker auf. In der Nacht wurde der Wall bei Grindavík nach Westen erweitert und erhöht.

Ob die Einwohner bald für kurze Zeit zurückkehren dürfen, um Wertgegenstände zu bergen, ist fraglich. Die Polizeisprecherin Hjördís Gudmundsdóttir erklärt: „Wir wissen nichts darüber, wie sich die Erde verhält, obwohl wir darüber einiges wissen.“ Die ganze Stadt ist von Spalten und Rissen durchzogen, die plötzlich einstürzen können. In einem sich plötzlich öffnenden Spalt ist vorige Woche ein Bauarbeiter spurlos verschwunden.

Aus der einen Kilometer lange Spalte dringt Lava ins Freie. Links der durchbrochene Schutzdamm

Update vom 15. Januar,08:30 Uhr: Die Lage beruhigt sich. Die Spalte, die sich direkt am Rande der Bebauung geöffnet hatte, hat laut Visir.is am frühen Morgen ihre Aktivität deutlich reduziert. Der Lavastrom blieb kurz vor dem vierten Haus stehen. Aus der zweiten Spalte weiter nördlich dringt immer noch Lava ins Freie. Hier ist es jedoch gelungen, sie mit Schutzwällen umzuleiten, sodass die Lava nach Westen fließt und die Stadt derzeit nicht bedroht.

Der Kommunikationsdirektor des Zivilschutzes sagte, es sei zu früh, um Menschen nach Grindavík zu schicken, um zu versuchen, die dort fließende Lava abzukühlen. Es könnten sich jederzeit neue Lavaspalten öffnen. Das Thermalbad Blaue Lagune, das nördlich der Ausbruchselle liegt, wurde am Montag evakuiert, es bleibt vorerst bis Dienstag geschlossen.

Update vom 14. Januar, 20:12 Uhr: Derzeit dringt die Lava aus zwei Spalten: Nördlich von Grindavík öffnete ein 900 Meter langer Riss, die Lava aus ihm fließt hauptsächlich nach Westen. Ein 100 Meter langer Spalt hat sich nahe dem Stadtrand geöffnet, aus ihm fließt die Lava in die Siedlung Efrahópi. Dem Radiosender RÚV zufolge stehen jetzt drei Häuser in Flammen oder wurden von glühender Lava begraben.

Die Premierministerin Lava Katrín Jakobsdóttir besuchte eine Informationsveranstaltung für die Bewohner von Grindavík, sie sagte: „Die Herzen aller Bürger sind bei den Grindavikern.“ In der Stadt gibt es kein heißes Wasser und der Strom ist ausgefallen, außerdem hat der Lavastrom eine wichtige Straße überquert. Bürgermeister Fannar Jónasson ist selbst betroffen, auch sein Haus liegt in der Schneise des Lavastroms. Er sagt: „Es ist tragisch mitanzusehen, wie die Häuser dem Feuer zum Opfer fallen. Die Stadtbewohner seien nicht mehr deprimiert, sondern gebrochen.“

Naturfotograf dokumentiert den Ausbruch aus der Luft

Der preisgekrönte Naturfotograf Ragnar Axelsson, genannt RAX, flog über das Gebiet in der Dämmerung und fotografierte den Ausbruch. Die Aufnahmen sind beeindruckend und bedrückend zugleich. Auf einem Bild sieht man, wie die Lava in die Stadt fließt.

Benedikt Halldórsson, Seismologe bei der Norwegischen Meteorologischen Agentur, teilte dem Norwegischen Rundfunk mit, dass der Vulkangang die Stadtgrenzen erreicht habe und wahrscheinlich unter der Stadt liege. Halldórsson sagt auch, dass „das schlimmste Szenario, das man sich vorstellen kann, wahr wird“. Laut Halldórsson fließt die Lava derzeit mit einem Tempo von etwa hundert Meter pro Stunde Richtung Stadtmitte.

Polizeichef warnt vor großer Lavaspalte mitten in Island-Stadt

Islands Polizeichef Vídir Reynisson sagte im Sender RUV: „So wie der Ausbruch heute Morgen gegen zehn Uhr aussah, dachte man, dass es vielleicht 24 Stunden dauern wird, bis die Lava Grindavík erreicht. Dann öffnete sich dieser Riss und hat alles verändert.“ Das Wetteramt habe mehrfach gewarnt, dass der Magmazufluss aus dem Erdinneren kein Ende nehmen werde. „Deshalb müssen wir vorbereitet sein und unsere Maßnahmen auf die tatsächliche Gefahr konzentrieren: Eine große Rissöffnung in Grindavík und eine großräumige Gasverseuchung.“ Weitere Eruptionen könnten folgen.

Update vom 14. Januar, 15:42 Uhr: Die Lava hat die ersten Häuser von Grindavik erreicht. Ein Neubau am nördlichen Stadtrand, der noch nicht bezogen war, ging als Erstes in Flammen auf. Bald darauf brannte ein zweites Haus. Eine Livecam (siehe unten) zeigt, wie sich der Lavastrom in die Stadt vorarbeitet. Zuvor war es gelungen, Bagger und weiteres schwere Baumaschinen rechtzeitig

Die Lava hat die ersten Häuser von Grindavik erreicht.

