Unterschiedliche Ansichten

Corona-Herbst in Deutschland: Experte widerspricht Lauterbach – Pandemie „ist vorbei“

+
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt vor einem schweren Corona-Herbst in Deutschland. Lungen-Professor Thomas Voshaar erklärt die Pandemie indes für beendet.
  • schließen

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt vor einem schweren Corona-Herbst. Lungen-Professor Thomas Voshaar erklärt die Pandemie indes für beendet.

Berlin – Ist die Pandemie vorbei oder steht ein bitterer Corona-Herbst Deutschland bevor? Wie ist also mit der Corona-Pandemie umzugehen? Eine Frage, die in Deutschland seit März 2020 im Raum steht und bereits die unterschiedlichsten Antworten und Reaktionen hervorgerufen hat. Das eine Lager zeigt sich als überaus vorsichtig und plädiert dafür, Corona-Regeln in Deutschland möglichst lange aufrechtzuerhalten. Das andere Lager spricht sich für Öffnungen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens aus. Positionen, die auch durch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und den Lungen-Professor Thomas Voshaar eingenommen werden. Ihre Standpunkte könnten kaum unterschiedlicher ausfallen.

Corona-Herbst in Deutschland: Karl Lauterbach warnt vor Katastrophe – Lungen-Professor wiegelt ab

Es steht ein „katastrophaler Corona-Herbst“ bevor, hieß es von Karl Lauterbach zuletzt immer wieder. Der Sozialdemokrat und Gesundheitsminister ist als Mahner bekannt, der Corona in Deutschland alles andere als auf die leichte Schulter nimmt. Die Rückkehr von altbekannten Pandemie-Maßnahmen, allen voran die Maskenpflicht in Innenräumen, schließt Lauterbach als Corona-Regeln im Herbst nicht aus. Das sorgt bei Lungen-Professor Thomas Voshaar für Kopfschütteln im Hinblick auf einen möglichen Corona-Herbst in Deutschland.

Auch der Pneumologe befasst sich täglich mit der Pandemie und den damit verbundenen Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft. Neue Maßnahmen für den Corona-Herbst in Deutschland, wie sie auch Justizminister Marco Buschmann (FDP) nicht ausschließt, erachtet Voshaar aber nicht für sinnvoll. Im Gegenteil: „Die Pandemie als große Bedrohung mit schweren Krankheitsbildern und Todesfällen liegt hinter uns“, heißt es von Voshaar gegenüber der Welt. Schließlich würde man reine Corona-Patienten in den Krankenhäusern „schon seit Monaten“ nicht mehr sehen.

Corona-Herbst in Deutschland: Experte sieht Gefahr nicht – und erklärt Pandemie für beendet

Deshalb hat sich Thomas Voshaar im Verbund mit zehn weiteren Ärzten und Wissenschaftlern dazu entschieden, eine Stellungnahme unter dem Titel „Kein Covid-19 mehr – nur noch ‚Omikronitis‘“ zu veröffentlichen. Hier wird die bisherige Corona-Politik der Bundesregierung bewertet, ein Ausblick inklusive. Doch auch die Gegenwart darf im Interview mit der Welt nicht zu kurz kommen:

Die gegenwärtige Konfusion, dieses Durcheinandergerede der Warner, der düsteren Propheten und der Letzte-Wahrheit-Wisser rührt daher, dass die Dinge sich gewandelt haben, und das zum Guten.

Lungen-Professor Thomas Voshaar im Interview mit der „Welt“

Einen schweren Herbst möchte Voshaar per se nicht abstreiten. Corona würde hiermit aber nicht im Zusammenhang stehen, denn „Covid-19 als Krankheit gibt es nicht mehr“. Das klassische Krankheitsbild, das als „gefährliche Lungenentzündung mit Gefäßbeteiligung“ definiert wurde, sei laut Voshaar seit der Omikron-Variante praktisch nicht mehr vorhanden. Und selbst Karl Lauterbach weiß mit Blick auf den Corona-Herbst in Deutschland eine „gute Nachricht“ auf Twitter zu verbreiten.

Corona-Herbst und Corona-Sommerwelle in Deutschland nicht so schlimm? Experte sieht nur „Sorgenmodus“

Angesprochen auf eine mögliche Überlastung der Krankenhäuser im Corona-Herbst, aber auch auf die kritische Situation auf den Intensivstationen infolge einer Corona-Sommerwelle, reagiert der Lungen-Professor wie folgt: „Meist sind es Patienten mit Omikron, die aus anderen Gründen auf der Intensivstation liegen“. Zwar würde es viele Infizierte in den Krankenhäusern geben, jedoch würde der größte Teil aus anderen Gründen ins Krankenhaus kommen, beispielsweise wegen Herzinfarkten oder Hüft-OPs.

Grundsätzlich ist Thomas Voshaar der Meinung, dass der „Alarm-, Panik- und Sorgenmodus“ verlassen werden muss – zugunsten einer „rationalen Betrachtung“. Bedeutet für ihn, Ansteckungsrisiko und Infektionszahlen nicht mehr als die entscheidenden Kennziffern heranzuziehen. Schließlich würde sich am Ende jeder anstecken.

Corona-Herbst in Deutschland: Karl Lauterbach wirbt für 4. Impfung – Experte nennt Antikörper „bestmöglichen Schutz“

Empfehlungen von Karl Lauterbach, der sich mit Blick auf den Corona-Herbst für die vierte oder sogar fünfte Impfung starkmacht, erteilt Voshaar eine klare Absage. Er verweist auf die Antikörper, die nach einer Impfung oder einer Infektion entstehen. Dies würde den „bestmöglichen Schutz“ bedeuten, die „natürliche Immunität“ würde an Stabilität gewinnen.

Zum Ende des „Welt“-Interviews kann sich der Lungen-Professor ganz direkte Kritik nicht sparen. Er spricht vom „Team Vorsicht“ und vom „Team Mutig“, die es beide in Deutschland im Rahmen der Corona-Pandemie gegeben hätte. Allein, die Vernunft sei dabei immer zu kurz gekommen. Namen nennt Thomas Voshaar in diesem Zusammenhang nicht. Dass er jedoch nicht viel von dem Corona-Kurs eines Karl Lauterbachs hält, schwingt in den Zeilen immer wieder mit.

Kommentare