Evakuierung

Achterbahn bleibt stecken – das müssen Betroffene unbedingt vermeiden

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Die Achterbahn „Nessie“ im Hansa-Park an der Ostsee ist kurz nach Abfahrt steckengeblieben.
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In einer Achterbahn steckt aufwendige Technik, die auch mal Aussetzer haben kann. Wie sollten Sie handeln, wenn der Zug steckenbleibt? Und wie gefährlich ist das?

Hamm - Eine Achterbahn soll mit hoher Geschwindigkeit und rasantem Streckenverlauf für Adrenalin sorgen. Nicht aber mit einem unplanmäßigen Sicherheitsstopp. Doch wo komplexe Technik ihr Werk verrichtet, kann es immer mal zu kleinen Unregelmäßigkeiten kommen. Wenn Besucher in Freizeitparks wie dem Movie-Park oder dem Phantasialand in NRW Zeuge davon werden, wie Mitfahrende aus einem Achterbahnzug evakuiert werden, sorgt das bei vielen natürlich erst einmal für ein komisches Gefühl. Aber besteht wirklich eine Gefahr für die Passagiere? Und ist eine Störung an einem Fahrgeschäft wirklich so etwas Außergewöhnliches?

Achterbahn im Freizeitpark bleibt stecken – eines müssen Betroffene dringend vermeiden

Tatsächlich kann es ganz schnell gehen mit dem ungeplanten Stopp: Die Achterbahn setzt sich in Bewegung, fährt einen Teil des Kettenlifts hoch und bleibt plötzlich stehen. Nichts geht mehr. So beispielsweise geschehen am 24. April 2024 auf der Achterbahn „Nessie“ im Hansa-Park in Sierksdorf in Holstein. Die 1980 eröffnete Looping-Bahn, die im Jahr 2019 im Zuge eines thematischen Umbaus neue Musik von der Firma IMAscore aus Paderborn spendiert bekam, ist ein echter Klassiker in dem Freizeitpark. Aber kann man sie nach diesem „Vorfall“ noch ruhigen Gewissens fahren?

Ganz allgemein: „Die Fahrgeschäfte in Deutschland unterliegen hohen Sicherheitsanforderungen und sind grundsätzlich auf einem sehr hohen Sicherheitsniveau“, erzählt André Sieg vom Tüv-Verband. Fahrgeschäfte würden in Deutschland einer gesetzlichen Prüf- und Genehmigungspflicht unterliegen. „Achterbahnen, Riesenräder oder Karussells, die zum Beispiel in Freizeitparks dauerhaft errichtet sind, müssen einmal pro Jahr von einer unabhängigen Stelle geprüft werden“, erklärt der Experte für Fahrgeschäfte.

Auch, wenn diese Aussagen erst einmal für ein sicheres Gefühl sorgen: Natürlich kann es trotz bester Überprüfung passieren, dass eine Achterbahn ungeplant stoppt. Doch das ist nicht einmal ein negatives Zeichen. Denn: „Kommt eine Achterbahn zum Stillstand, zeigt das zunächst einmal, dass die Sicherheitssysteme funktionieren“, erklärt Sieg.

Achterbahn im Freizeitpark bleibt stecken: Wie läuft eine Evakuierung ab?

Der Experte führt weiter aus: „In den letzten Jahren kam es bundesweit immer wieder zu solchen Vorfällen. In den meisten Fällen konnten die Fahrgäste nach genehmigten Evakuierungskonzepten und Rettungsplänen sicher befreit werden – ohne, dass jemand zu Schaden kam.“

Aber wie sollten Sie sich verhalten, wenn Sie in einer unplanmäßig stoppenden Achterbahn sitzen? „Im Falle einer Evakuierung gilt es vor allem, Ruhe zu bewahren und auf die Ansagen des Personals zu warten und diese genauestens zu befolgen“, sagt André Sieg. Vor allem sollten Besucher nicht versuchen, die angelegten Sicherheitsbügel selbstständig zu öffnen. „Falls eine Selbstevakuierung möglich ist, muss sie durch geschultes Personal begleitet werden“, sagt der Experte.

Die Mitarbeiter sichern die Fahrgäste dann mit einer persönlichen Schutzausrüstung, um sie während der Rettung oder Evakuierung vor einem Absturz zu sichern. Beispielsweise könnten den Passagieren Haltegurte oder Klettergurte angelegt werden. „Die Achterbahnen können dann beispielsweise über speziell angelegte Tritte und Treppen sicher zu Fuß verlassen werden“, sagt André Sieg.

Damit die Achterbahn sicher ist, haben auch Fahrgäste eine Aufgabe

Wenn eine Achterbahn also zum Stillstand kommt und die Besucher evakuiert werden müssen, ist das kein Zeichen dafür, dass etwas Schlimmes passiert ist. Und ein besonderes Ereignis ist es ebenfalls nicht. Stattdessen heißt das, dass die Sicherheitssysteme gut funktionieren und die Besucher durch geschultes Personal sicher aus der Attraktion geholt werden. Kein Grund zur Sorge. Oder mit den Worten des bekannten Achterbahn-Ingenieurs Werner Stengel: „Achterbahnfahren ist sicherer als Autofahren.“

„Die Betreiber tragen durch sachgemäße Wartung und Instandsetzung zu einem sicheren Betrieb und einem uneingeschränkten Freizeitvergnügen bei“, bestätigt auch André Sieg noch einmal. Der Tüv-Experte macht allerdings auch darauf aufmerksam, dass die Freizeitpark-Besucher selbst ebenfalls eine aktive Rolle einnehmen, um Sicherheit zu gewährleisten: „Auch die Benutzer haben einen Anteil daran, und zwar durch entsprechende Selbsteinschätzung und angemessenes Verhalten.“

Trotz hohen Sicherheitsstandards ist natürlich nicht jedem Freizeitpark-Besucher nach einer wilden Fahrt. Manch einer konzentriert sich lieber auf die Atmosphäre oder ruhigere Fahrten. Oder freut sich sogar über ein wenig körperliche Betätigung. Das Phantasialand bietet seit Beginn der Sommersaison 2024 neue Familien-Attraktionen, die zum Klettern und Erkunden einladen. Kunden des Ketteler-Hofs müssen sich 2024 mit einer ganz anderen Neuerung anfreunden. Sie betrifft das Ticket-System und könnte für reichlich Umgewöhnung sorgen.

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