VonJulia Hanigkschließen
Der Tourismus ist eine Herausforderung für Südtirol. Berg- und Wanderführer warnen vor den Auswirkungen: „Belegen auch steigende Zahlen bei den Einsätzen der Bergrettung“.
Bozen – Capri will weniger Fähren anlegen lassen, Pompeji führt eine maximale Besucherzahl für Touristen ein und ein beliebter See in Südtirol, der auch als Instagram-Spot gilt, gibt die Zufahrt in der Hauptsaison nur für eine bestimmte Auto-Anzahl frei. An immer mehr Orten – nicht nur in Italien, sondern auch massiv in Spanien – überrollen Besucher die einst wenig frequentierten Sehenswürdigkeiten. Das fällt besonders dann auf, wenn es sich auch um Weltkulturerbe handelt, die durch die Massen beschädigt werden oder Naturreservate, die plötzlich mit Müll und lautem Geschrei kämpfen, statt idyllische Ruhe zu verbreiten.
Massentourismus in Südtirol besorgt Verantwortliche
So sind in Südtirol in den Sommermonaten Dolomitenpässe verstopft und Gastwirte gehen auf die Barrikaden. Südtiroler schwenkten auch schon „Kuane Piefke“-Banner bei einem Fußballspiel. 2019 zählte Südtirol mehr als 34 Millionen Übernachtungen – „Das sind rund zwei Millionen mehr als in ganz Griechenland“, so Landesrat Arnold Schuler, der für die Südtiroler Volkspartei (SVP) in der autonomen Provinz für die Themen Land- und Forstwirtschaft und den Tourismus zuständig ist. Mit einem strikten Bettenstopp sollen die Touristenmassen gedeckelt werden.
Bergführer und Wanderleiter: „Entwicklung aus dem Ruder gelaufen“
Nun äußerte man sich auch bei den Jahreshauptversammlungen von Bergführern und Wanderleitern besorgt. Präsident Thomas Zelger warnt vor der Übererschließung der Berge und dem einhergehenden Massentourismus, vielfach auch „Overtourism“ genannt. „Die Entwicklung der letzten Jahre scheint aus dem Ruder gelaufen zu sein“, so Zelger. „Wenn wir so weitermachen, werden sich klassische Naturliebhaber mittelfristig nach anderen Destinationen umsehen“, hieß es. Der Präsident erwähnte die kilometerlangen Staus (zum Beispiel am Brenner), teure Parkplätze, überfüllte Pässe und überbuchte Hütten, wie Südtirol News wiedergibt.
Um den Touristenmassen Herr zu werden, werden aber auch immer neue Wege erschlossen und Menschen begeben sich auf die Routen, die keinerlei Erfahrung mitbringen. Immer mehr häufen sich Meldungen von Wanderern mit Sandalen am Berg oder riskante Unternehmungen, die mitunter tödlich enden. „Das belegen auch steigende Zahlen bei den Einsätzen der Bergrettung“, so Zelger. Man müsse sich selbst Regeln auferlegen.
Auch auf die neuen Gefahren aufgrund der Folgen des Klimawandels kamen zur Sprache. Insbesondere Bergstürze und Steinschläge nehmen immer mehr zu, Schnee fällt später oder gar nicht, Gletscher tauen. (jh)
Rubriklistenbild: © Imagebroker/imago stock&people/Symbolbild