Der Vulkanologe Thorvaldur Thórdarson sagt in einem Interview mit dem National Radio, dass die heutigen Ereignisse das schlimmste Szenario seien, das er sich vorgestellt hatte. Alles deute darauf hin, dass mehr Magma in die Magmakammer von Grindavík fließe.  Lava hat mittlerweile auch das Wasserleitungsnetz erreicht, das Wasser kocht darin. Beruhigend ist laut mbl.is, dass die Gaswolke des Ausbruchs nach Süden aufs offene Meer und nicht nach Norden Richtung Reykjavik zieht.

Update vom 14. Januar, 13 Uhr: Die Lava hat sich mittlerweile laut visir.is bis auf 450 Meter den nördlichsten Häusern der 4000-Einwohner-Stadt Grindaviks genähert. Der Riss ist demzufolge etwa einen Kilometer lang. Es sei nur eine Frage von Stunden, bis die Gebäude und kritische Infrastruktur wie Strom und Wasser erreicht würden. Die Lava war durch eine Lücke eingedrungen, die beim Bau des Schutzwalls noch nicht geschlossen worden war. Der Spalt zieht sich aber auch südlich dieser Erdwälle hin. Bilder in sozialen Netzwerke zeigen, wie nahe die Ausbruchsstelle an der Bebauung liegt.

Fannar Jónasson, Bürgermeister von Grindavík, sagt in einem Interview mit mbl.is: „Natürlich wissen wir nicht, wie sich die Dinge entwickeln werden, aber diese Ausbruchstelle, so weit im Süden, war eines der schlimmsten Szenarien, von denen Wissenschaftler ausgegangen sind. Es sei denn, es würde einfach unter der Stadt ausbrechen.“ Man könne nur beobachten, wie es sich entwickelt. Bei der Evakuierung habe es größtenteils keine Unfälle oder Verletzte gegeben. „Aber es steht viel auf dem Spiel: die Häuser und Besitztümer der Menschen und dann alle Unternehmen, Geräte und Werkzeuge, die ihnen gehören.“

Die Polizei warnt Schaulustige davor, sich zu Fuß auf den Weg zu der Ausbruchsstelle zu machen. Die Straßen sind gesperrt. „Draußen ist es extrem kalt, der Weg ist lang und der Boden ist aufgrund von Rissen und anderen Dingen instabil. Darüber hinaus sind alle Einsatzkräfte beschäftigt und verfügen nicht über die Arbeitskräfte, um Personen abzuholen, die zu Fuß gehen. Das Gebiet ist sowohl im Hinblick auf Risse, Gas und mehr gefährlich“, warnt die örtliche Polizei bei Facebook.

Ursprungstext vom 14. Januar 2024: Grindavik – Seit Tagen hatten neue Erdbebenaktivitäten für Unruhe gesorgt, jetzt es ist wieder so weit: Der Spaltenvulkan im Norden Islands ist wieder ausgebrochen. Der isländischen Zeitung Visir zufolge hatte die Erdbebenaktivität in der Kraterreihe Súndhnúks nördlich der Stadt gegen drei Uhr morgens zugenommen, und in der darauffolgenden Stunde wurden über hundert Erdbeben registriert. Die Stadt ist inzwischen vollständig evakuiert. Offenbar hat die Lava bereits einen Schutzdamm durchbrochen.

Kamera überträgt Vulkan-Ausbruch nördlich der isländischen Stadt live

Der neue Ausbruch begann um 7.59 Uhr am Sonntagmorgen, 14. Januar, in der Nähe der Vulkanspalte, die sich am 18. Dezember gebildet hatte. Allerdings haben sich die Vulkanausflüsse aus der Spalte in den letzten Stunden dieses Mal nach Süden Richtung Grindavik verlagert, heißt es. 

Ein Hubschrauber der Küstenwache hob ab, um die Lage zu sondieren. Der Zivilschutz hat die Warnstufe auf die Notfallstufe angehoben. „Sobald weitere Informationen zum Standort verfügbar sind, werden wir eine neue Mitteilung herausgeben“, berichtet das Zivilschutzministerium.

Lava überquert Erdwälle, die Stadt schützen sollen

Kristin Jonsdottir, Expertin für Naturgefahren des isländischen Wetteramtes, sagt in einem Interview mit Visir, dass der Ausbruch südlich der Vulkanhügel von Hagafell, nördlich der Erdwälle von Grindavik, stattgefunden habe. In den vergangenen Wochen wurden solche Barrieren aufgeschüttet, um die Stadt vor Lavaflüssen zu schützen. Es scheint jedoch, dass der Ausbruch, der sich vor etwa einer Stunde gebildet hat, einen Deich ein kurzes Stück nördlich von Grindavík überquert hat, berichtet mbl.is. Auf einem Video sieht man, wie sich eine Lavazunge auf abgestellte Bagger zu bewegt.

Grindavik war bereits nach der Bebenwelle im November vergangenen Jahres evakuiert worden. Als sich die Lage nach dem ersten Ausbruch im Dezember nördlich der Stadt wieder beruhigt hatte, durften die Bewohner Anfang des Jahres wieder zurück. Bei Aufräumarbeiten in der Stadt war vorige Woche ein Bauarbeiter in einem Spalt verschwunden, der sich spontan geöffnet hatte.

Rubriklistenbild: © ICELANDIC DEPARTMENT OF CIVIL PR/afp

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