VonMarcus Giebelschließen
Ein enorm aufgedunsener Wal-Kadaver schwimmt im Meer vor einer norwegischen Insel. Nicht nur die Fischer halten Sicherheitsabstand.
Bleik – Als Fischer hat Dag Rydland auf dem Wasser schon einiges zu Gesicht bekommen. Eine Entdeckung während einer seiner jüngsten Touren war für den Norweger aber so beeindruckend, dass er sie auf Facebook verbreitete und mit der Welt teilte.
Fischer finden Buckelwal-Kadaver auf dem Wasser: „Schon aus einem Kilometer Entfernung gesehen“
Das Video ist 24 Sekunden lang und scheint ein mehrere Meter großes Gebilde auf der Wasseroberfläche zu zeigen. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein aufgeblasener Ball. Tatsächlich handelt es sich um den Kadaver eines Buckelwals. Die Aufnahmen entstanden demnach vor der norwegischen Insel Andoya in der Region Vesteralen, nahe dem Fischerdorf Bleik.
„Wir haben es schon aus über einem Kilometer Entfernung gesehen“, wird Rydland von der Zeitung Dagbladet zitiert: „Er ist riesig. Er ragt vielleicht drei Meter aus dem Meer.“ Der Buckelwal wirke wie ein gasgefüllter Ballon, ähnliche Bilder sind von toten Walen bekannt, die an den Strand gespült werden.
Toter Buckelwal schwimmt auf dem Wasser: Tiere können bis zu 15 Metern und 40 Tonnen schwer werden
Laut Rydland, der mit drei anderen Fischern unterwegs war, dürfte dieser Buckelwal voller Lodde sein, denn die kleinen Fische seien gerade in vielen Schwärmen in der Gegend anzutreffen. Auch der gefischte Kabeljau habe Lodde en masse intus gehabt. Buckelwale ernähren sich ebenfalls von den Tieren.
Der Wal sei erwachsen, betont der Fischer. Demnach könnte die Art bis zu 15 Meter lang werden und 30 bis 40 Tonnen auf die Waage bringen.
Buckelwal-Kadaver im Meer: Fischer halten Sicherheitsabstand
Dem Portal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks NRK sagte Rydland, sie hätten den Kadaver erstmals am Morgen um fünf Uhr gesehen. Als sie fünf Stunden vom Fischen zurückgekommen seien, hätte er sich noch fast genau an derselben Stelle befunden. Womöglich habe er sich in einem Netz verfangen: „Eigentlich müsste er sich in der Zeit, in der wir draußen waren, weiter bewegt haben, also sitzt er wahrscheinlich fest.“
Näher als 100 Meter hätten sie sich nicht herangetraut, denn: „Ich war besorgt, dass er explodieren könnte oder dass sich das Netz in unserem Propeller verfangen könnte.“ Das Gas innerhalb des Kadavers werde irgendwann durch ein Loch entweichen, dann könne der Mageninhalt mehrere Meter weit spritzen. Daher hofft er, dass der Wal bis dahin nicht an Land getrieben wird.
Die Walforscherin Tiu Similä von der Organisation „Whale 2 Sea“, die auch Schnorcheln mit Orcas anbietet, berichtete gegenüber NRK ebenfalls von der Sichtung. Ihr zufolge sind in der Gegend immer mal wieder tote Wale zu sehen, doch dieser sei extrem aufgebläht: „Ich glaube, die Touristen hatten Schwierigkeiten zu verstehen, was sie da eigentlich sahen.“
Buckelwal vor der Explosion? Nach Tod dehnt sich der Körper wegen der Gase aus
Die Erklärung liefert in dem Artikel Nils Oien vom Institut für Meeresforschung. Demnach produzieren bakterielle Prozesse im Inneren Sauerstoff und andere Gase, wodurch sich der Körper aufbläht. Buckelwale verfügen über eine sogenannte Blubberzunge, womit die Unterseite des Mauls umschrieben wird. Dort landen beim Fressen etwa Wasser und Plankton. Nach dem Tod dehnt sich der Körper entsprechend aus und kann platzen.
Der Experte geht jedoch davon aus, dass es nicht so weit kommt und die Gase von selbst entweichen. Werde allerdings mit einem großen Messer auf den Kadaver eingestochen, komme es wahrscheinlich zur Explosion.
Die wollten Rydland und seine Begleiter nun wirklich nicht hautnah miterleben. Auch so war diese Tour auf dem Wasser schon spektakulär genug: „Ich bin seit 27 Jahren Fischer, aber so etwas habe ich noch nie gesehen. Ich habe sowohl an Land als auch auf See tote Wale gesehen, aber so etwas noch nie.“
Forscher haben erstmals Buckelwale bei der Paarung gefilmt – beide Tiere sind männlich. Ein Surfer wurde von einem Buckelwal-Baby metertief unter Wasser gezogen: „Ich dachte, es ist vorbei.“ Vor der Nordseeküste ziehen Fischer einen Fünf-Meter-Hai aus dem Wasser. (mg)
Rubriklistenbild: © Facebook/@Dag Rydland

