„50- bis 100-jähriges Hochwasser“

Hochwasser im Süden Deutschlands: Feuerwehr gibt wichtige Tipps – „Hier gilt erhöhte Vorsicht“

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Pausenlos fällt Regen auf Süddeutschland nieder. Flüssen treten über die Ufer, Straßen werden gesperrt, Häuser evakuiert. Die Feuerwehr hat Tipps parat.

München – Süddeutschland erlebt einen der nassesten Starts in einen Juni und damit auch in einen Sommer. In weiten Teilen Bayerns und in vielen Regionen Baden-Württembergs warnt der Deutsche Wetterdienst noch bis mindestens Sonntagmorgen vor ergiebigem Dauerregen. Auch auf die Mitte und die Oberlausitz prasselt das Nass aus den Wolken nieder.

Die Niederschlagsmengen sollen mancherorts mehr als 100 Liter pro Quadratmeter betragen. Experten befürchten, dass – wie erst kürzlich im Saarland und in Rheinland-Pfalz – Flüsse oder Bäche über die Ufer treten werden. Sogar das Wort „Jahrhunderthochwasser“ wurde schon in den Mund genommen.

Unwetter in Süddeutschland: Menschen sollen Häuser verlassen - Notunterkunft eingerichtet

In Meckenbeuren im Bodenseekreis wurde am Freitagabend rund 1300 Menschen geraten, wegen akuter Hochwassergefahr ihr Zuhause zu verlassen. In der Stadt Weingarten bei Ravensburg sollen viele Bewohner auf Empfehlung von Stadtverwaltung und Feuerwehr die Untergeschosse meiden und auf keinen Fall im Keller schlafen. Außerdem wird hier eine Notunterkunft eingerichtet.

In Lindau am Bodensee ist nach starkem Regen und Überflutungen ein Mehrfamilienhaus vorsorglich evakuiert worden. Einer Sprecherin der Stadt zufolge war Wasser eingedrungen, weshalb die Gefahr eines Kurzschlusses bestand.

Ungewöhnliche Wassermengen: In Bad Wörishofen droht der Wörthbach über die Ufer zu treten.

Dauerregen in Süddeutschland: Campingplätze werden geräumt - 15.000 zusätzliche Sandsäcke

Der Landkreis Günzburg im bayerischen Schwaben warnte vor einer Hochwasserlage und rief den Katastrophenfall aus. Die Campingplätze an den Flüssen Günz, Kammel und Mindel wurden geräumt. 15.000 zusätzliche Sandsäcke wurden befüllt, um sich gegen das Wasser zu stemmen.

Im Landkreis Augsburg trat der Fluss Zusam über die Ufer, das Wasser überspülte Straßen und flutete einige Keller. Bedrohlich ist die Lage auch im oberschwäbischen Landkreis Biberach, wo das Landratsamt mitteilte: „Es könnte sich ein 50- bis 100-jährliches Hochwasser und gegebenenfalls darüber ausbilden.“ Überschwemmungen seien auch an kleineren Fließgewässern nicht auszuschließen.

Süddeutschland droht Hochwasser: Feuerwehr mahnt in Unterführungen zu „erhöhter Vorsicht“

Die Einsatzkräfte sind in weiten Teilen im Dauereinsatz. Hermann Schreck, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), warnt angesichts der heftigen und langanhaltenden Niederschläge im Feuerwehr-Magazin: „Überflutete Straßen und Wege bergen Risiken – egal, ob man mit dem Auto, zu Fuß oder mit dem Zweirad unterwegs ist.“

Gerade in Unterführungen müssten Feuerwehren feststeckende Fahrzeuge und Insassen aus misslichen Lagen befreien: „Hier gilt erhöhte Vorsicht – oft ist das Wasser höher oder schneller als gedacht!“ Auch Wälder und Hanglagen sollten gemieden werden, denn hier können Bäume umstürzen oder Erdmassen abrutschen.

Außerdem rät die Feuerwehr dazu, in gefährdeten Arealen Gebäudeöffnungen und Abwasserschächte ebenso zu sichern wie Keller und Niedergänge. Es sollte auch darauf geachtet werden, dass Rückschlagventile im Keller funktionsfähig sind.

Missliche Lage: Dieser Kleinbus blieb auf einer überfluteten Straße bei Lindau am Bodensee stecken.

Überflutungen in Süddeutschland: Warnungen vor Gang in volllaufende Tiefgaragen

Im Gespräch mit dem BR verrät Manuel Kumpfmüller, dass es „lebensgefährlich“ sein kann, das Auto aus der vom Wasser heimgesuchten Tiefgarage fahren zu wollen. „Wir hatten schon Fälle, wo Menschen in der Tiefgarage ertrunken sind“, berichtet der Sprecher der Berufsfeuerwehr Augsburg: „Die Tiefgarage kann bei solchen Wettereignissen rasend schnell volllaufen.“ Nach Möglichkeit sollten Fahrzeuge daher vorher im Freien abgestellt werden.

Wertvolle Gegenstände sollten bei Hochwassergefahr auf keinen Fall auf dem Kellerboden gelagert werden, gleiches gilt für Elektrogeräte wie Kühltruhen oder Waschmaschinen. Die Feuerwehr empfiehlt auch, Eimer bereitzustellen, um eindringendes Wasser abschöpfen zu können.

Ratsam ist es, alle Sicherungen herauszunehmen, wenn der Keller vollgelaufen ist. So kann ein eventueller Stromschlag verhindert werden. Kumpfmüller erwähnt in diesem Zusammenhang ältere Häuser ohne FI-Schalter. In jedem Fall sollte eine Taschenlampe zur Hand sein.

Regentage in Deutschland: Auf diesem Garagenhof in Langweid entsteht eine riesengroße Pfütze.

Regenmassen in Süddeutschland: Straßen gesperrt - Evakuierungen in Unterallgäu

Derweil bleibt die Landesgartenschau in Wangen im Allgäu am Samstag wegen der Wetterlage geschlossen. Die Landstraße 383 bei Reutlingen wurde wegen eines Erdrutsches halbseitig gesperrt. Im Kreis Ludwigsburg sind drei Straßen nicht befahrbar, weil der Neckar über die Ufer tritt.

Am Samstagmorgen wurden die Menschen im schwäbischen Landkreis Unterallgäu in mehreren Ortschaften aufgefordert, ihre Häuser freiwillig zu verlassen, wie Landrat Alex Eder (Freie Wähler) erklärte. Betroffen sind Zell bei Bad Grönenbach, Dirlewang und Teile von Babenhausen. (mg, mit dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Bernd März

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