„Titan“-Unglück

U-Boot implodiert, fünf Menschen tot: Juristen befürchten „gewaltige Schadensersatzforderungen“ für Betreiber

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Beim U-Boot-Unglück um die „Titan“ kamen fünf Menschen ums Leben. Nun stellt sich die Frage, welche juristischen und finanziellen Konsequenzen dies für den Betreiber haben könnte.

München – Seit Donnerstag (22. Juni) ist es traurige Gewissheit: Alle fünf Passagiere des Mini-U-Boots „Titan“ kamen wohl durch eine Implosion ums Leben. Nach viertägiger Suche hat ein Tauchroboter am Donnerstag in 3.800 Meter Tiefe am Meeresgrund Trümmerteile gefunden, nur hundert Meter von der Titanic entfernt.

Neben der NTSB, der nationalen Behörde für Transportsicherheit in den USA, ermittelt auch die US-Küstenwache, die kanadische Polizei sowie die kanadische Verkehrssicherheitsbehörde (TSB) in dem Unglück.

„Titan“-Unglück: Kanadische und US-amerikanische Behörden ermitteln

Hauptziel eines ranghohen Untersuchungsgremiums der US-Küstenwache sei es, durch Empfehlungen ähnliche Vorfälle zu vermeiden, sagte der zuständige Chefermittler Jason Neubauer. Das Gremium habe bereits mit dem Sammeln von Beweisen begonnen. Dazu gehörten Einsätze zur Sicherstellung von Trümmern an der Unglücksstelle, fügte er hinzu.

Die Expertengruppe könne auch Empfehlungen für mögliche zivil- oder strafrechtliche Sanktionen abgeben, falls dies erforderlich sei. Zuvor hatte die kanadische Polizei angekündigt, strafrechtliche Ermittlungen zu prüfen. Derzeit bestehe aber kein Verdacht auf kriminelle Aktivitäten, hieß es.

Nach U-Boot-Tragödie: Juristische Folgen für OceanGate?

Juristen in Washington erklärten, dass die Firma OceanGate, Betreiber der „Titan“, auf lange Sicht gesehen mit „gewaltigen Schadensersatzforderungen konfrontiert“ werden wird. Dies berichteten mehrere Agenturen unter Berufung auf US-Medien. Dies sei ein Umstand, an dem auch der Fakt, dass alle Teilnehmer der Expedition zur Titanic vorab Verzichtserklärungen unterzeichnen mussten, nichts ändern würde.

Für den „Titan“-Betreiber OceanGate könnte das Unglück strafrechtliche Konsequenzen mit sich bringen.

Auch der Anwalt für Personenschäden Neama Rahmani glaubt, dass eine Zivilklage „100 Prozent sicher“ ist. Das berichtet er gegenüber people.com. „Die strafrechtliche Verfolgung ist eine größere Frage. Es hängt wirklich davon ab: Was haben sie gewusst und was haben sie daraufhin getan? Da ich weiß, wie bekannt die Sache ist, würde es mich nicht überraschen, wenn die Verantwortlichen strafrechtlich verfolgt würden.“

Diese Kosten könnten auf den Betreiber zukommen

Neben den juristischen Folgen sind auch die finanziellen Konsequenzen ungewiss. Noch ist unklar, wie es mit der Bergung der Überreste sowie Leichen weitergehen soll. In der Tiefe würden „unerbittliche Bedingungen“ herrschen, so Konter-Admiral John Mauger, Chef der Küstenwache.

Zu den Kosten der Suche sagte Mauger: „Nach US-amerikanischem Recht und der Politik der Küstenwache erhebt die Küstenwache keine Gebühren für Such- und Rettungseinsätze.“ Der Ozean sei eine „unversöhnliche Umgebung“. „Jedes Wochenende gibt es Risiken, die eingegangen werden, wenn Menschen mit unzureichender Sicherheitsausrüstung und unzureichender Ausbildung aufs Wasser gehen oder berauscht Boot fahren.“

„Titan“-U-Boot implodiert: Kritik an OceanGate

Nach Angaben verschiedener Experten hatten die Entwickler und Betreiber des Tauchboots anerkannte Standards umgangen und Warnungen missachtet. Medienberichten zufolge warnte schon 2018 ein Brief der Organisation Marine Technology Society (MTS) vor dem experimentellen Charakter des touristischen Angebots, und dass die Fahrten in einer Katastrophe enden könnten.  Das Unglück der Titan wird wahrscheinlich große Auswirkungen auf künftige Tauchfahrten zum Wrack der Titanic haben. (jsch mit dpa/afp)

Rubriklistenbild: © OceanGate Expeditions/dpa

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