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Seit Sonntag wurde nach dem vermissten Tauchboot „Titan“ gesucht. Der Fund eines Trümmerfeldes zeigt: Das U-Boot ist implodierte und alle Passagiere kamen ums Leben. Doch einige Fragen sind noch offen.
New York/ St. John‘s – Am Sonntag (18. Juni) brach die Tauchkapsel zur Expedition zum Titanic-Wrack auf, das 1912 im Nordatlantik sank. Bereits nach eindreiviertel Stunden brach der Kontakt zum Begleitschiff ab. Nach tagelanger Suche teilte am Donnerstag (22. Juni) die US-Küstenwache mit, dass sie ein Trümmerfeld gefunden hatten – in etwa 3800 Metern Tiefe und knapp 500 Meter vom Bug der Titanic entfernt.
An Bord der Tauchkapsel befanden sich fünf Personen: Der OceanGate-Chef Stockton Rush, der britisch-pakistanische Geschäftsmann Shahzada Dawood und sein 19-jähriger Sohn Suleman, der britische Unternehmer Hamish Harding und der Franzose und Titanic-Experte Oaul-Henri Nargeolet. Bei einer „katastrophalen Implosion“ kamen alle Insassen ums Leben.
1. Warum begann die Suche nach der „Titan“ erst nach acht Stunden?
Obwohl der Kontakt der „Titan“ zum Mutterschiff früh abbrach, alarmierte die Firma „OceanGate Expeditions“ die US-Küstenwache erst nach acht Stunden. Die Familie des Briten Harding erhebt schwere Vorwürfe: „Es hat so lange gedauert, um die Rettungsmission zu beginnen, es war viel zu lange“, sagte Hardings Cousine Kathleen Cosnett der Zeitung Telegraph.
Bei vorherigen Tauchgängen der „Titan“ kam es bereits immer wieder zu Problemen mit der Verbindung. „Die Kommunikation ist jedes Mal abgebrochen, das Problem schien Teil der Mission zu sein“, sagte Mike Reiss dem Sender ABC. Der US-amerikanische Drehbuchautor hatte vier Tauchgänge mit der Firma unternommen. Möglicherweise hat das Unternehmen deswegen so lange gewartet, Behörden einzuschalten.
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2. Hätte eine schnellere Rettungsmission etwas am Verbleib der Insassen geändert?
Bereits am Sonntag soll ein akustisches Unterwassererkennungssystem der US-Navy die Implosion der „Titan“ registriert haben. Das sei zum selben Zeitpunkt gewesen sein wie der Kontaktabbruch zum Mutterschiff. Demnach hätte auch eine frühere Alarmierung der Küstenwache nichts geändert.
Der Druck in dem tiefen Gewässer sei zu stark gewesen und brachte das Boot in einem Bruchteil einer Millisekunde zur Implosion, sagen Experten. Das hätte auch keine Rettungsaktion verhindern können. Den kurzen Moment der Implosion könne das Gehirn nicht erfassen, erklärte die Ex-Marineoffizierin Aileen Marty CNN. „Das ganze Ding ist kollabiert, bevor die Menschen darin überhaupt bemerken konnten, dass es ein Problem gab“, betonte die Professorin für Katastrophenmedizin. „Letztlich ist dies mit Blick auf die vielen Möglichkeiten, wie wir sterben können, schmerzlos.“
3. Haben die Passagiere die Titanic jemals gesehen?
Die Passagiere der „Titan“ haben das Wrack der Titanic wohl nie gesehen. Das Tauchboot implodierte bereits bei dreiviertel des Abstiegs, sagte er pensionierte Marine-U-Boot-Fahrer Mark Martin dem Sender WFLA. Die Trümmer wurden zwar in der Nähe des Missionsziels gefunden, diese seien aber herabgesunken.
4. Werden die fünf Passagiere jemals geborgen?
Die Bergungsarbeiten laufen und „große Trümmerteile“ seien bereits aus dem Nordatlantik geholt worden. Weitere Teile ließen sich mit Spezialausrüstung bergen, teilte Kapitän Mark Martin, Bergungsmeister und Tieftauchpilot, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz der Suchtrupps mit. Bergungsschiffe benötigen einen Kran mit einem Draht von 4.000 Metern. Zusätzlich werden ferngesteuerte Fahrzeuge benötigt, um mit den Kränen zusammenzuarbeiten.
Experten gehen jedoch nicht davon aus, dass die Leichen der fünf getöteten Menschen geborgen werden können. Die Umgebung dort unten auf dem Meeresboden ist unglaublich gnadenlos und die Trümmer deuten auf eine katastrophale Implosion des Schiffes hin“, erklärte Admiral Maugner. Die Suche sei trotzdem nicht beendet.
5. Wie steht es um die rechtlichen Fragen?
Die rechtliche Lage des Unfalls ist vage. Laut des Senders CBS mussten die Insassen eine Verzichtserklärung unterschreiben. In der heißt es, die „Titan“ sei „ein experimentelles Tauchschiff, das von keiner Aufsichtsbehörde genehmigt oder zertifiziert wurde und zu körperlichen Verletzungen, Behinderungen, emotionalen Traumata oder zum Tod führen könnte.“
Die Unterschrift heißt jedoch nicht, dass OceanGate von Haftung befreit ist. „Wenn ein Betreiber den Tod eines Kunden rücksichtslos in Kauf genommen hat, werden die meisten Gerichte ihn nicht vom Haken lassen“, erklärt Nora Freeman Engstrom , Juraprofessorin an der Stanford University. Es komme auch darauf an, was die Firma zu dem Zeitpunkt der Expedition wusste. Im Falle einer gerichtlichen Verhandlung, kann es Jahre dauern, bis die „Titan“-Implosion geklärt ist.
Die meisten Reise-Unternehmen seien ohnehin haftpflichtversichert, da eine Verzichtserklärung keine Garantie ist. Dazu kommt, dass der OceanGate-CEO und wichtige Investoren unter den Verstorbenen sind. Für den Betreiber sind also auch noch viele Fragen offen. (dpa/hk)
Rubriklistenbild: © Oceangate Expeditions/PA Media/dpa
