- VonCarmen Mörwaldschließen
Seit Tagen werden immer wieder die Favoriten für die Nachfolge von Papst Franziskus genannt. Zwei Forscher überraschen nun mit einer außergewöhnlichen Prognose.
Vatikan – Die Wahl eines neuen Papstes ist nicht nur ein kirchliches Großereignis, sondern auch ein spannendes Feld für spieltheoretische Analysen, wie zwei ungarische Wirtschaftswissenschaftler beweisen. László Á. Kóczy und Balázs R. Sziklai haben bereits vor dem bevorstehenden Konklave chancenreichsten Kandidaten analysiert. An der Spitze ihrer Liste steht ein kanadischer Kardinal. Laut der Austrian Presseagentur (APA) haben die beiden Experten bereits die Wahl von Papst Franziskus vorhergesagt.
Möglicher neuer Papst vertritt ähnliche Ansichten wie Franziskus
Das Modell der Experten basiert auf zwei zentralen Indikatoren: der ideologischen Ausrichtung und der geografischen Entfernung zu Rom. Besonders einflussreich demnach sind Kardinäle, die entweder extreme oder gemäßigte Positionen einnehmen. Der damals zu Papst Franziskus gewählte Jorge Mario Bergoglio galt als ideologisch gemäßigt, kam aber zugleich „vom anderen Ende der Welt“, wie er selbst sagte. Franziskus landete in der Berechnung von 2013 auf dem dritten Platz.
Glaubt man Kóczy und Sziklai, wird Kardinal Michael Czerny (79) aus Kanada mit einer Wahrscheinlichkeit von 13,2 Prozent die Nachfolge antreten. Dieser vertritt im Gegensatz zu den meisten anderen Favoriten einen Ansatz, der der Vision von Franziskus gleicht, wie seiner Biografie zu entnehmen ist. So setzt er sich unter anderem für soziale Gerechtigkeit, Minderheiten und die Umwelt ein. Bevor er zum Kardinal wurde, arbeite er unter Franziskus als Untersekretär der Abteilung für Migranten und Flüchtlinge.
Deutsche Kardinäle haben gute Chancen – „Würde jetzt kein Geld darauf setzen“
Hinter Czerny folgen die Kardinäle Carlos Castillo Mattasoglio aus Peru, Pablo Cezar Costa aus Brasilien, José Cobo Cano aus Spanien und Francesco Montenegro aus Italien mit jeweils 12,6 Prozent. In die Top zehn geschafft hat es außerdem Mario Grech aus Malta, John Dew aus Neuseeland, Leonardo Ulrich Steiner aus Brasilien, Juan José Omella aus Spanien und der Italiener Domenico Battaglia. Doch auch die drei deutschen Kandidaten haben mit jeweils über sieben Prozent gute Chancen.
Für das aktuelle Konklave, das am Mittwoch (7. Mai) beginnt, haben die ungarischen Experten ihr Modell verfeinert, indem sie die ideologischen Positionen der Kardinäle detaillierter erfasst und das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf als neuen Indikator eingeführt haben. Damit sollte der Tatsache Rechnung getragen werden, dass „Australien als Teil der ersten Welt angesehen wird“, erklärt Kóczy laut Medienberichten im Gespräch mit APA – anders als das näher an Rom liegende Afrika.
„Es ist ein interessantes Experiment, aber ich würde jetzt kein Geld darauf setzen“, so Kóczy. Für Spieltheoretiker sei die Papstwahl interessant, weil einzelne Wähler große Autonomie hätten. In politischen Gremien sei dies nicht so, weil es dort Abstimmungsverhalten durch Parteiloyalitäten oder geografische Nähe gebe. Als Katholik glaube er zwar an den Heiligen Geist, „aber er wirkt durch Menschen“. Das Konklave dürfte somit „kein Ergebnis bringen, das schwer zu erklären sein wird“. (cln)
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