VonTeresa Tothschließen
Daniela Klette wurde nach jahrzehntelanger Flucht festgenommen. Sie könnte jetzt Hinweise auf den Verbleib ihrer RAF-Komplizen geben.
Update vom 28. Februar 2024, 16.32: Mehr als 30 Jahre lebte sie im Untergrund, jetzt soll die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette die Fahnder auf die Spur ihrer Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg bringen. Die in Berlin festgenommene 65-Jährige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft in Niedersachsen. Staub (69) und Garweg (55) werden dagegen weiterhin mit Hochdruck gesucht. Beim zuständigen Ermittlungsrichter am Amtsgericht Verden machte Klette zu den Vorwürfen keine Angaben, wie eine Sprecherin des niedersächsischen Justizministeriums sagte.
Wie dicht die Fahnder inzwischen Staub und Garweg auf den Fersen sind, ist unklar. Aus „ermittlungs- und einsatztaktischen Gründen“ gab das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen am Mittwoch zunächst keine weiteren Details bekannt. Die Berliner Polizei setzte ihre Ermittlungen am Mittwoch in dem Wohnhaus in der Sebastianstraße fort. Am Morgen standen zunächst drei Mannschaftswagen der Berliner vor dem Gebäude. Der Hauseingang war weiterhin mit Flatterband abgesperrt, wie ein dpa-Reporter berichtete. Auch das Bundeskriminalamt unterstützt die Ermittlungen.
Am Nachmittag ist laut einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung eine dritte Person in Berlin festgenommen worden, nachdem eine zweite wieder freigelassen wurde.
Ehemalige RAF-Terroristin soll bei der Festnahme keinen Widerstand geleistet haben
Erstmeldung vom Dienstag, 27. Februar 2024: Berlin – Nach einer dreißigjährigen Suche ist die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette (65) in Berlin festgenommen worden. Die Verhaftung fand am Montagabend (26. Februar) in Kreuzberg statt. Daran beteiligt waren hauptsächlich die niedersächsische Polizei, deren Ermittlungen zu der Festnahme geführt haben sollen.
„Wir haben da eine Festnahme von Frau Klette“, erklärte der Oberstaatsanwalt von Verden, Koray Freudenberg. Demnach konnten die Ermittler Klette in einem Mietshaus in der Sebastianstraße stellen. Am Dienstag (27. Februar) postierten sich uniformierte Polizisten vor dem siebenstöckigen Gebäude. Der Eingang war blockiert. Kriminaltechniker waren vor Ort und untersuchten die betroffene Wohnung nahe der ehemaligen Grenzlinie zwischen West- und Ost-Berlin. Bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag in Hannover enthüllte das Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) weitere Details zur Festnahme.
Demnach habe Klette bei ihrer Festnahme keinen Widerstand geleistet, so LKA-Präsident Friedo de Vries. Die 65-Jährige lebte dort nach Angaben des Landeskriminalamtes Hannover unter falscher Identität – unklar sei, wie lange sie dort lebte. Bei der Durchsuchung fanden die Ermittler den Angaben zufolge unter anderem Magazine einer Waffe und Patronen. Eine Waffe sei bislang nicht gefunden worden.
Den entscheidenden Hinweis habe man aus der Bevölkerung bekommen – allerdings nicht im Zusammenhang mit der TV-Sendung „Aktenzeichen XY“. Die Staatsanwaltschaft Verden hatte am 14. Februar um Hinweise zu ehemaligen RAF-Terroristen in der Sendung gebeten. Der Hinweis kam allerdings bereits im November 2023. Wegen Geheimhaltung darf das LKA hierzu jedoch nicht mehr sagen. Der Festnahme vorausgegangen war eine jahrelange Ermittlungsarbeit.
| Person: | Daniela Marie Luise Klette |
|---|---|
| Alter: | 65 Jahre |
| Grund der Festnahme: | Ehemaliges Mitglied der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) |
| Dauer der Flucht: | Über 30 Jahre |
Daniela Klette gehörte der dritten Generation der RAF an
Klette gehört der sogenannten dritten Generation der RAF (Rote Armee Fraktion) an. Mitglieder dieser Generation sollen den damaligen Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, und den Treuhand-Chef, Detlev Karsten Rohwedder, ermordet haben. Die Täter und das Motiv sind jedoch bis heute unbekannt. Rohwedder wurde am 1. April 1991 in Düsseldorf in seinem Haus am Schreibtisch erschossen. Das RAF-Kommando bekannte sich zu der Tat. Rohwedder wurde in einer Kleingartenlage ermordet. Es war der letzte Mordanschlag, der der RAF zugeordnet wird. Klette tauchte danach unter.
Rote Armee Fraktion (RAF)
Die linksextremistische Terrororganisation, die sich selbst als „Rote Armee Fraktion“ bezeichnete, entstand 1968 in Deutschland. Über mehrere Jahrzehnte, bis in die 90er Jahre hinein, führte die Gruppe eine Reihe von Anschlägen durch, bei denen insgesamt 35 Menschen ihr Leben verloren.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung
Klette steht zudem unter Verdacht, an einem Schusswaffen-Angriff auf die US-Botschaft in Bonn 1991 beteiligt gewesen zu sein. Es wird auch eine Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt 1993 vermutet. Spuren weisen darauf hin, dass sie auch bei der Anti-Terror-Aktion 1993 im mecklenburgischen Bad Kleinen am Tatort war. Bei der Aktion starben damals der Polizist Michael Newrzella und der RAF-Mann Wolfgang Grams. Die ehemalige RAF-Terroristin Birgit Hogefeld wurde festgenommen.
Zuletzt wurde ein ehemaliger RAF-Terrorist in Wuppertal vermutet
Neben Klette suchen die Staatsanwaltschaft Verden und das Landeskriminalamt Niedersachsen seit Jahrzehnten auch nach den ehemaligen RAF-Terroristen Burkhard Garweg (55), Ernst-Volker Staub (69). Auch sie waren Teil der dritten RAF-Generation. Die Behörden beschuldigen Garweg und Staub gemeinsam mit Klette neben des versuchten Mordes auch einer Reihe schwerer Raubüberfälle zwischen 1999 und 2016. Die Tatorte befanden sich in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Überfälle nicht politisch motiviert waren. Die Beschuldigten sollen die Taten begangen haben, um an Geld zu gelangen.
Am 18. Februar wurde der Hauptbahnhof in Wuppertal weiträumig abgesperrt und schwer bewaffnete Spezialkräfte der Polizei holten einen Mann aus einem Zug, weil ein Augenzeuge ihn für einen gesuchten Ex-RAF-Terroristen hielt. Der Verdacht, es handele sich um Ernst-Volker Staub, bestätigte sich jedoch nicht. (tt/afp/dpa)
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